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Nach den Börsenturbulenzen: Wie ETF-Anleger ihr Risiko jetzt minimieren können

Das Auf und Ab an den Börsen hat viele ETF-Anlegende verunsichert. Wie aber wird ein ETF-Portfolio für die Altersvorsorge krisenfester? Und was sind mögliche Alternativen zum Lieblingsindex der Deutschen, dem MSCI World? Ein Wegweiser.

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Nach den Börsenturbulenzen: Wie ETF-Anleger ihr Risiko jetzt minimieren können

© Nicht definiert

Warum der MSCI World zum Problem werden kann

Er gilt als der Lieblingsindex der Anlegerinnen und Anleger in Deutschland. Monat für Monat dürften mittlerweile einige Millionen hierzulande per Sparplan Geld in einen ETF anlegen, der den MSCI World folgt – auch für ihre zusätzliche Altersvorsorge. Dieser Aktienindex bildet die Wertentwicklung von derzeit etwa 1350 Aktien aus 23 Industrieländern ab, häufig wird er deshalb als Weltindex bezeichnet. Doch nicht zuletzt wegen der unberechenbaren Zollpolitik des US-Präsidenten Donald Trump hat der MSCI World vorübergehend deutlich an Wert verloren; das Zollwirrwarr ist an den Aktien- und Anleihemärkten zu einem negativen Faktor geworden. So büßten MSCI-World-ETFs seit Anfang des Jahres bis Anfang Mai 2025 um die sieben Prozent ein (siehe Tabelle). 

Was ETFs mit weniger oder ohne US-Aktien bringen    
  

Wertent-
wicklung in %*

Wertentwicklung 
pro Jahr in %* 

 
Name ISIN 

laufendes
Jahr 

3 Jahre

5 Jahre

laufende Kosten
pro Jahr in %

MSCI World ohne USA      
Xtrackers MSCI World ex USAIE0006WW1TQ4

3,67

-

-

0,15

MSCI World mit weniger USA  

 

-

-

 

Invesco MSCI World Equal Weight IE000OEF25S1

-0,95

-

-

0,20

VanEck World Equal Weight ScreenedNL0010408704

-0,28

9,51

-14,91

0,20

L&G Gerd Kommer Multifactor EquityIE0001UQQ933

-2,42

-

-

0,50

Welt-ETF mit Schwellenländern  

 

 

 

 

Amundi MSCI All Country WorldLU1829220216

-6,35

9,05

12,47

0,45

Xtrackers Scalable MSCI AC WorldLU2903252349

-6,48

-

-

0,08

SPDR MSCI All Country World IE00B44Z5B48

-6,23

9,18

12,57

0,12

iShares MSCI ACWI IE00B6R52259

-6,04

9,30

12,79

0,20

Vanguard FTSE All WorldIE00B3RBWM25

-6,69

9,13

12,57

0,22

Schwellenländer-ETFs 

 

 

 

 

iShares Core MSCI EMIE00B4L5YC18

-1,42

3,78

6,13

0,18

Xtrackers MSCI Emerging MarketsIE00BTJRMP35

6,23

5,86

7,25

0,18

Amundi Stoxx Europe 600LU0908500753

7,64

-

-

0,07

iShares Core MSCI Europe IE00B4K48X80

7,50

10,79

12,60

0,12

Zum Vergleich: MSCI World  

 

 

 

 

i-Shares MSCI WorldIE00B0M62Q58

-6,99

9,58

13,18

0,50

Amundi MSCI WorldIE000BI8OT95

-7,35

-

-

0,12

*Stand: 8.5.2025

Quellen: Recherchen Ihre Vorsorge, justETF, Stiftung Warentest, Finanztip, Morningstar

 

Wovor Kritiker des MSCI World schon vor Jahren warnten, ist nun eingetreten: Der MSCI World verlor an Wert vor allem wegen seines hohen Anteils an US-Aktien. Der Hintergrund:  

  • US-Aktien hatten in der Spitze einen Anteil von 75 Prozent an dem Aktienindex. Mit den Kurseinbußen ist der Anteil mittlerweile auf etwas über 70 Prozent gesunken.  
  •  Die großen sieben Technologiekonzerne (Apple, Microsoft, Nvidia, Amazon, Meta, Alphabet und Tesla) dominieren noch immer den Index mit einem Anteil von insgesamt fast 20 Prozent (Stand: Anfang Mai 2025) und werden dies auch trotz vorübergehender Kursverluste weiter tun.  Schließlich folgt MSCI World folgt dem Prinzip: Je größer der Börsenwert einer Firma, desto höher ist ihr Gewicht im Index. Deshalb ist der Anteil der „großen Sieben“ so hoch. 
  • Anlegerinnen und Anleger aus Europa laufen außerdem Gefahr, Währungsverluste in Kauf nehmen zu müssen, weil viele der im MSCI World enthaltenen Aktien in US-Dollar gehandelt werden und MSCI-World-ETFs oft in Dollar notieren und ihre Käufer Währungsverluste haben, wenn der Dollar wie zuletzt gegenüber über dem Euro an Wert verliert. 

In die Kritik geraten ist der Index aber auch deshalb, weil in dem Börsenbarometer neue und damit schnell wachsende Trends, die die Zukunft der Weltwirtschaft mitbestimmen könnten, zu spät berücksichtigt werden. Auch andere wichtige und aussichtsreiche Branchen wie Rohstoffe, Versorger oder Gesundheitswesen sind zu gering gewichtet, was zu einer ungleichmäßigen Verteilung führt. Trotzdem haben ETFs auf den MSCI World langfristig orientierten Anlegern in den vergangenen Jahren in Euro gerechnet sehr gute Renditen von etwa neun Prozent pro Jahr beschert (siehe Tabelle).

Anlageexperten sind sich aber einig: Wer sein Risiko minimieren will, kann einem ETF-Basisinvestment auf den MSCI World andere ETFs beimischen, um das Risiko auf mehr Aktien, Branchen, Länder und Regionen zu verteilen. Schließlich steuert die US-Wirtschaft nur rund ein Viertel zum weltweiten Bruttoinlandsprodukt (BIP) bei. 

Wie der MSCI World sich ergänzen lässt

Anlageexperten diskutieren deshalb vor allem fünf Anlagemöglichkeiten, um einen langfristigen Sparplan mit MSCI-World-ETFs zu ergänzen. Die jeweiligen ETFs dazu finden Sie in unserer Tabelle, eine Anlageempfehlung ist damit nicht verbunden. Entscheiden müssen Sie selbst, je nach Ihren persönlichen Vorlieben, Ihrer Risikobereitschaft und Ihren Anlagezielen. 

Möglichkeit 1: Ein Welt-ETF ohne USA 

Wer sein Amerika-Gewicht im Wertpapierdepot reduzieren will, kann zusätzlich einen ETF wählen, der auf den Index MSCI World ohne USA setzt. Dieser entspricht dem MSCI World – aber ohne US-Aktien. Der MSCI World ex USA umfasst etwa 800 Aktien aus 22 Industrienationen. Die Stiftung Warentest merkt aber an: In den vergangenen zehn Jahren hätte ein solcher ETF deutlich weniger Rendite gebracht als ein Standard-ETF auf den MSCI World. Kein Wunder, ohne einen US-Anteil konnte man auch nicht vom Höhenflug der „großen Sieben“ profitieren. 

Möglichkeit 2: Ein Welt-ETF mit weniger USA 

Anlegende können auch einen Welt-ETF wählen, der die Kursentwicklung des MSCI World Equal Weighted nachfolgt. Hier beläuft sich der der US-Anteil auf etwa 40 Prozent bei einer Aktienanzahl von knapp 1400. In diesem Index sind alle Unternehmen gleich gewichtet, und nicht wie beim MSCI World nach ihrem Börsenwert (Marktkapitalisierung). Aber auch dieser Index hinkte lange Jahre mit seiner Rendite dem MSCI World deutlich hinterher.

Möglichkeit 3: Ein ETF, der auf Europa setzt

Man kann aber auch den Anteil europäischer Aktien im Portfolio erhöhen. Dies geht zum Beispiel mithilfe eines ETF, der dem europäischen Aktienbarometer Stoxx 600 folgt. Darin enthalten sind die 600 größten Unternehmen aus europäischen Industrieländern, inklusive der Schweiz und Großbritanniens. Oder man folgt per ETF dem Index  MSCI Europe, der Zugang zu den etwa 400 größten und umsatzstärksten Unternehmen aus 15 europäischen Industrieländern bietet.

Möglichkeit 4: Ein ETF, der in Schwellenländer investiert  

Im klassischen MSCI World sind Unternehmen mit Sitz in Staaten wie China, Indien oder Brasilien nicht enthalten. Wer das ändern will, kann ebenfalls marktbreit weltweit investieren und eine ETF dazu mischen, der dem MSCI All Country World (ACWI) folgt. In diesem Index sind auch Aktien von 24 Schwellenländer (Emerging Markets) berücksichtigt. Insgesamt erhöht sich damit die Anzahl der Titel im Vergleich zum Mutterindex MSCI World von etwa 1350 auf nicht ganz 2560 Titel. 

Das Problem dabei: Trotz der vielen zugefügten Aktien beträgt das US-Gewicht im Index immer noch knapp 64 Prozent. Noch breiter ist das Risiko gestreut beim FTSE All-World Index des britischen Anbieters FTSE Russell. Mit mehr als 4200 Unternehmen deckt er etwa 90 Prozent der weltweiten Aktienbörsenwerte ab. Allerdings liegt auch hier das Gewicht der US-Aktien immer noch bei 62 Prozent.

Alternativ können Anleger ihrem Depot auch ein ETF beimischen, der ausschließlich in Schwellenländer investiert. Dabei sollten sie aber beachten, dass ein weltumspannender ETF wie der auf den MSCI ACWI oder den FTSE All-World bereits Schwellenländer enthält. Wer sich separat in den Schwellenländern engagieren will, kann aber selbst bestimmen, wie hoch der Aktien aus Taiwan, China und Co. sein soll.  

Wie Anleger mit den Kursschwankungen umgehen können - und was man daraus lernen kann

Die Stiftung Warentest rät: Ruhe bewahren und nicht übereifrig Anteile verkaufen. Dafür gibt es mehrere Gründe: 

  • Wer vorzeitig mit Verlusten verkauft, hat die Verluste nicht nur auf dem Papier, sondern tatsächlich realisiert. Ohne Wiedereinstieg können solche Anleger von später möglicherweise steigenden Kursen nicht profitieren. Das gilt erst recht für den Fall, dass man das Geld nicht jetzt oder in naher Zukunft braucht. 
  • Darauf zu hoffen, die richtige Zeit zum Einstieg findet, geht meistens schief. Niemand kann treffsicher voraussagen, ob die Aktienkurse weiter sinken und der Tiefpunkt erreicht ist. In den Jahren 2000 bis 2002 zum Beispiel ging es mehr als zwei Jahre abwärts, der Deutsche Aktienindex (Dax) verlor zwei Drittel seines Wertes. Es kann aber auch sein, dass sich die Kurse schnell erholen, wie im Frühjahr 2020, als die Corona-Pandemie die Weltbörsen erschütterte. Unabhängige Geldexperten empfehlen Privatanlegerinnen und -anlegern dazu, statt auf das richtige „Timing“ zu setzen das sogenannte „prognosefreie Investieren“. Dabei bemüht man sich erst gar nicht, den besten Ein- oder Ausstiegszeitpunkt zu erwischen, weil das ohnehin nicht klappt. 
  • Wer nun stärker diversifizieren will, dafür aber kein zusätzliches Geld zur Verfügung, sollte seine Sparpläne verändern und so schrittweise die Gewichtung im Portfolio ändern. Beispiel: Eine Sparerin legt jeden Monat 200 Euro in einen ETF an, der dem MSCI World nachbildet. Ihr Ziel: Sich ein kleines Vermögen aufbauen, aus dem sie sich später im Ruhestand jeden Monat eine bestimmte Summe auszahlen lässt. Nun reduziert sie die monatliche Einzahlung in diesen ETF auf 100 Euro. Die übrig gebliebenen 100 Euro verteilt sie auf zwei ETF - 50 Euro gehen in einen Europa-ETF, 50 Euro in einen Schwellenländer-ETF. Dadurch reduziert sie Schritt für Schritt den USA-Anteil in ihrem Fondsdepot. 
  • Die vergangenen Monate haben erneut gezeigt: Aktienkurse können stark schwanken. Deshalb sind Aktien-ETFs, etwa für die Altersvorsorge, nur geeignet, wenn man langfristig anlegt. Nach fünf, spätestens nach zehn Jahren hatten international breit angelegte Aktienanlagen in der Vergangenheit auch die größten Kursverluste wieder aufgeholt. Geld, auf das man kurzfristig angewiesen ist, sollten Anleger nie in Aktien investieren. 
  • Wegen der jüngsten Kursturbulenzen kann man sich auch noch einmal in Erinnerung rufen, was die Stiftung Warentest seit Jahren Privatanlegern empfiehlt: sich ein sogenanntes Pantoffelportfolio mit einem Sicherheitsbaustein wie Tages- und Festgeld und einem Renditebaustein mit breit anlegenden Aktien-ETF aufzubauen. Dabei entscheidet man zunächst, wie man das Risiko verteilen will: zum Beispiel 50 Prozent Aktien, 50 Prozent sichere Sparanlagen. Einmal im Jahr sollte man prüfen, ob etwas zu tun ist, um das ursprüngliche Mischungsverhältnis wiederherzustellen. Ohne dieses Rebalancing würden Anleger bei steigenden Aktienkursen einen viel größeren Aktienanteil im Portfolio bekommen, als sie ursprünglich wollten.  
  • Wer in Zeiten niedrigerer Kurse investiert bleibt und weiter spart, kann diese Gelegenheit nutzen, um über ETF-Sparpläne günstig Fondsanteile einzusammeln – und davon zu profitieren, dass sich die Aktienkurse hoffentlich weiter langfristig nach oben bewegen. 

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