München (tö). Drei Prozent Zinsen für Festgeld sind derzeit kaum noch zu erreichen. Auch beim Tagesgeld gehen die Zinsen nach der jüngsten Leitzinssenkung der Europäischen Zentralbank (EZB) weiter zurück. Doch die Zinsen für langfristig angelegtes Festgeld steigen langsam wieder. Experten sprechen deshalb von einer „Normalisierung der Zinsstruktur“. Denn normalerweise erhalten Sparerinnen und Sparer, die über mehrere Jahre ihr Geld fest anlegen, höhere Zinsen als für kurzfristig angelegtes Kapital. Zuletzt war das aber umgekehrt. Was ein Blick auf die Sparzinsen derzeit noch zeigt:
Tagesgeld. Derzeit geht es mit den Zinsen für täglich verfügbares Geld abwärts, das zeigt eine Analyse des Vergleichsportals Verivox von knapp 800 Banken und Sparkassen. So fielen im Februar die Durchschnittszinsen für Tagesgeld von bundesweit tätigen Banken auf 1,48 Prozent. Noch weniger gab es bei Genossenschaftsbanken und Sparkassen. Dort sprangen für Tagesgeld gerade einmal durchschnittlich 0,53 beziehungsweise 0,51 Prozent heraus. Sinken die Tagesgeldzinsen, ist es umso wichtiger, Angebote zu vergleichen und auf die Bestandszinsen zu schauen, also die Zinsen, die eine Bank zahlt, wenn es einige Monate nach der Eröffnung keine Aktionszinsen von derzeit um die drei Prozent mehr gibt.
So gewähren einige Banken nach wie vor Bestandskunden überdurchschnittlich hohe Tagesgeldzinsen, wie etwa der schwedische Finanzdienstleister Klarna (2,40 Prozent) oder der liechtensteinische Vermögensverwalter Will Be (2,40 Prozent), die BMW-Bank (1,90 Prozent), die Renault-Bank (2,10 Prozent) oder die ABC-Bank (2,0 Prozent; Stand jeweils 9. April 2025). Doch auch diese Banken haben ihre Zinsen zum Teil deutlich gesenkt. Bestandszinsen von mehr als drei Prozent für Tagesgeld gibt es bei keiner Bank mehr mit guter oder sehr guter Einlagensicherung.
Festgeld. Zahlreiche Banken haben allerdings ihre Festgeldzinsen für eine Laufzeit von sechs, zwölf oder 24 Monaten gesenkt. Im November 2023 brachte Festgeld mit zwei Jahren Laufzeit noch fast 2,60 Prozent Zinsen im Durchschnitt, ein 15-Jahres-Hoch. Anfang April 2025 gab es laut dem Verbraucherportal biallo.de nur noch durchschnittlich 1,71 Prozent. Gleichzeitig beeinflusst die geplante Verschuldungspolitik in Deutschland den Markt für langfristige Zinsprodukte.
Der neue Finanzminister oder die neue Finanzministerin einer schwarz-roten Koalition muss sich für die Aufrüstung und die Investitionen in die Infrastruktur Geld auf Pump am Finanzmarkt besorgen. Die Folge sind unter anderem steigende Zinsen für Sparende, die für ihre Erspartes längere Laufzeiten vereinbaren. Hier gebe es „derzeit zahlreiche Zinserhöhungen – auch bei deutschen Banken“, heißt es bei biallo.de. Beispiel: Mit 3,0 Prozent bietet die Fürstlich Castell’sche Bank nach Angaben des Verbraucherportals „mittlerweile den höchsten Zinssatz überhaupt, der für fünf Jahre in Deutschland erhältlich ist“. Auch bei drei Jahren Laufzeit ging es bei der fränkischen Privatbank deutlich nach oben – von 2,00 auf 2,75 Prozent.
Tipp: Lohnt es sich also jetzt schon, etwa als Sicherheitsbaustein für die zusätzliche Altersvorsorge, länger in Festgeld, zum Beispiel fünf, sieben oder zehn Jahre anzulegen? Sascha Straub, Finanzexperte der Verbraucherzentrale Bayern, hält wenig davon, wegen ein paar Zehntel mehr hinter dem Komma sich so lange zu binden. „Dafür kommt derzeit verglichen mit den kurzfristigen Anlagen zu wenig zusätzlich heraus.“
Der Experte rät stattdessen, sich eine Zinsleiter zu bauen. Dabei wird eine Gesamtsumme Geld in kleinere Chargen aufgeteilt und zu verschiedenen Laufzeiten angelegt, zum Beispiel für ein, zwei, drei und vielleicht auch fünf Jahre. Dann läuft jedes Jahr ein Festgeldkonto aus, den frei werdenden Betrag kann man erneut anlegen. So haben Sparerende einerseits die Möglichkeit, immer mal wieder über einen Teil des Ersparten zu verfügen und neu zu investieren. Andererseits können sie sich mit längeren Laufzeiten das derzeit bestehende Zinsniveau sichern für den Fall, dass die Zinsen nicht so wie erwartet wieder steigen. Wer nach attraktiven Angeboten mit möglichst guter oder sehr guter Einlagensicherung sucht, wird mit Hilfe von Vergleichsportalen wie biallo.de, verivox.de oder weltsparen.de leicht fündig.
