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Die 5 größten Zinsfallen der Banken

Endlich steigen die Zinsen für Erspartes wieder. Doch viele Angebote für Tages- und Festgeld haben einen Haken.

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Junger Mann auf dem Sofa schaut nachdenklich auf sein Notebook. Bild: IMAGO / agefotostock / George Rudy

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Gute Zeiten für Sparer und Sparerinnen: Für Tages- und Festgeld sind wieder Zinsen von gut drei, teilweise sogar mehr als vier Prozent drin. Viele Banken werben derzeit für ihre Angebote. Doch bevor Sie zuschlagen, sollten Sie prüfen, was genau hinter lukrativ klingenden Offerten steckt und welche Fußnoten zu beachten sind – ein Wegweiser.  

Falle 1: höhere Zinsen nur für kurze Zeit

Millionen Anlegerinnen und Anleger parken inzwischen wieder Erspartes als finanzielle Notreserve auf Tagesgeldkonten. Der Vorteil: Das Geld ist täglich verfügbar, und endlich werden die Guthaben auch wieder verzinst, wenn auch die Zinsen noch weit unter der Inflationsrate von gut sechs Prozent liegen. In der zweiten Augusthälfte gab es für Tagesgeld nach Angaben des Verbraucherportals Biallo.de im Durchschnitt 1,92 Prozent Zinsen, zumindest bei den etwa 60 in dem Vergleich herangezogenen Banken, die überhaupt Zinsen für Tagesgeld herausrücken. Denn nach wie vor zahlen etliche Banken gar nichts. Eine Auswertung des Finanzvergleichsportals Verivox im Juli 2023 ergab, dass von 738 untersuchten Geldhäusern 141 gar keine Zinsen gewährten, darunter vor allem Genossenschaftsbanken und Sparkassen. Diese spekulieren offenbar – anders als deutschlandweit tätige Geldhäuser – viel stärker auf die Treue von Kunden, denen es zu mühsam ist, wegen höherer Zinsen bei der Konkurrenz die Bank zu wechseln. 

Wenn Sie sich damit nicht zufriedengeben und sich eine Bank suchen, die überdurchschnittlich hohe Zinsen zahlt, können Sie allerdings auch in eine Zinsfalle geraten. Der Grund: Viele Banken, die derzeit um Neukunden und Kundinnen werben, boten im Sommer den hohen Zinssatz nur für wenige Monate an.

  • Die größte Direktbank hierzulande, die ING, lockte zum Beispiel mit dem Slogan: „Gönn Dir eine Extrawurst. Mit dem Extra-Konto.“ Die Extrawurst, nämlich 3,5 Prozent Zinsen, gibt es aber nur für sechs Monate. Danach gilt ein variabler Zins von derzeit gerade einmal 1,0 Prozent.
  • Auch beim Discountbroker Consors bekamen Neukunden 3,5 Prozent für sechs Monate. Danach gilt der Zinssatz für Bestandskunden, und der liegt gerade bei mageren 0,8 Prozent (Stand: 18.08.2023). Neukunden werden mit Topzinsen hofiert, Bestandskunden mit Magerzinsen eher abgespeist – nach diesem Prinzip agieren nach wie vor viele Anbieter. Wenn Sie dauerhaft überdurchschnittlich gute Zinsen kassieren wollen, haben Sie jedoch Alternativen.

Möglichkeit 1: Sie werden zum Bank-Hopper, wechseln ständig von einer zur nächsten Bank mit guter Einlagensicherung, immer auf der Suche nach den bestmöglichen sicheren Zinsen, die für eine bestimmte Zeit garantiert sind. Jedes Mal ein Konto neu zu eröffnen und sich dafür auszuweisen, geht online mittlerweile recht schnell. Nötig ist allerdings jeweils ein neuer Freistellungsauftrag, damit die Zinsen ohne Steuerabzug aufs Konto kommen können, sofern der Sparerpauschbetrag von 1000 Euro (Alleinstehende) und 2000 Euro (Verheiratete) pro Jahr noch nicht ausgeschöpft ist. Nicht wenigen Sparenden dürfte das aber zu mühsam sein – und Ihnen vielleicht auch. Sie haben dann aber eine gute Alternative. 

Möglichkeit 2: Sie suchen sich eine Bank aus, die schon in der Vergangenheit verlässlich zumindest überdurchschnittliche Tagesgeldkonditionen geboten hat und jetzt auch wieder zu den besseren Anbietern gehört. Nur wie finden Sie solche Banken, wenn Sie nicht gerade seit Jahren den Markt beobachten? Die Experten des Verbraucherportals Biallo.de haben Banken herausgesucht, die in den vergangenen zehn Jahren an den meisten Tagen überdurchschnittlich hohe Zinsen für Bestandskunden geboten haben. Eine Auswahl von 20 Banken ist in der Tagesgeldtabelle unter diesem Textabschnitt zu finden. Die aktuellen Zinsen für Bestandskunden können sich mittlerweile geringfügig geändert haben. Entscheidend ist aber das Ergebnis der Zehn-Jahres-Untersuchung.  

Banken mit dauerhaft überdurchschnittlich hohen Zinsen für Tagesgeld 

Kein Mindestanlagebetrag, untersuchter Zeitraum: 01.07.2013 bis 16.07.2023, Angaben in Prozent 

 

Bankgeringster Zinshöchster Zinsaktueller Zins für Bestandskunden
Südtiroler Sparkasse0,082,722,72
Akbank0,032,262,26
Merkur Bank0,252,52,5
Oyak Anker Bank0,0511
Advanzia-Bank0,051,61,6
PSD Bank Niederbayern-Oberpfalz0,110,75
NIBC Direct0,051,61,6
ABC Bank0,052,12,1
Deniz-Bank0,011,41
Garanti Bank International0,011,41,25
Barclays0,011,21,2
Pbb direkt0,051,751,75
AKF Bank0,0122
Bank of Scotland0,0522
Vakifbank International0,011,161
IKB Deutsche Industriebank0,0522
Hanseatic-Bank0,0122
ING011
Consorsbank0,0110,8
Gefa Bank0,0222

Die Tabelle zeigt eine Auswahl von 20 Kreditinstituten, die in den vergangenen zehn Jahren mit ihren Zinsen für Bestandskunden am häufigsten über dem Durchschnittszins lagen, den das Verbraucherportal biallo.de täglich ermittelt. Am 24. Juli 2023 lag der Biallo-Index für Tagesgeld ohne Mindestanlagebetrag bei 1,76 Prozent. In der Tabelle sind die Banken danach geordnet, wie häufig sie im Untersuchungszeitraum überdurchschnittliche Zinsen zahlten. Beispiel: Die Südtiroler Sparkasse auf Platz 1 lag im Untersuchungszeitraum mit ihrem Angebot fast immer über dem Index. Bei der Gefa-Bank (Platz 20) traf dies auf knapp ein Drittel der Tage zu. Stand: 24.07.2023. Quelle: www.biallo.de, Süddeutsche Zeitung

Beim Festgeld wird in der Regel nicht zwischen Bestands- und Neukunden unterschieden. Hier treten aber immer mal wieder Anbieter mit attraktiven Konditionen auf den Markt, die sich dann wieder zurückziehen. In der Festgeld-Tabelle ist deshalb ebenfalls eine Auswahl von 20 Anbietern aufgeführt mit langfristig überdurchschnittlich hohen Zinsen. 

Banken mit dauerhaft überdurchschnittlich hohen Zinsen für Festgeld 

Mindestanlage: 5000 Euro, Laufzeit 24 Monate, untersuchter Zeitraum: 01.07.2013 bis 16.07.2023, Angaben in Prozent 

Bankgeringster Zinshöchster Zinsaktueller Zins für Bestandskunden
Bigbank0,73,74
Grenke Bank0,43,43,4
NIBC Direct0,352,32,3
Bank110,253,553,55
DHB Bank0,223,153,15
Akbank0,253,73,7
AKF Bank0,23,43,4
Renault Bank direkt0,153,43,65
Pbb direkt0,153,53,5
Klarna0,154,014,01
ABC Bank0,153,553,55
CreditPlus Bank0,073,613,7
SWK Süd-West-Kreditbank0,144
Vakifbank International0,23,43,65
Garanti Bank International0,152,752,75
Deniz-Bank0,153,353,35
Santander Consumer Bank0,152,752,75
IKB Deutsche Industriebank0,133
Oyak Anker Bank0,152,82,8
Credit-Europe-Bank0,2532,9

Die Tabelle zeigt eine Auswahl von 20 Kreditinstituten, die in den vergangenen zehn Jahren mit ihren Zinsen für zweijähriges Festgeld am häufigsten über dem Durchschnittszins lagen, den das Verbraucherportal biallo.de täglich ermittelt. Am 24. Juli 2023 lag der Biallo-Index für Festgeld mit einem Mindestanlagebetrag von 5000 Euro bei 2,25 Prozent. In der Tabelle sind die Banken danach geordnet, wie häufig sie im Untersuchungszeitraum überdurchschnittliche Zinsen zahlten. Beispiel: Die ersten drei Banken in der Tabelle (Bigbank, Grenke Bank, NIBC Direct) lagen mit ihrem Angebot immer über dem jeweiligen Index.  Die Credit-Europe-Bank (Platz 20) schaffte dies an etwa 71 Prozent der Tage. Stand: 24.7.2023. Quelle: www.biallo.de, Süddeutsche Zeitung

Tipp:  Wenn Sie nicht ständig wegen neuer Zinsangebote die Bank wechseln wollen, sind Sie bei Banken mit dauerhaft überdurchschnittlich guten Konditionen gut aufgehoben. Sollten Sie etwa für die zusätzliche Altersvorsorge in aktienbasierte Fonds beziehungsweise Exchange Traded Funds (ETF) Geld anlegen, können Sie eine Zinsanlage als ergänzenden Sicherheitsbaustein nutzen. 

Falle 2: Je nach Anlagesumme höhere oder niedrigere Zinsen

Viele Tagesgeldangebote sind eingeschränkt. Dann gibt es weniger Zinsen, wenn der Anlagebetrag eine bestimmte Höchstsumme überschreitet. Beim Festgeld wiederum verlangen Banken meist bestimmte Mindestanlagebeträge.

Drei Beispiele für solche Sonderklauseln: 

Beispiel 1: Den „Bonuszins“ von 3,5 Prozent für sechs Monate zahlte der Marktführer ING im Sommer 2023 nur bis zu einem Guthaben von 50.000 Euro, Beträge darüber wurden mit 1,0 Prozent verzinst. 

Beispiel 2: Bei der Sparkasse Erding-Dorfen ist es umgekehrt, Vermögende wurden extra belohnt – mit Mini-Bonuszinsen. Wer dort auf dem Geldmarktkonto Erspartes anlegt, das täglich verfügbar ist, erhielt in der zweiten Augusthälfte bis zu einem Guthaben von 10.000 Euro schlichtweg null Prozent Zinsen. Darüber gab es 0,40 Prozent Zinsen, ab 50.000 Euro mit 0,60 Prozent etwas mehr, ab 250.000 Euro dann 0,80 Prozent und ab 500.000 Euro immer noch mickrige 1,00 Prozent. 

Beispiel 3: Beim Festgeld sind die Einstiegshürden deutlich niedriger gelegt. Manche Anbieter wie der schwedische Finanzdienstleister Klarna verlangen für das Angebot „Festgeld +“ genau einen Euro als Mindestsumme, andere wie die Direktbank DKB 2500 Euro, wieder andere wie die deutsche ABC-Bank 5000 Euro. So oder so, es lohnt sich für Sie, sich vor der Wahl einer Bank das Kleingedruckte unten genau anzuschauen, auf das in der Werbung oft mit einem Sternchen oben hingewiesen wird.  

Falle 3: Teure Kombiangebote

Immer wieder werben Banken für eine Kombination aus Festgeld und Fondsanlage. Das geht zum Beispiel so: Eine Bank verspricht Zinsen von 4,0 Prozent für Festgeld, und zwar garantiert für zwölf Monate. Die 4,0 Prozent gibt es aber nur, wenn gleichzeitig eine bestimmte größere Summe bei derselben Bank in Investmentfonds angelegt wird. Solche Kombi-Angebote haben jedoch einen gravierenden Nachteil: Bei den Fonds handelt es sich in der Regel um aktiv gemanagte Fonds, nicht um kostengünstige ETFs. Bei den gemanagten Fonds sind die Kosten für den Kauf und für die Verwaltung deutlich höher als bei den ETFs. Die Kundinnen und Kunden bezahlen dann quasi mit den höheren Kosten die höheren Zinsen. Die Verbraucherzentrale Baden-Württemberg warnt: Die Masche, Sonderkonditionen für Tages- und Festgeld an den Abschluss weiterer Produkte zu knüpfen, sei weit verbreitet. Dies sei für die Banken lukrativ, weil sie an den Provisionen mehr verdienen, als sie an Extra-Zinsen zahlen müssen.

Falle 4: Totalverlust mit vermeintlichen Top-Zinsen

Hohe Zinsen sind verführerisch. Das wissen auch Finanzbetrüger. Schon immer werben deshalb kriminelle Akteure am Finanzmarkt mit sagenhaft hohen Zinsen. Neu ist nun die Masche mit dem Festgeld, vor der die Verbraucherzentralen gewarnt haben. Dabei werben die Betrüger mit Zinsen, die etwas besser sind als die der seriösen Topanbieter, zum Beispiel mit 4,25 Prozent Zinsen für eine Laufzeit von zwölf Monaten. Doch wer sich von den Angeboten im Internet oder per Mail verlocken lässt, verliert sein eingesetztes Kapital. 

Und das geht so: Die Gauner richten Webportale nur für ihre betrügerischen Zwecke ein oder geben vor, als Beratungsunternehmen Festgeldanlagen zu vermitteln. Wer Kontakt zu ihnen aufnimmt, bekommt täuschend echt wirkende Antragsformulare von angeblichen Partnerbanken. Oder wird zu einem (gefälschten) Eröffnungsantrag geleitet, der sich scheinbar auf der Webseite der Partnerbank befindet. Den Anlagebetrag sollen die Sparer und Sparerinnen dann auf ein Konto mit einer ausländischen IBAN überweisen. Nach der Überweisung bricht der Kontakt zu ihnen ab, und das überwiesene Geld ist verloren, weil die Betrüger den eingezahlten Betrag sofort vom Konto abheben.

Die deutsche Finanzaufsicht Bafin mahnt: Ist auf einer Website kein Impressum angegeben, handelt es sich in der Regel um Kriminelle. Wer Genaueres wissen will, kann auf der Homepage der Bafin nach Unternehmen suchen, vor denen die Finanzaufsicht warnt. Dubiose und unseriöse Geldanlagegebote sind auch auf der „Warnliste Geldanlage“ der Stiftung Warentest aufgeführt.

Falle 5: Versteckte hohe Zinsen für Dispokredite

Manche Bankkunden überziehen ihr Girokonto, zum Beispiel, weil sie eine Autoreparatur bezahlen müssen. Besser wäre es aber, sie würden sich dafür das Geld vom Tagesgeldkonto holen. Der Dispokredit, den Banken gewähren, damit ihre Kunden bis zu einem vereinbarten Betrag – oft zwei oder drei Monatseinkommen – ihr Girokonto überziehen können, ist nämlich extrem teuer. Mit dem Zinsanstieg sind nun auch die Zinsen für den Dispo geklettert. In der zweiten Augusthälfte belief sich der durchschnittliche Zinssatz laut Biallo.de auf 11,65 Prozent, ein Jahr zuvor waren es noch um die zehn Prozent. 

Tipp: Die Informationspolitik der Banken ist beim Dispokredit oft undurchsichtig. Statt einfach den geltenden Dispozinssatz zu nennen, geben sie beispielsweise an, auf welchen Referenzzins sie sich beziehen und um wie viele Prozentpunkte der Dispozins teurer ist. Zuweilen sind die Dispo-Konditionen nur weit unten auf den Websites im Kleingedruckten unter Rubriken wie „Preisaushang“, „Preis- und Leistungsverzeichnis“ oder „Konditionen“ versteckt. So oder so, wegen der hohen Zinsen sollten Sie den Dispokredit nur nutzen, um kurzfristige finanzielle Probleme zu überbrücken. Wer mit seinem Girokonto ständig in den Miesen ist, läuft Gefahr, sich in einer gefährlichen Schuldenspirale zu verfangen.


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