Berater, Verein, App: Wer hilft mir bei der Steuererklärung?
Wann ist ein guter Zeitpunkt, um mit der Steuererklärung anzufangen?
Die einen schieben sie so lange auf wie möglich, die anderen füllen die Formulare möglichst frühzeitig aus oder sortieren ihre Belege für den Steuerberater schon im Frühjahr, um schneller Geld vom Finanzamt zurückzubekommen. Egal zu welcher Spezies Sie gehören, der April ist ein guter Monat, mit der Steuererklärung für 2025 zu beginnen. Denn erst Mitte März haben die Finanzämter alle steuerlich relevanten Daten von Arbeitgebern und Versicherungen übermittelt bekommen, und auch die Software ist aktualisiert. Und dann wird es auch langsam Zeit, in die Gänge zu kommen. Die gesetzliche Frist für die Abgabe der Steuererklärung endet nämlich bereits am 31. Juli 2026, mit Steuerberater oder Lohnsteuerhilfeverein am 28. Februar 2027.
Ist ein Steuerberater immer die richtige Wahl?
1172 Euro im Durchschnitt erhielten Steuerpflichtige laut den zuletzt verfügbaren Zahlen des Statistisches Bundesamt nach Abgabe ihrer Einkommensteuererklärung zurück. Trotzdem ist es nicht immer ratsam, sich gleich an eine Steuerberaterin oder einen Steuerberater zu wenden. Ob sich das rentiert, hängt davon ab, wie schwierig die Steuererklärung ist. „Angestellte, Rentner oder Beamte, die nur Einkünfte aus nichtselbständiger Tätigkeit oder nur eine Rente oder Pension bekommen, müssen eigentlich nicht zum Steuerberater gehen“, sagt Steuerberater Marcus Polz von der Kanzlei Müller & Polz aus Eresing in Oberbayern. Anders sieht es aus, wenn es komplizierter wird, etwa wenn ein Arbeitszimmer abzusetzen ist, höhere Kapitaleinkünfte vorliegen, Einkünfte aus Vermietung und Verpachtung zu deklarieren oder etwa Renovierungskosten richtig anzugeben sind. „Wer da Angst hat, Fehler zu machen, ist natürlich bei einem Steuerberater gut aufgehoben“, sagt Polz.
Wie schaut es bei Selbständigen aus?
Ein Fall für den Steuerberater sind meistens auch die Steuererklärungen von Selbständigen, auch Rentnerinnen und Rentner, die noch als Selbständige hohe Einkommen erzielen, Freiberuflern, Unternehmerinnen und Unternehmern. Ihnen bieten die Steuerberaterinnen und Steuerberater zusätzliche Leistungen an, etwa die Buchhaltung inklusive Umsatzsteuervoranmeldungen, eine Lohnbuchhaltung und das Erstellen der Steuererklärungen samt Jahresabschluss. „Theoretisch könnten Selbständige das auch selbst machen. Aber der Aufwand ist ihnen meistens zu hoch. Sie müssen sich richtig einarbeiten, tief ins Steuerrecht eindringen. Die wenigsten haben die Muße dazu“, sagt Polz. Außerdem habe man die Sicherheit, „dass die Steuererklärung korrekt ist, wenn das ein Steuerberater übernommen hat. Man sollte ruhig schlafen können, auch wenn man weiß, dass ein Betriebsprüfer kommt“.
Wer hilft mir bei der Suche nach einem Steuerberater?
Klar, Sie können Freundinnen und Freunde, Kollegen oder Verwandte fragen, ob sie Fachleute empfehlen können. Oder Sie suchen auf der Website der Bundesteuerberaterkammer. Dafür müssen Sie nur einen Ort oder eine Postleitzahl eingeben. Bei Bedarf können Sie auch im Internet nach spezialisierten Steuerberatern mit Zusatzqualifikationen suchen, etwa für Testamentsvollstreckung und Nachlassverwaltung. Steuerberater Polz empfiehlt bei der Wahl, auf eine Mischung aus Sympathie und Nähe zu achten: „Man muss sich vertrauen. Ich muss als Steuerberater dem Mandanten vertrauen, dass sie oder er mir alles sagt. Ich will ja auch in Ruhe schlafen. Die Mandanten wiederum müssen mir vertrauen. Sie ziehen sich ja quasi vor mir aus. Oft kenne ich von meinen Mandanten nicht nur die finanziellen Verhältnisse.“
Was kosten Steuerberater eigentlich?
Steuerberater können ihr Honorar nicht nach Gutdünken festlegen. Sie müssen sich an ihre Steuerberater-Vergütungsverordnung halten. Diese bietet ihnen aber einen großen Spielraum, auch wenn bestimmte Bandbreiten vorgegeben sind. Dabei kommt es darauf an, mit welchem Gebührensatz der Berater rechnet, wobei der Gegenstandswert die Grundlage bildet. Dies sollte fairerweise vor allem vom Aufwand und vom Schwierigkeitsgrad abhängen. „Wir schauen schon, wie lange wir brauchen“, sagt Polz. Er empfiehlt seinen Mandanten, die Unterlagen möglichst übersichtlich zu übergeben. „Je besser alles vorbereitet ist, je geordneter die Unterlagen sind, je weniger Rückfragen es gibt, je weniger private Ausgaben wir aussortieren müssen, desto niedriger fällt normalerweise die Rechnung aus.“
Wie viel zu bezahlen ist, hängt vom Einzelfall ab. Polz nennt zwei Musterfälle.
Beispiel eins: eine Angestellte, Jahreseinkommen brutto 80 000 Euro, Vermieterin einer Eigentumswohnung, keine weiteren Einkünfte oder Besonderheiten. Die Kosten für den Steuerberater beziffert er auf 600 bis 800 Euro.
Beispiel zwei: ein Soloselbständiger. Die Steuerberaterin übernimmt die laufende Buchhaltung, kümmert sich um die vierteljährlichen oder monatlichen Umsatzsteuervoranmeldungen, die Einnahmenüberschussrechnung und die Steuererklärungen mit diversen Extraformularen. Hier können laut Polz die Kosten bei rund 2500 Euro liegen.
Wem das auf die Dauer zu viel Geld ist, kann sich natürlich auch vom Steuerberater eine Brücke bauen lassen: Man lässt sich ein, zwei Mal bei der Steuererklärung helfen, lernt dabei, wie es geht, und macht es danach selbst. Das kommt auch für Rentner und Rentnerin in Frage, die vielleicht noch eine Betriebsrente bekommen und wenige Kapitaleinkünfte haben. Vielleicht fühlen sie sich mit der ersten Steuererklärung als Ruheständler überfordert. Aber wenn sie einmal gesehen haben, was beim Ausfüllen zu tun ist, müssen sie beim nächsten Mal nur die Eingaben aktualisieren, sofern sich nichts Grundlegendes an ihrer Einkommenssituation und den absetzbaren Ausgaben geändert hat.
Wann kommt ein Lohnsteuerhilfeverein in Frage?
Arbeitnehmer und Beamte, Rentner oder Pensionäre, bei denen die Steuererklärung nicht allzu kompliziert ist, sind in der Regel bei einem Steuerhilfeverein gut aufgehoben. Die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter der Vereine helfen beim Ausfüllen der Steuererklärung, beantworten Steuerfragen und unterstützen ihre Mitglieder, wenn etwa ein Einspruch gegen einen Steuerbescheid nötig ist. Etwa fünf Millionen Menschen nutzen in Deutschland diesen Service. Die Hilfe der Vereine ist jedoch begrenzt: Nicht beraten dürfen sie nach Angaben des Bundesverbands der Lohnsteuerhilfevereine, wenn man Gewinne aus einem Gewerbebetrieb oder aus einer selbständigen Tätigkeit erzielt. Betreuen dürfen sie aber Mandanten mit Einkünften aus Vermietung und Verpachtung, sofern diese nicht mehr als 18 000 (Alleinstehende) oder 36 000 Euro (Verheiratete) pro Jahr betragen. Ein Lohnsteuerhilfeverein in der Nähe des eigenen Wohnsitzes lässt sich leicht über die Homepage des Bundesverbandes finden.
Und was kostet die Unterstützung durch einen Verein?
Die Unterstützung bei der Steuererklärung ist durch den Mitgliedsbeitrag abgegolten. Die meisten Vereine haben einen gestaffelten Jahresbeitrag, der je nach Einkommen in der Regel zwischen 50 und 400 Euro liegt. Hinzu kommt eine einmalige Aufnahmegebühr von zehn oder 15 Euro. Die Vereine sind also meist deutlich günstiger als ein Steuerberater.
Welche Steuerapps empfiehlt die Stiftung Warentest?
Diejenigen, die ihre Steuererklärung selbst machen und neben dem für Laien nicht so leicht verständlichem Programm „Elster“ der Finanzämter eine Zusatzsoftware nutzen wollen, haben viele Angebote zur Auswahl. Die Stiftung Warentest hat 2024 genau 31 Programme, Webangebote und Apps untersucht, die beim digitalen Ausfüllen der Steuerunterlagen vor allem Angestellten helfen sollen. Die Tester prüften dabei, ob die Anbieter neue Steuerregeln und Vorteile richtig umsetzen und bei Wahlmöglichkeiten die steuerlich günstigste Option empfehlen. Das Fazit der Stiftung: „Im besten Fall bringen die Programme tatsächlich eine höhere Steuererstattung, denn sie bieten Hilfestellungen, die in den amtlichen Tools und Formularen fehlen.“ In dem Vergleich schnitt allerdings nur ein Anbieter mit der Note „Sehr gut“ ab, und das in allen drei Kategorien (Download-Programme für PC, Browser-Programm und Mobile Apps). Dies war die für verschiedene Geräte und Betriebssysteme zur Verfügung stehende Software „Wiso Steuer“ von Buhl Data. Sie kostete im Frühjahr 2026 bei Buhl Data im Einzelverkauf 45,99 Euro und 35,99 Euro im Abo. Das Angebot ist laut dem Test aber auch das teuerste. Deutlich günstiger ist die Nummer zwei im Test, die Software Tax, ebenfalls von Buhl Data. Der Preis-Leistung-Sieger kostet ebenfalls direkt beim Anbieter derzeit 15,99 Euro.
Beide Testsieger beherrschen den Warentestern zufolge „alle gängigen Einkunftsarten und Ausgaben, die Arbeitnehmer benötigen“. Steuerlaien seien mit beiden Angeboten gut bedient. Beide Top-Programme könnten sich aber noch beim Service verbessern. Sechzehn der untersuchten anderen Programme bezeichnete die Tester allerdings als „nur ausreichend“ oder gar „mangelhaft“.
Sind Beratungskosten eigentlich absetzbar?
Im Prinzip ja, allerdings nicht alle. Grundsätzlich gilt dabei: Wo es steuerpflichtige Einnahmen gibt, lassen sich auch Ausgaben (in diesem Fall für den Steuerberater oder den Lohnsteuerhilfeverein) absetzen. Für das Ausfüllen des Mantelbogens (heißt jetzt „ESt 1 A“) der Steuererklärung lassen sich jedoch zum Beispiel keine Beratungskosten geltend machen. Steuerberater Polz sagt: „Den größten Teil meines Honorars kann der Steuerpflichtige bei der Steuererklärung steuermindernd angeben.“ Bei dem Soloselbständigen mit Steuerberatungskosten in Höhe von 2500 Euro seien dies „weit über 90 Prozent“.
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