Anlagestrategie: So gibt’s noch drei Prozent Sparzinsen
Wie haben sich die Zinsen für Tagesgeld entwickelt?
Inzwischen dürften die meisten Bankkunden und -kundinnen eines haben: ein online geführtes Tagesgeldkonto für die finanzielle Notreserve mit einem Guthaben, das täglich verfügbar ist. Bis in den September 2025 hinein waren die Zinsen für Tagesgeld binnen eines Jahres von durchschnittlich mehr als zwei Prozent im Rekordtempo gut 1,3 Prozent gesunken. Ende Dezember 2025 gab es laut dem Index des Verbraucherportals Biallo.de jedoch mit knapp 1,5 Prozent wieder etwas mehr.
8 Zinssenkungen der EZB seit Sommer 2024
Das hängt vor allem mit der Zinspolitik der Europäischen Zentralbank (EZB) zusammen. Die EZB hat den Leitzins für die Geschäftsbanken, die Geld bei der Notenbank über Nacht lassen, seit Sommer 2024 achtmal gesenkt. Das schlug vor allem auf die kurzfristigen Zinsen durch. Nun aber gab es bis Jahresende vier Zinspausen, in denen der EZB-Rat den Leitzins unverändert gelassen hat. Deshalb ging es auch mit den variablen Tagesgeldzinsen nicht weiter bergab, sondern leicht bergauf. Davon können auch Anlegende profitieren, die in nächster Zeit Geld kurzfristig parken möchten, zumal etliche Banken immer wieder attraktive Neukundenangebote für Tagesgeld auf den Markt werfen.
Wer bietet Top-Aktionszinsen?
Etliche Banken lockten vor dem Jahreswechsel Neukundinnen und -kunden mit Aktionszinsen, die die Drei-Prozent-Marke gerade noch so erreichen oder minimal überspringen. Dazu zählte der Discountbroker Consors. Das Geldinstitut bot 3,1 Prozent, garantiert für drei Monate. Aktionszinsen von drei Prozent gab es Ende Dezember ebenfalls bei estländischen Big Bank, der spanischen Suresse Direkt Bank, der deutschen Umweltbank, bei den Autobanken Renault Bank und Stellantis, der Bank of Scotland und der schwedischen TF Bank.
Sonderkonditionen mit “Haken”
Solche Sonderaktionen haben allerdings fast immer einen Haken. Ist die Garantiezeit für die Aktionszinsen abgelaufen, rücken die meisten Anbieter nur noch magere Zinsen für die Bestandskunden aus, von unter zwei Prozent bis auf 0,6 Prozent. Solche Angebote sind daher vor allem für Anlegende zu empfehlen, die nur kurz mal Geld für ein bis drei Monate parken wollen, oder für Zins-Hopper, die bereit sind, mehrmals im Jahr mit ihrem Tagesgeld von Bank zu Bank zu gehen, je nachdem, wer gerade Top-Aktionszinsen zahlt.
Wie sieht es bei den Zinsen für Bestandskunden aus?
Anleger, die nicht permanent auf der Jagd nach den besten Aktionszinsen sind, sollten auf die Bestandszinsen schauen. Das sind die Zinsen, die Banken für Altkundinnen und Kunden zahlen. Hier zeigt der Biallo-Vergleich für Anbieter mit mindestens guter Einlagensicherheit: Vorne stehen vor allem ausländische Anbieter wie die spanische Suresse Direkt Bank, die niederländische DHB Bank, der schwedische Finanzdienstleister Klarna, der liechtensteinische Vermögensverwalter Will Be oder die Renault Bank mit Bestandszinsen teilweise knapp unterhalb der Zwei-Prozent-Marke (Stand: Ende Dezember 2025). Deutsche Top-Anbieter wie die Volkswagen Bank oder die Raiffeisenbank Hochtaunus („Meine Bank“) schafften es hingegen, mit ihren Bestandszinsen die Marke von einem Prozent gerade so zu erreichen oder knapp zu überschreiten. Eine Ausnahme war hier im Winter 2025 die BMW-Bank mit 1,65 Prozent Zinsen für Bestandskunden bis zu einem Guthaben von 50 000 Euro. Über der 50.000-Euro-Marke gab es aber nur noch 0,60 Prozent.
Zins-Ende bei Sparkassen und Genossenschaftsbanken
Klar, positive Realrenditen oberhalb der Inflationsrate von um die zwei Prozent sind so leider nicht mehr möglich. Wer aber mit seinem Tagesgeld bei einer Sparkasse oder Genossenschaftsbank bleiben will, muss sich mit noch weniger begnügen: Die regional tätigen Kreditinstitute leisten sich ein – wenn auch stetig kleiner werdendes – Filialnetz. Das kostet Geld. Ob das allein die mageren Zinsen, die die regional tätigen Banken herausrücken, rechtfertigt, sei dahingestellt. Aber Fakt ist: Die Sparkassen zahlten laut einer Erhebung von Verivox vom Dezember 2025 im Durchschnitt nur noch 0,37 Prozent für Tagesgeld, bei den Genossenschaftsbanken waren es 0,42 Prozent.
Bevor Sie sich für eine Bank entscheiden, sollten Sie sich stets das kleingedruckte Angebot und die Bedingungen wie Mindest- oder Höchsteinlage, Zinshöhe und Laufzeit genau anschauen, um nicht später negativ überrascht zu werden. Überlegen Sie sich auch vorher, welches Risiko Sie eingehen – und ob Sie wegen ein paar Euro mehr Zinsen das Risiko auf sich nehmen wollen, nach einer Bankpleitewelle bei der Entschädigung leer auszugehen oder über Monate hinweg mit der Unsicherheit leben zu müssen: Wird mein womöglich mühsam erspartes Anlagekapital noch zurückgezahlt oder nicht?
Sind für Festgeld noch drei Prozent drin?
Normalerweise ist es so: Wer sein Geld mehrere Jahre fest anlegt, erhält höhere Zinsen als für kurzfristig angelegtes Kapital. Lange war das umgekehrt. Für Festgeld mit kürzeren Laufzeiten von zum Beispiel ein, zwei oder drei Jahren gab es höhere Zinsen als für Festgeld oder Sparbriefe mit einer Laufzeit von fünf, sieben oder zehn Jahren. Seit dem Frühjahr 2025 hat sich dies wieder normalisiert. Nun gibt es wieder höhere Zinsen für länger festgelegtes Kapital als für kürzer festgelegtes. Das liegt vor allem daran, dass die langfristigen Sparzinsen stark von den Zinsen am Kapitalmarkt beeinflusst sind. Und die sind zuletzt gestiegen – und mit ihr die Zinsen für Festgeld und Sparbriefe mit Laufzeiten von etwa vier bis ze
Zinskurve verläuft wieder normal
So zahlten im Winter 2025 mehrere Sparkassen, die auch Neukunden außerhalb ihres Verbreitungsgebiets aufnehmen, Zinsen von drei Prozent für zehnjährige Sparbriefe, so etwa die Sparkasse Dortmund und die Stadt-Sparkasse Langenfeld. Drei Prozent für zehn Jahre gab es auch bei der Umwelt Bank und der Fürstlich Castell’schen Bank.
Inflationsrisiko bedenken
Die Zehn-Jahres-Offerten sind jedoch nicht ohne Tücken – aus zwei Gründen. Erstens: Es gibt ein Inflationsrisiko. Derzeit liegt man mit drei Prozent noch weit über der Inflationsrate. Sollte die Inflation jedoch wie 2022 und 2023 noch einmal kräftig anziehen, könnten die Realzinsen, also Zinsen minus Inflation, unter null fallen. Es ist also keine Eile angebracht, zumal die Zinsen für lange Laufzeiten noch steigen könnten. Zweitens: Bei den Zehn-Jahres-Angeboten gibt es oft keinen Zinseszins. Stattdessen werden die Zinsen jährlich ausgeschüttet. Wird das Geld dann aber nicht wieder angelegt, profitieren Sparer nicht vom Zinseszinseffekt, Zinsen werden also nicht wieder verzinst.
Was gibt’s für Festgeld mit kürzeren Laufzeiten?
Wer Erspartes in Festgeld oder in Sparbriefen anlegt, kommt normalerweise während der vereinbarten Laufzeit nicht an sein Guthaben ran. Wer sich lange und bis zu zehn Jahre bindet, hat dann das Nachsehen, wenn in der Zwischenzeit die Zinsen steigen. Man kann nicht davon profitieren, wenn das Kapital für eine Neuanlage zu besseren Konditionen verfügbar ist. Wie viel aber gibt’s für kürzere Laufzeiten? Die schlechte Nachricht: Drei Prozent sind so selbst bei den Top-Anbietern mit guter oder sehr guter Einlagensicherung nicht mehr drin.
1,5 bis 1,7 Prozent für Festgeld
Im Durchschnitt zahlten Banken für Festgeld mit Laufzeiten von ein bis drei Jahren Laufzeit laut dem Biallo-Index Ende Dezember 2025 etwas mehr als 1,50 bis um die 1,70 Prozent. Dass es deutlich besser geht, zeigten die schwedischen Anbieter Rediem Capital und Hoist Spar. Dort gab es zum Beispiel für einjähriges Festgeld 2,87 und 2,80 Prozent. Für eine Laufzeit von drei, vier oder fünf Jahren waren bei mehreren ausländischen Banken noch Zinsen oberhalb der Marke von 2,50 Prozent drin. Deutsche Top-Anbieter wie die Volkswagen Bank, Grenke Bank, IKB, ABC Bank oder CreditPlus Bank folgten zwar dicht dahinter, können aber trotzdem mit ihren Konditionen nicht ganz mithalten.
Warum sind die Zinsen im Ausland oft höher als in Deutschland?
Ausländische Banken müssen höhere Zinsen anbieten, um deutsche Sparerinnen und Sparer für sich zu gewinnen. Schließlich vertrauen Anlegende in Deutschland zunächst einmal ihren Heimatbanken. Die Anleger hierzulande sind eine umkämpfte Zielgruppe. Wer einen Platz auf dem engen Markt erobern will, muss mit höheren Konditionen locken, um auf sich aufmerksam zu machen und Marktanteile zu gewinnen. Hinzu kommt: Besonders in Ländern mit schwächerem Finanzsystem oder geringerer Wirtschaftsstärke sowie geringerer Bonität fallen die Zinsen häufig deutlich höher aus, was allerdings auch mit einem etwas höheren Verlustrisiko einhergeht.
Welche Laufzeiten sind zu bevorzugen?
Wenn Sie in ein, zwei oder drei Jahren zu einem bestimmten Zeitpunkt Geld brauchen, etwa für ein neues Elektroauto, sollten Sie das Geld auch nicht länger anlegen. Wer flexibler ist, muss sich aber auch nicht unbedingt sehr lange binden. Ihnen entgehen sonst womöglich bessere Angebote, wenn die Zinsen steigen. Was also tun?
“Zinstreppe” zur Optimierung der Rendite
Sparende können sich eine Zinsleiter beziehungsweise Zinstreppe bauen. Dabei wird eine Gesamtsumme Geld in kleinere Chargen aufgeteilt und zu verschiedenen Laufzeiten angelegt, zum Beispiel für ein, zwei, drei Jahre. Dann läuft jedes Jahr ein Festgeldkonto aus, den frei werdenden Betrag können Sie erneut anlegen. So haben Sie die Möglichkeit, immer mal wieder über einen Teil des Ersparten zu verfügen und neu zu einem bestenfalls höheren Zinssatz zu investieren. Weiterer Vorteil: Sie können sich für jede Laufzeit einen anderen Top-Anbieter heraussuchen, so das Geld bei mehreren Banken verteilen und Ihr Risiko senken.
Was ist bei der Einlagensicherung zu beachten?
Wer Erspartes als Tages- und Festgeld anlegt, ist normalerweise auf Sicherheit bedacht. Höchste Sicherheit bieten Banken, die an einem der deutschen Einlagensicherungssysteme hängen. Bei ihnen sind Einlagen weit über die in der EU übliche Grenze von 100. 000 Euro pro Kunde geschützt. Entscheiden Sie sich für eine ausländische Bank, müssen Sie genau hinschauen. Es kann sein, dass solche Geldinstitute eine Niederlassung in Deutschland und sich einer deutschen Einlagensicherung angeschlossen haben, so zum Beispiel die Bank of Scotland. Diese gehört zur traditionsreichen britischen Lloyds Banking Group. Das Tochterunternehmen Bank of Scotland mit Sitz in Berlin unterliegt aber der sehr sicheren inländischen Einlagensicherung.
EU-Einlagensicherung oft Standard
In den meisten Fällen gilt für ausländische Institute, die hierzulande tätig sind, aber die EU-Einlagensicherung. Doch Vorsicht: Trotz des EU-Schutzes kann es sein, dass Ihr Geld nicht so sicher ist wie bei einem deutschen Geldhaus. Der Grund: Wenn eine Bank pleitegeht, hängt es auch vom Herkunftsland der Bank ab, wann Sie Ihr Erspartes zurückbekommen. Die Erfahrungen zeigen, dass die Entschädigungsdauer und Zuverlässigkeit von Land zu Land unterschiedlich ausfallen können. Während die Auszahlung in den meisten Ländern binnen sieben Werktagen erfolgen sollte, kann es im Einzelfall, etwa während einer Bankenkrise, auch länger dauern. Damit nicht genug: Im Falle einer Bankpleite trägt letztendlich die Regierung des jeweiligen Landes die Verantwortung dafür, ausländische Sparerinnen und Sparer zu entschädigen. Das ist vor allem dann wichtig, wenn eine große Bank oder mehrere kleine Banken pleitegehen, die übrigen Banken nicht aushelfen können beziehungsweise die Mittel im Entschädigungsfonds nicht reichen.
Bislang nicht versteuerte Kapitaleinkünfte bei ausländischen Banken sollten Sie auch dann angeben, wenn Ihre Kapitaleinkünfte unterhalb des Sparerpauschbetrags liegen oder dieser noch nicht ausgeschöpft ist. Das erspart unangenehme Nachfragen vom Finanzamt. Der Hintergrund: Das Finanzamt kann durch eine Kontrollmitteilung von den Einkünften erfahren. Ist dann in der Steuererklärung nichts angegeben, werden die Beamten nachfragen. Das kann noch Jahre nach Erhalt der Einkünfte passieren. In so einem Fall müssten Sie womöglich in den eigenen Unterlagen mühsam auf die Suche gehen, um gewünschte Belege nachreichen zu können. Wenn Sie dann aber zugeben müssten, Zinseinnahmen oberhalb des Sparerpauschbetrags nicht angegeben zu haben, bekommen Sie richtig Ärger mit dem Finanzamt und haben womöglich ein Verfahren wegen Steuerhinterziehung am Hals.
Wie kann ich sehen, welche Bonitätsnoten ein Land bekommt?
Maßgeblich ist das sogenannte Länderrating: Es gibt Auskunft darüber, wie kreditwürdig und zahlungsfähig der Staat ist, in dem die Bank ihren Sitz hat. Die großen internationalen Ratingagenturen wie Standard & Poor’s, Moody’s und Fitch bewerten regelmäßig die wirtschaftliche Stabilität aller EU-Länder und vergeben Noten von AAA (sehr hohe Bonität) bis D (Zahlungsausfall). Für ein Höchstmaß an Sicherheit empfiehlt es sich, nur in Banken aus Ländern mit einem Rating von AAA oder AA zu investieren, da diese im Krisenfall mit größerer Wahrscheinlichkeit ihre Einlagensicherung erfüllen können. Viele Finanzportale wie biallo.de oder raisin.com (früher Weltsparen.de) geben bei ihren Vergleichen für Tagesgeld und Festgeld stets das Länderrating mit der entsprechenden Note an.
Was ist bei der Besteuerung zu beachten?
Anleger mit Wohnsitz in Deutschland unterliegen grundsätzlich der deutschen Steuerpflicht – und zwar unabhängig davon, ob die Zinserträge aus dem Inland oder Ausland stammen. Zinserträge gelten als Einkünfte aus Kapitalvermögen und werden mit 25 Prozent Abgeltungsteuer, Solidaritätszuschlag und gegebenenfalls Kirchensteuer belegt. Bis zum Sparerpauschbetrag (1.000 Euro für Ledige, 2.000 Euro für Verheiratete) bleiben Erträge steuerfrei; Voraussetzung: Sie haben rechtzeitig einen Freistellungsauftrag eingereicht, sofern dies bei der Bank möglich ist.
Abgeltungsteuer als Kriterium
Es gibt aber ein großer ABER: Ausländische Banken ohne deutsche Banklizenz führen diese Abgeltungsteuer nicht automatisch an das deutsche Finanzamt ab. Anlegende können bei solchen Banken auch keinen Freistellungsauftrag einreichen. Daher sollten sie sämtliche Zinserträge im Rahmen der Steuererklärung in der Anlage KAP angeben.
