So können Anleger die Inflation noch schlagen
Möglichkeit eins: Geldmarktfonds als Ergänzung zum Festgeld
Wenn Sie Ihr Geld verzinst anlegen, aber trotzdem stets sofort verfügbar haben wollen, können Sie auch zu Geldmarktfonds oder Geldmarkt-ETFs greifen. Sie sammeln genau wie Aktienfonds das Geld vieler Anleger und Anlegerinnen ein, dann investieren sie es am Geldmarkt. Diesen können Banken, Unternehmen oder Staaten nutzen, um sich kurzfristig Geld zu leihen oder gerade nicht benötigtes Geld anzulegen. Dazu geben sie sich gegenseitig Kredite mit sehr kurzen Laufzeiten. Mit den Kreditzinsen, die sich am Leitzins der Europäischen Zentralbank (EZB) orientieren, erzielt der Geldmarktfonds Erträge, von denen wiederum die Anlegenden profitieren.
Die gute Idee dabei: Da nur in Wertpapiere mit sehr kurzer Laufzeit investiert wird, ist es sehr unwahrscheinlich, dass in wenigen Wochen oder Monaten einer der Emittenten pleitegeht. Außerdem streuen Geldmarktfonds das Pleiterisiko meist auf 50 bis 150 Papiere unterschiedlicher Staaten oder Unternehmen. Ginge eines der Unternehmen pleite, träfe das nur einen kleinen Teil des Fonds. Und flexibel bleiben die Anleger auch, weil sie die Fonds börsentäglich kaufen und verkaufen können. Anfang Juni beliefen sich die Zinsen am Zinsen am Geldmarkt auf durchschnittlich 2,16 Prozent.
Ob die Geldmarktfonds nun besser als Tagesgeld abschneiden, hängt davon ab, was man miteinander genau vergleicht. Wer zu einer Bank geht, die kontinuierlich überdurchschnittlich gute Tagesgeldzinsen zahlt, wie zuletzt etwa der schwedische Finanzdienstleister Klarna (2,25 Prozent) oder der liechtensteinische Vermögensverwalter Will Be (2,15 Prozent), die niederländische DHB Bank (2,25 Prozent) oder die deutschen Anbieter Smartbroker und TradersPlace (jeweils 2,0 Prozent) ist damit gut bedient.
Bei den meisten Banken gibt es aber deutlich weniger: Sparkassen und Genossenschaftsbanken zahlten laut der jüngsten Auswertung des Verbraucherportals biallo.de nur noch durchschnittlich 0,62 beziehungsweise 0,54 Prozent, wobei in dem Durchschnittswert sogar die besseren Angebote für Neukunden und Neukundinnen enthalten sind. Gemessen daran dürfte sich ein Wechsel zu Geldmarktfonds für Anleger auf jeden Fall lohnen (siehe Tabelle). Dann können sie ein gut geeigneter Geldparkplatz auch für Privatanlegende sein, mit dem sich die Inflation (im April 2025: 2,1 Prozent) zumindest ausgleichen lässt.
| So viel bringen Geldmarktfonds und -ETFs | ||||||
Wertentwicklung pro Jahr in % | ||||||
| Name | ISIN | investiert in Euro ... | laufendes | 3 Jahre | 5 Jahre | laufende Kosten |
| Gemanagte Geldmarktfonds/geldmarktnahe Fonds | ||||||
| DWS Float. Rate Notes LC | LU0034353002 | Ultra Short-Term Bd. | 1,13 | 3,29 | 2,03 | 0,26 |
| Schoellerbank Kurzinv. A | AT0000944806 | Ultra Short-Term Bd. | 1,29 | 3,05 | 2,00 | 0,14 |
| DWS Euro Flexizins | DE0008474230 | Ultra Short-Term Bd. | 1,31 | 3,09 | 1,80 | 0,20 |
| KEPLER Short Inv. Renten A | AT0000618723 | Diversified Bd. - Sh.T. | 1,34 | 3,07 | 2,07 | 0,20 |
| Allianz Float. Rate Notes Plus | LU1089088741 | Ultra Short-Term Bd. | 1,07 | 2,85 | 1,61 | 0,50 |
| Allianz Euro Cash A EUR | LU0052221412 | Money Market | 1,19 | 2,81 | 1,54 | 0,16 |
| DWS ESG Euro Money Mkt. | LU0225880524 | Money Market | 1,09 | 2,74 | 1,41 | 0,11 |
| Carmignac Court Terme A Acc | FR0010149161 | Money Market - Sh.T. | 0,92 | 2,59 | 1,33 | 0,50 |
| MEAG FlexConcept - Basis | LU0887262433 | Ultra Short-Term Bd. | 1,45 | 2,52 | 1,34 | 0,14 |
| Pictet Ultra Short -Term Bd. EUR P | LU2009037065 | Diversified Bd. - Sh.T. | 1,11 | 2,49 | 1,24 | 0,36 |
| Candriam Bds Euro Short Term R EUR Cap | LU1269890593 | Diversified Bd. - Sh.T. | 1,50 | 2,31 | 1,15 | 0,45 |
| FvS Bond Defensive R | LU0952573136 | Diversified Bd. - Sh.T. | 1,54 | 1,54 | 0,46 | 0,88 |
| Geldmarkt-ETFs/geldmarktnahe ETFs |
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| Amundi Smart Overnight Ret Acc | LU1190417599 | Money Market | 1,20 | 2,92 | 1,56 | 0,10 |
| iShares € Ultrashort Bd. EUR Dist | IE00BCRY6557 | Ultra Short-Term Bd. | 1,24 | 2,95 | 1,74 | 0,09 |
| iShares € Ultrashort ESG SRI EUR Inc | IE00BJP26D89 | Ultra Short-Term Bd. | 1,24 | 2,89 | 2,89 | 0,09 |
| JPM EUR Ultra-Short Inc. EUR Acc | IE00BD9MMF62 | Ultra Short-Term Bd. | 1,33 | 2,91 | 1,62 | 0,18 |
| PIMCO Euro Short Mat EUR Inc | IE00B5ZR2157 | Ultra Short-Term Bd. | 1,31 | 2,94 | 1,41 | 0,19 |
| Franklin Euro Short Maturity | IE00BFWXDY69 | Ultra Short-Term Bd. | 1,04 | 2,76 | 2,01 | 0,15 |
| Deka Dt. Boerse EUROGOV® Ger. MM | DE000ETFL227 | Money Market | 0,87 | 2,07 | 0,88 | 0,10 |
| iShares eb.rexx® Gov. Germ. 0-1y EUR Dist | DE000A0Q4RZ9 | Money Market | 0,99 | 2,06 | 0,88 | 0,13 |
| Quelle: Morningstar, Envestor; Stand: 30. Mai 2025 | ||||||
Wer hingegen bei der Anlage in Tagesgeld die stets für wenige Monate angebotenen Aktionszinsen der Banken von derzeit bis zu drei Prozent regelmäßig nutzt, könnte mit Tagesgeld die Renditen von Geldmarktfonds meist übertreffen – zumal die Fonds keine wundersame Geldvermehrung betreiben können: Sinken die Zinsen am Geldmarkt, setzt die EZB die Leitzinsen weiter herunter, gehen auch die Erträge von Geldmarktfonds und Geldmarkt-ETFs zurück.
Worauf Anleger bei Geldmarktfonds achten sollten
Wer einen Blick in die Factsheets der Fonds wirft oder auf Finanzportalen die Fonds durchcheckt, findet dort die wichtigen Informationen für eine Kaufentscheidung. Dazu zählen:
Die Kosten: Bei Geldmarktfonds werden Gebühren von meist unter 0,3 Prozent pro Jahr fällig. Darüber sollten die jährlichen Kosten möglichst nicht liegen, sagt Ali Masarwah, Geschäftsführer des Fondsvermittlers Envestor. Er warnt vor „windigen Angeboten mit Kosten von knapp unter einem Prozent. Das ist viel zu teuer, da bleibt für Anleger nicht mehr viel Ertrag übrig.“ Außerdem sollte der Ausgabeaufschlag, also die Kaufgebühr, idealerweise bei null liegen. Dies gilt sowohl für gemanagte Geldmarktfonds wie auch für Geldmarkt-ETFs, die einem bestimmten Index folgen.
Der Inhalt: Reine Geldmarktfonds dürfen zum Beispiel in Schatzanweisungen, Termingeld oder sogenannte Einlagenzertifikate von Banken, Unternehmen oder Staaten investieren mit einer Laufzeit, die laut einer EU-Verordnung auf maximal 397 Tage beschränkt ist. Das heißt: höchstens ein Jahr und einen Monat. Daneben gibt es geldmarktnahe Fonds, die nicht unter die EU-Verordnung fallen. Zu diesen zählen die „Overnight“-ETFs. Sie orientieren sich an einem Zinssatz mit dem kryptischen Kürzel €STR, was auf Englisch für „Euro Short Term Rate“ steht. Das ist der am Leitzins der EZB angelehnte durchschnittliche Zinssatz, zu dem sich Banken untereinander über Nacht Geld leihen, daher der Name Overnight. „Mit diesen ETFs können Anlegende einfach und günstig von den Renditen des Geldmarktes profitieren“, sagt Masarwah.
Daneben gibt es geldmarktnahe Fonds, in denen viele Anleihen mit Laufzeiten von mehr als einem Jahr stecken können. „Da kann Geldmarkt draufstehen, muss aber nicht drin sein“, sagt Merten Larisch, Finanzexperte der Verbraucherzentrale Bayern. Diese Fonds versprächen zwar mehr Rendite, können aber riskanter sein als reine Geldmarktfonds, wenn sie in Anleihen mit schlechterer Bonität investieren. Außerdem können die Kurse der Anleihen im Fonds schnell fallen, wenn die Zinsen am Kapitalmarkt steigen. Geringer ist dieses Risiko, wenn man einen Fonds auswählt, der in äußerst sichere deutsche Staatspapiere mit kürzeren Laufzeiten investiert.
Der Verlust: Zum Check gehört deshalb auch ein Blick auf das Verlustrisiko und den schlimmsten historischen Verlust, der sich auf nicht mehr als fünf Prozent belaufen sollte. Denn der Wert solcher Fonds kann nicht nur steigen, sondern auch fallen. „Wer dann das Geld braucht, muss mit Verlust verkaufen“, warnt Larisch. Der Experte empfiehlt deshalb ein Tagesgeldkonto als Notreserve für Geld, das kurzfristig verfügbar sein soll. Am EZB-Zins angelehnte Overnight-ETFs kämen hingegen für Anleger in Frage, die neben ihrer Aktienindex-ETFs noch einen Sicherheitsbaustein in ihrem Portfolio einbauen wollen.
Tipp: Wie bei Aktienfonds auch gibt es Geldmarktfonds, die regelmäßig Erträge ausschütten oder die Erträge automatisch wiederanlegen, bekannt als thesaurierende Fonds. Bevor Sie sich für einen Geldmarktfonds entscheiden, sollten Sie klären, was Sie wollen. Möchten Sie regelmäßig Erträge kassieren, um ein Zusatzeinkommen zu haben, ist die ausschüttende Variante für Sie besser geeignet. Sind Geldmarktfonds ein Sicherheitsbaustein in Ihrem Wertpapier-Portfolio, das langfristig wachsen soll und zum Beispiel für die zusätzliche Altersvorsorge gedacht ist, sollten Sie die auf die thesaurierende Variante setzen.
Möglichkeit zwei: Bundeswertpapiere kaufen
Auch Anleihen des Bundes, die sogenannten Bundeswertpapiere, können eine Alternative für Anlegende sein, die sichere Erträge schätzen. Wichtig ist dabei vor allem ein Blick auf die Laufzeit, aber der Reihe nach.
So funktionieren Bundeswertpapiere: Mit diesen Schuldverschreibungen leiht sich der Bund bei Anlegern für eine bestimmte Zeit Geld. Die Käufer der Anleihen geben dem Staat einen Kredit über einen konkreten Betrag, den dieser am Ende der Laufzeit wieder zurückzahlen muss. Die Kreditgeber erhalten als „Prämie“ für ihren Kredit Zinsen. Bei den Bundeswertpapieren spricht man hier vom „Kupon“. Die Papiere gelten als sehr sicher, auch große Investoren wie Versicherungen und Fonds gehen davon aus, dass der deutsche Staat nicht pleitegeht und Anlegende deshalb ihr Geld stets pünktlich und vollständig zurückbekommen.
Die Anleihen gibt es zu verschiedenen (Rest-)Laufzeiten von bis zu 30 Jahren. Die Papiere lassen sich in der Regel problemlos börsentäglich jederzeit kaufen und verkaufen, ohne dass ein Mindestbetrag verlangt wird. Anlegerinnen und Anleger sind mit den Schuldtiteln des Bundes deshalb flexibler als mit Festgeld, an das man nicht vorzeitig herankommt.
So hängt der Kurs mit der Rendite zusammen: Da die Anleihen wie Aktien gehandelt werden, gibt es für sie einen Kurs. Grundsätzlich gilt dabei: Neue Bundesanleihen werden nach Angaben der Finanzagentur des Bundes grundsätzlich immer zu einem Kurs nahe 100 Prozent ausgegeben. Am Ende der Laufzeit, bei Fälligkeit, wird der Schuldschein stets zum vollen Nennwert des Kredits, zum Beispiel 5000 Euro oder 10 000 Euro, vom Bund zu 100 Prozent zurückbezahlt. Die Kurse der Bundeswertpapiere schwanken, in der Regel aber nicht so stark, wie dies bei Aktien der Fall sein kann. Steigen die Zinsen am Kapitalmarkt, etwa aufgrund von Zinserhöhungen der Notenbanken, fallen die Kurse der Anleihen, die bereits auf dem Markt sind. Sinken die Zinsen oder ist die Nachfrage groß, steigen die Kurse. Wer Bundeswertpapiere mit einer bestimmten Restlaufzeit erwirbt, kauft deshalb entweder zu Kursen unter 100 Prozent oder über 100 Prozent. Wer die Papiere bis zur Fälligkeit hält, kann die Kursschwankungen aber einfach aussitzen. Wer zu einem Kurs von unter 100 Prozent gekauft hat, erzielt zusätzlich zum Zins Kursgewinne. Wer über 100 Prozent gekauft hat, muss beim Halten des Papiers bis zur Fälligkeit Kursverluste hinnehmen. Die Höhe der Rendite, also die effektive Verzinsung, hängt vom Kaufkurs, der Restlaufzeit und der Höhe des Zinskupons ab. Bei den meisten Bundespapieren ist die Rendite derzeit höher als der Zins.
Beispiel: Die 0,50% Bundesanleihe 2017 (2027) mit der ISIN DE0001102424 wird am 15. August 2027 zurückgezahlt. Der Kurs belief sich Anfang Juni auf 97,28 Prozent, der Zinskupon beläuft sich auf 0,5 Prozent, weil die Finanzagentur des Bundes das Papier in der Niedrigzinsphase 2017 auf den Markt gebracht hat. Die Rendite für diejenigen, die die Anleihe jetzt kaufen, beträgt aber auf Grund des gesunkenen Kurses 1,77 Prozent.
So sind Bundeswertpapiere eine Alternative zu Festgeld: Derzeit spricht viel dafür, kurze Laufzeiten zu bevorzugen. Denn wer Papiere mit längeren Laufzeiten von fünf, zehn oder gar 30 Jahren kauft, kann sich zwar jetzt Renditen von deutlich gut zwei bis knapp drei Prozent sichern und damit die Inflation schlagen, sofern sie auf dem gegenwärtigen Niveau bleibt. Steigen die Zinsen aber wieder, wird dies bei den bereits gekauften Anleihen zu Kursverlusten führen. Ein vorzeitiger Ausstieg, um auf andere Anlagen mit höheren Zinsen umzuschwenken, ist dann wahrscheinlich mit Ertragseinbußen verbunden. Wenn Sie Bundeswertpapiere als Alternative zu Festgeld in Betracht ziehen, sollten Sie deshalb eher Papiere mit kürzeren Laufzeiten bevorzugen. Die Renditen der Bundestitel von knapp zwei Prozent können mit Festgeld durchaus mithalten (Tabelle).
| Das bringen Bundeswertpapiere mit kurzer Restlaufzeit | |||||
| Name | Fälligkeit | Isin | Kupon | Kurs | Rendite |
| Bundesschatzanweisung 2023 (2025) | 18.09.2025 | DE000BU22023 | 3,10 | 100,36 | 1,91 |
| Bundesanleihe 2016 (2026) | 15.02.2026 | DE0001102390 | 0,50 | 99,13 | 1,77 |
| Bundesschatzanweisung 2024 (2026) | 19.03.2026 | DE000BU22049 | 2,50 | 100,51 | 1,84 |
| Bundesschatzanweisung 2024 (2026) | 18.06.2026 | DE000BU22056 | 2,90 | 101,10 | 1,82 |
| Bundesobligation - Serie 184 2021 (2026) | 09.10.2026 | DE0001141844 | 0,00 | 97,66 | 1,77 |
| Bundesanleihe 2017 (2027) | 15.02.2027 | DE0001102416 | 0,25 | 97,50 | 1,75 |
| Bundesobligation - Serie 185 2022 (2027) | 16.04.2027 | DE0001141851 | 0,00 | 96,76 | 1,78 |
| Bundesanleihe 1997 (2027) | 04.07.2027 | DE0001135044 | 6,50 | 109,58 | 1,77 |
| Bundesobligation - Serie 186 2022 (2027) | 15.10.2027 | DE0001141869 | 1,30 | 98,88 | 1,79 |
| Bundesanleihe 2020 (2027) | 15.11.2027 | DE0001102523 | 0,00 | 95,71 | 1,81 |
| Angaben in Prozent; Quelle: Bundesrepublik Deutschland Finanzagentur; Stand: 02.06.2025 | |||||
Tipp: Ein Kauf von Bundeswertpapieren lohnt sich aber nur, wenn Sie die Kosten geringhalten. Meist ist eine Grundgebühr fällig, plus einen bestimmten prozentualen Anteil vom bezahlten Kurswert. Die Gebühren, die Ihr Broker beziehungsweise Ihre Bank verlangt, sollten Sie daher vor genau anschauen. Denn bei einem geringen Anlagebetrag von zum Beispiel 1000 Euro, einer kurzen Laufzeit und einer hohen Grundgebühr von zum Beispiel 20 Euro fressen die Kosten schlimmstenfalls einen größeren Teil der Rendite auf.
Möglichkeit drei: Mitglied einer Genossenschaftsbank werden und Dividenden kassieren
Wer Mitglied einer genossenschaftlichen Volks- und Raiffeisenbank ist, wird normalerweise über eine jährliche Dividende an den Gewinnen der Bank beteiligt. Damit sind höhere Erträge als mit Festgeld möglich, aber nicht sicher. Die Dividende kann auch niedriger oder ganz ausfallen, wenn die Geschäfte der Bank nicht so gut laufen wie erwartet.
Zuletzt haben die Volks- und Raiffeisenbanken ihre Dividenden deutlich erhöht. Dies geht aus einer Auswertung des Verbraucherportals biallo.de hervor, das die Gewinnausschüttungen von mehr als 400 Genossenschaftsbanken in Deutschland untersucht hat. Demnach belief sich die Dividende für das Geschäftsjahr 2023 auf durchschnittlich 3,72 Prozent (2022: 3,02 Prozent). Die Dividenden für 2024 werden in den nächsten Monaten ausgeschüttet, wie hoch sie ausfallen werden, ist noch offen.
Die meisten Volks- und Raiffeisenbanken beschränken ihre Geschäftstätigkeit allerdings auf eine bestimmte Region. Mitglied zu werden, ist dann meist nur möglich, wenn man seinen Wohnsitz im Geschäftsgebiet hat oder Kunde der Bank ist. Oft begrenzen solche Genossenschaftsbanken auch die Anzahl der Anteile je Mitglied. Dann lassen sich nur wenige Hundert Euro investieren, und das lohnt sich kaum als Geldanlage. Manche regional tätige Banken haben aber höhere Obergrenzen, Neumitglieder können mit 10. 000, 20. 000 oder sogar 50. 000 Euro einsteigen. So können bei Dividenden von drei Prozent und mehr schöne Erträge herauskommen. Verbraucherschützer Larisch rät, „einfach mal zu schauen, ob es am Wohnort eine Genossenschaftsbank gibt, die für eine solche Geldanlage infrage kommt“.
In den vergangenen Jahren warben einige wenige genossenschaftliche Banken bundesweit um neue Mitglieder. Ausgerechnet sie sind allerdings in finanzielle Schwierigkeiten geraten, so etwa die VR-Bank Bad Salzungen Schmalkalden, die Volksbank Dortmund-Nordwest und die Raiffeisenbank Hochtaunus (Marke im Internet: „Meine Bank“). Gerät eine Genossenschaftsbank in Schieflage, unterstützen sich die Genossenschaftsbanken aber gegenseitig oder fusionieren, sodass die Mitglieder nach einer Kündigung ihr eingezahltes Geld für die Anteile auf jeden Fall zurückbekommen sollten.
Zu den wenigen Banken ohne besondere Einschränkungen zählt derzeit die Münchener Hypothekenbank, die Wohn- und Geschäftsimmobilien finanziert. Wer Neumitglied werden möchte, kann bis zu 1000 Anteile zeichnen, für 70 Euro je Anteil. Privatpersonen können also bis zu 70. 000 Euro investieren. Die Dividende belief sich 2023 und, gerade beschlossen, auch 2024 auf vier Prozent. Damit lässt sich die eigene Kaufkraft mehr als erhalten. Genossenschaftsanteile sollten aber nur eine kleine Beimischung von maximal fünf Prozent innerhalb eines Gesamtportfolios sein. Sie sollten außerdem auf die oft einjährigen Kündigungsfristen zu achten.
Wann hohe Zinsen zur Falle werden können
Finanzbetrüger wollen ebenfalls von der Jagd nach attraktiven Zinsen profitieren. Nach Angaben der Verbraucherzentralen geben Webportale oder Beratungsfirmen im Internet vor, gute Festgeldangebote zu vermitteln. Wer Kontakt zu den Unternehmen aufnimmt, bekommt täuschend echt wirkende Antragsformulare von angeblichen Partnerbanken. Oder wird zu einem – gefälschten – Eröffnungsantrag geleitet, der sich scheinbar auf der Website der Partnerbank befindet. Den Anlagebetrag sollen die Sparer und Sparenden dann auf ein Konto mit einer ausländischen IBAN überweisen. Das Geld landet allerdings bei den Betrügern – und ist verloren, weil die Finanzgauner den eingezahlten Betrag sofort vom Konto abheben. Die Verbraucherzentralen mahnten bereits im Herbst 2024: „Schon bei einem Angebot über ein 12-monatiges Festgeld zu 4,25 Prozent Zinsen sollten Sie beispielsweise stutzig werden.“
Finanzexperte Larisch warnt auch vor vermeintlichen Festgeld-Angeboten, bei denen es sich in Wirklichkeit um nachrangige Anleihen handelt. Also Schuldverschreibungen, bei denen die Anleger als Käufer der Anleihen im Falle einer Pleite zu den Letzten gehören, die ihr Geld zurückbekommen – wenn überhaupt. Beispiel: Die Sparkasse Magdeburg wirbt für ihren Sparkassenbrief mit einer Laufzeit von zehn Jahren, der 4,0 Prozent Zinsen bringen soll. Die übliche Einlagensicherung der Sparkassen gilt hier jedoch nicht. Werde die Sparkasse in Magdeburg zahlungsunfähig, sei der Totalverlust des eingesetzten Kapitals möglich, heißt es auf der Homepage der Sparkasse.
Auch andere Angebote, die hohe Zinsen versprechen, können für Anlegende zum Verlustbringer werden. Zum Beispiel Mittelstandsanleihen. Das sind Anleihen mittelständischer Unternehmen, für die es ebenfalls Zinsen weit über den seriösen Festgeldangeboten gibt. Beispiel: Nach der Pleite der Baumarktkette “Praktiker” wurden die Anleihen des Unternehmens wertlos.
Versprochen hatte “Praktiker” 2013 mehr als zehn Prozent Zinsen. Auch Käufer von Anleihen der insolventen Fluggesellschaft “Air Berlin” oder des Erotikshops “Beate Uhse” griffen daneben. Die Stiftung Warentest verweist auf eine Studie, der zufolge seit 2010 bei jeder vierten dieser Anleihen etwas schiefging: „Die herausgebenden Emittenten können entweder die Zinsen nicht mehr bezahlen oder den Einsatz der Sparer nicht zurückerstatten – mitunter geschieht auch beides.“
Experte Larisch warnt grundsätzlich davor, sich von überhöhten Zinsen blenden zu lassen: „Anleger sollten nicht zu gierig werden und akzeptieren, dass mehr auf sichere Weise einfach nicht drin ist.“
- www.ihre-vorsorge.de/altersvorsorge/allgemein-altersvorsorge/so-legen-sie-eine-groessere-summe-richtig-an
- www.ihre-vorsorge.de/altersvorsorge/allgemein-altersvorsorge/inflation-was-sparer-jetzt-tun-koennen
- www.ihre-vorsorge.de/finanzen/nachrichten/bei-tagesgeld-auf-die-zinsen-achten
- www.ihre-vorsorge.de/finanzen/nachrichten/bei-tagesgeld-auf-die-zinsen-achten
