So legen Sie eine größere Summe richtig an
Was ist am Anfang zu entscheiden?
Angenommen, Sie haben eine höhere fünf- oder gar eine sechsstellige Summe zur Verfügung, brauchen das Geld aber nicht. Weder um Ihr Einkommen, noch um Ihre Rente aufzubessern, die Ausbildung Ihrer Kinder zu finanzieren oder für einen Immobilienkauf oder Sondertilgungen. Dann sind Sie gut beraten, das Geld auf jeden Fall anzulegen und keinesfalls auf dem Girokonto herumliegen zu lassen. Denn dort verliert es, weil es keine Zinsen oder andere Erträge abwirft, wegen der Inflation an Wert (siehe Tabelle). Bevor Sie damit loslegen, sollten Sie zunächst Antworten auf zwei Fragen finden: Wie lange will und kann ich mein Erspartes anlegen? Und bin ich bereit, über börsennotierte Indexfonds (ETFs) in den Aktienmarkt einzusteigen, um mir die Chance auf höhere Renditen nicht entgehen zu lassen?
| Wie die Inflation am Ersparten nagt | ||||||
| Der reale Wert von 100.000 Euro verringert sich im Lauf der Zeit, je höher die Inflationsrate, desto drastischer. Lesebeispiel: Bei einer durchschnittlichen jährlichen Inflationsrate von zwei Prozent sind 100.000 Euro schon nach 5 Jahren nur noch 90.570 Euro wert. | ||||||
Kaufkraft bei einer jährlichen Inflationsrate von… Prozent | ||||||
1 | 2 | 3 | 4 | 5 | 8 | |
Jahre | ||||||
5 | 95.150 | 90.570 | 86.260 | 82.190 | 78.350 | 68.060 |
10 | 90.530 | 82.030 | 74.410 | 67.560 | 61.390 | 46.320 |
15 | 86.130 | 74.300 | 64.190 | 55.530 | 48.100 | 31.520 |
20 | 81.950 | 67.300 | 55.370 | 45.640 | 37.690 | 21.450 |
30 | 74.200 | 55.210 | 41.200 | 30.830 | 23.140 | 9.940 |
| Zahlen sind auf Zehnerstellen gerundet. | ||||||
| Quellen: zinsen-berechnen.de, eigene Berechnungen | ||||||
Was können Sie tun, wenn Ihnen Sicherheit am wichtigsten ist?
Wenn Sie auf absolute Sicherheit bedacht sind und deshalb nicht nur Aktien, sondern auch Anleihen und Anleihefonds meiden, können Sie Ihr Kapital in Tages- und Festgeld stecken. Auch hier ist es nicht empfehlenswert, alles auf eine Karte, in diesem Fall auf eine Laufzeit zu setzen. Stattdessen können Sie sich eine Zinsleiter bauen. Dabei wird eine Gesamtsumme in kleinere Chargen aufgeteilt und zu verschiedenen Laufzeiten angelegt.
Beispiel: 50.000 Euro stehen zur Verfügung. Davon fließen 10.000 Euro auf ein Tagesgeldkonto bei einer Bank, die kontinuierlich und nicht nur für wenige Monate einen überdurchschnittlich guten Zinssatz für täglich verfügbares Geld anbietet. Die 10.000 Euro sind Ihre eiserne Reserve, etwa für eine größere Anschaffung wie eine Waschmaschine, eine Autoreparatur oder die Steuernachzahlung. Trotz der zuletzt gesunkenen Zinsen lag der Zinssatz für Tagesgeldkonten Mitte November laut dem Verbraucherportal biallo.de immer noch bei etwas über 2,0 Prozent – zumindest bei den Banken, die überhaupt Zinsen für Tagesgeld herausrücken. Teilweise sind aber bei Geldhäusern mit mindestens guter Sicherung der Spareinlagen derzeit noch Zinsen für Bestandskunden von drei Prozent drin. Wer noch eine passende Bank sucht, wird auf Finanzportalen wie biallo.de, weltsparen.de oder verivox.de fündig.
Wie kann ich meine eigene Zinsleiter bauen?
Von den 50.000 Euro sind damit 10.000 Euro schon mal einigermaßen gut verzinst geparkt. Die restlichen 40 000 Euro können in Festgeld fließen, das etwas höhere Zinsen als Tagesgeld bringt. Am höchsten sind die Zinsen momentan für kurze Laufzeiten von sechs bis zwölf Monaten, hier rücken die Banken in der Spitze noch mehr als drei Prozent Zinsen heraus. Für eine Laufzeit von zehn Jahren sind bei deutschen Banken mit sehr guter Einlagensicherung hingegen nur noch Zinsen von um die 2,5 Prozent drin. Was also tun?
Sie können die übrig gebliebenen 40.000 Euro aufteilen und das Geld in vier Teile splitten und zum Beispiel ein, drei, fünf und sieben Jahre festlegen. Mit so einer Zinsleiter haben Sie einerseits die Möglichkeit, regelmäßig aufs Neue über einen Teil des Gelds zu verfügen und zu investieren. Andererseits können Sie sich so mit den längeren Laufzeiten das derzeit bestehende Zinsniveau sichern, falls die Zinsen in den nächsten Jahren weiter zurückgehen sollten. Klar, das kommt für Sie nur infrage, wenn es Ihnen nicht zu mühsam ist, sich ab und zu um eine Neuanlage zu kümmern. Ist Ihnen das zu aufwändig, entscheiden Sie sich für eine Laufzeit und haben dann für einige Zeit Ruhe.
Wie lassen sich sichere Zinsanlagen mit ETFs kombinieren?
Angenommen, Sie sind bereit, für die Aussicht auf Renditen oberhalb von zwei oder drei Prozent ein höheres Risiko einzugehen. Dann können Sie mit Ihrem Batzen Geld ein sogenanntes Pantoffel-Portfolio aufbauen, wie es die Stiftung Warentest seit Jahren empfiehlt. Das soll – wie ein Pantoffel – möglichst bequem sein und besteht daher nur aus zwei Bausteinen: renditestarken Exchange Traded Funds (ETFs), die bestimmte Aktienindizes abbilden, und zum Beispiel sicherem Tages- und Festgeld. Sie sollten jedoch Zeit, Geduld und gute Nerven mitbringen. So rät die Stiftung Warentest, nur Geld in Aktienfonds zu investieren, das Sie langfristig mindestens zehn Jahre entbehren können und nicht zu einem bestimmten Zeitpunkt benötigen. Dann können Sie notfalls mit dem Verkauf der Fonds warten, falls zum gewünschten Ausstiegszeitpunkt ausgerechnet die Kurse abgesackt sind. Nach der Pleite der US-Investmentbank Lehman Brothers in der Finanzkrise 2008 dauerte es zum Beispiel mehr als sechs Jahre, bis sich die Kurse weltweit wieder erholten.
Je nach Risikotyp, Alter und der zur Verfügung stehenden Zeit für die Anlage können Sie sich nun für verschiedene Varianten Ihres Pantoffel-Portfolios entscheiden. Beispiel: Wer je 50 Prozent in Aktien-ETFs und 50 Prozent in Zinsanlagen investiert, hat eine ausgewogene Variante gewählt. Würden die Aktienkurse nun vorübergehend um 20 Prozent einknicken, verlöre der Wert der Geldanlage eben nur zehn Prozent. Und ein echter Verlust wäre das auch nur dann, wenn Sie die ETFs verkaufen und die schwache Börsenphase nicht aussitzen.
Welche ETFs sind für das Pantoffel-Portfolio geeignet?
Bleibt die Frage, in welche ETFs Sie investieren können. Die Stiftung Warentest empfiehlt, das Geld weltweit anzulegen, um das Risiko auf verschiedene Länder, Unternehmen und Branchen zu verteilen. Beispiel: Sie haben 50.000 Euro geerbt, die Sie in ein Fifty-Fifty-Pantoffel-Portfolio anlegen wollen. 5.000 Euro stecken Sie auf ein Tagesgeldkonto mit überdurchschnittlich hohen Bestandszinsen. Weitere 20.000 Euro legen Sie in Festgeld an, in Tranchen von je 5.000 Euro für zum Beispiel ein, drei, fünf und sieben Jahre. Wird das Geld fällig, legen Sie es wieder an, sofern Sie es weiter nicht brauchen. Da Sie genug Zeit haben, investieren Sie die übrigen 25.000 Euro in weltweit anlegende Aktien-ETFs. Alle ETFs sind thesaurierend, die Erträge werden also sofort wieder angelegt und nicht ausgeschüttet.
Sie können nun die 25.000 Euro in einen ETF stecken, der dem MSCI World folgt, dem Standardindex für Privatanleger. Dieser Index deckt einen Großteil der globalen Börsenwelt ab, da er der Kursentwicklung von gut 1400 Aktien aus 23 Industrieländern folgt. In dem Aktienindex sind Unternehmen aus den unterschiedlichsten Branchen enthalten – von A wie Amazon bis V wie Volkswagen.
Oder Sie wählen einen marktbreiteren ETF, der die Kursentwicklung des MSCI All Country World abbildet. Man könnte zu ihm auch sagen, das ist der „Wahre-Welt-Index“ mit knapp 2700 Aktien. Er enthält neben den Titeln aus den 23 Industrieländern auch Aktien aus 24 Schwellenländern, wie zum Beispiel China oder Indien.
Legen Sie Wert auf nachhaltigere Produkte, können Sie zum Beispiel auf den MSCI World SRI Low Carbon Select 5 % Issuer Capped setzen. Die für nachhaltige Fonds häufig verwendete Buchstabenkombination SRI steht für Socially Responsible Investment, also „sozialverantwortliche Anlage“. In diesem Index sind von den 1400 Unternehmen im Mutter-Index nur etwa 400 übriggeblieben. Alle anderen Aktien sind ausgesiebt, weil die Unternehmen nicht nachhaltig genug arbeiten oder die sozialen Kriterien nicht erfüllen.
Natürlich können Sie auch ETFs nach ihren Vorlieben mischen, anders gewichten und den hohen Anteil von US-Aktien in allen MSCI-World-Ablegern durchs Hinzunehmen von Europa-ETFs oder Schwellenländer-ETFs zumindest teilweise ausgleichen.Unterm Strich haben Sie mit so einem ausgewogenen Depot aber gute Chancen, innerhalb von 20 Jahren ihren Einsatz auf 100.000 Euro zu verdoppeln.
Welche Renditen bringen solche Pantoffel-Portfolios?
Die Pantoffel-Portfolios haben sich in der Vergangenheit glänzend bewährt, wie die jüngsten Berechnungen von Stiftung Warentest zeigen. Die durchschnittliche jährliche Rendite der ausgewogenen Variante bewegte sich in den vergangenen zehn Jahren auf mehr als sechs Prozent. Bei der offensiveren Variante, bei der sich der Aktienanteil auf 75 Prozent beläuft, liegt die durchschnittliche Rendite in dem Zehn-Jahres-Zeitraum sogar bei mehr als neun Prozent. Unterstellt ist dabei aber immer, dass die vorher gewählte Aufteilung des Kapitals in einen Sicherheitsbaustein und einen Renditebaustein wiederhergestellt wird, wenn sich ein Baustein zu gut oder zu schlecht entwickelt hat. Fachleute sprechen vom „Rebalancing“. Vorteil: Dadurch wird vermieden, dass Anlegende plötzlich ein viel höheres Risiko eingehen, als sie ursprünglich wollten. Genau das passiert aber, wenn die Kurse an den Börsen steigen und sich die Aktien-ETFs viel besser entwickeln als die Zinsanlagen.
Beispiel: Beim ausgewogenen Portfolio wird umgeschichtet, sobald der Sicherheitsbaustein, also die Zinslagen, oder der Renditebaustein, also die Aktien-ETFs, auf mehr als 60 Prozent steigt oder unter 40 Prozent fällt. Die Stiftung Warentest bietet für dieses Rebalancing auf ihrer Homepage einen kostenlosen Rechner an. Nach Eingabe der Anlagedaten lässt sich ablesen, ob und wann das Pantoffel-Portfolio anzupassen ist.
Unser Tipp: Legen Sie mindestens einmal im Jahr einen „Geldtag“ ein und prüfen Sie dann, ob ein Rebalancing notwendig ist. Das hilft Ihnen, hektische und unüberlegte Bauchentscheidungen bei der Geldanlage zu vermeiden, die Ihnen oft nur Geld und Rendite kosten.
| So entwickelt sich eine Einmalanlage von 50.000 Euro | |||||
bei einer Rendite in Prozent von ... | |||||
1 | 2 | 3 | 4 | 5 | |
Jahre | |||||
5 | 52.551 | 55.204 | 57.964 | 60.833 | 63.814 |
10 | 55.231 | 60.950 | 67.196 | 74.012 | 81.445 |
15 | 58.048 | 67.293 | 77.898 | 90.047 | 103.946 |
20 | 61.010 | 74.297 | 90.306 | 109.556 | 132.665 |
30 | 67.392 | 90.568 | 121.363 | 162.170 | 216.097 |
| Lesebeispiel: Aus 50.000 Euro werden nach 20 Jahren bei einer jährlichen Rendite von vier Prozent 109.556 Euro. Endbeträge sind auf- oder abgerundet, Steuern nicht berücksichtigt. | |||||
| Quellen: Eigene Berechnungen, zinsen-berechnen.de. | |||||
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