München (tö). Millionen Bankkunden in Deutschland akzeptieren immer noch extrem niedrige oder gar keine Zinsen auf dem Tagesgeldkonto. Das ergibt sich aus einer Analyse des Vergleichsportals Verivox. Demnach zahlt gut ein Fünftel von 758 ausgewerteten Banken und Sparkassen nach wie vor entweder gar keine oder allenfalls Niedrigzinsen von maximal einem Viertelprozent aufs Tagesgeld. Wenigstens ein Prozent und mehr erhalten Sparerinnen und Sparer laut Verivox nur bei 30 Prozent aller Banken. Zum Vergleich: Im Durchschnitt liegt der Zinssatz für Tagesgeld bei den Banken, die überhaupt Zinsen für täglich verfügbares Geld herausrücken, nach Angaben des Verbraucherportals biallo.de bei 2,11 Prozent (Stand: 26.03.24).
Von den von Verivox ausgewerteten Kreditinstituten boten 57 noch immer keine Verzinsung auf dem Tagesgeldkonto. Weitere 102 Geldhäuser zahlten ihren Kundinnen und Kunden lediglich sehr geringe Zinsen zwischen 0,01 und 0,25 Prozent, obwohl die Banken selbst bei der Europäischen Zentralbank (EZB) 4,0 Prozent Zinsen bekommen, wenn sie dort Geld parken. Besonders knausrig sind Banken, die auf dem Land noch mit Filialen vertreten sind, ohne große Konkurrenz vor Ort zu haben. So sind der Analyse zufolge die örtlichen Volks- und Raiffeisenbanken, die PSD- und Sparda-Banken sowie die Sparkassen besonders häufig unter den Kreditinstituten zu finden, die entweder keine Tagesgeldzinsen oder nur eine Mini-Verzinsung gewähren.
Laut Verivox zahlt nur etwa jede vierte Regionalbank mindestens ein Prozent Zinsen. “Es mag verständlich sein, dass regionale Kreditinstitute mit einem teuren Filialnetz nicht die höchsten Zinsen im gesamten Markt anbieten. Doch dass in der aktuellen historischen Hochzinsphase bei der großen Mehrheit der Volksbanken und Sparkassen nicht einmal ein Prozent drin sind, ist aus Sicht der Sparer nur noch schwer nachzuvollziehen”, sagte Verivox-Geschäftsführer Oliver Maier.
Unabhängige Anlageexperten empfehlen Bankkunden, sich nicht mit Null- oder Minizinsen zufriedenzugeben:
- Wer langjähriger Kunde einer Regionalbank mit niedrigen Tagesgeldzinsen ist, sollte offensiv verhandeln und damit drohen, mit dem Ersparten zu einer anderen Bank zu wechseln. Das kann helfen, höhere Zinsen herauszuschlagen.
- Für mehr Zinsen auf dem Tagesgeldkonto muss niemand sein Girokonto beziehungsweise die Bank komplett wechseln. Sparer und Sparerinnen können einfach bei einer Bank ihrer Wahl zusätzlich ein Tagesgeldkonto eröffnen und dorthin Geld umschichten.
- Verbraucherschützer empfehlen bei der Wahl der Bank vor allem auf die Bestandszinsen zu achten. Vorübergehend überdurchschnittlich hohe Aktionszinsen von drei bis vier Prozent für drei bis sechs Monate lohnen sich auf Dauer nicht, wenn die Bank danach nur noch geringe Zinsen weit unter dem Durchschnittszins zahlt.
