So sichern sich Anleger jetzt noch gute Zinsen
Fast zwei Jahre lang sind Zinsen stetig gestiegen. Doch in den vergangenen Monaten haben dutzende Sparkassen und Banken ihre Sparzinsen wieder reduziert. Viele Sparerinnen und Vorsorgesparer treibt deshalb die Frage um, wie sie und wie lange sie Erspartes jetzt noch schnell sicher anlegen sollten – ein Leitfaden.
Wie die Zinsen abgerutscht sind
Am Anfang war die Zinswende. Seit Mitte 2022 sind die Zinsen stetig gestiegen. Doch nun ist damit erst einmal Schluss. Beispiel Festgeld, bei dem Kunden ihr Geld für eine vorher vereinbarte Laufzeit und für einen bestimmten Zinssatz fest anlegen: Ende 2021 und damit vor den Erhöhungen des Leitzinses durch die Europäische Zentralbank (EZB) von null auf 4,5 Prozent hatte der durchschnittliche Zinssatz für eine Laufzeit von 24 Monaten noch bei knapp 0,2 Prozent gelegen. Dann stieg er nach Angaben des Verbraucherportals biallo.de bis Ende November 2023 auf 2,61 Prozent. Ende Februar waren es nur noch um die 2,30 Prozent. Auch beim Tagesgeld sind die Zinsen erst auf ein 15-Jahres-Rekordhoch geklettert, nun fallen sie wieder.
Welche Banken die Zinsen senken
Im neuen Jahr haben zahlreiche Geldhäuser ihre Zinsen für Festgeld um mehrere Zehntel reduziert, darunter auch Topanbieter, die in den Vergleichsrankings seit Monaten weit oben stehen. Laut dem Vergleichsportal Verivox sind die Zinsen für Festgeldangebote mit zwei Jahren Laufzeit im Durchschnitt so niedrig wie zuletzt im Juli 2023.
Auch beim Tagesgeld geht’s bergab: So rückte eine der größten deutschen Direktbanken, die DKB, monatelang, egal ob für Neu- oder Altkunden, 3,5 Prozent Zinsen für Tagesgeld heraus. Seit 1. Februar ist es nur noch die Hälfte, 1,75 Prozent. Auch die Direktbank ING verringerte Anfang Februar 2024 den sechs Monate lang garantierten Aktionszins für Neukunden von 3,75 auf 3,30 Prozent. Danach gilt der variable Zins von 1,25 Prozent. An den Zinsen für Tagesgeld können die Banken jederzeit herumschrauben, sie sind variabel. Feste Zinsen gibt es in der Regel nur für Neukunden, und diese sind dann meist nur für drei bis sechs Monate garantiert.
Wie sich gute Zinsen jetzt sichern lassen
Die Europäische Zentralbank (EZB) dürfte noch in diesem Jahr früher oder später damit beginnen, die Leitzinsen wieder Schritt für Schritt zu senken, weil die Inflationsrate deutlich zurückgegangen ist. Damit rechnen zumindest die Marktbeobachter in den Banken. Das spricht dafür, dass auch die Sparzinsen noch weiter zurückgehen könnten.
Niels Nauhauser, Finanzexperte der Verbraucherzentrale Baden-Württemberg, empfiehlt jedoch, die Wahl der Laufzeit einer Zinsanlage nicht von Prognosen, sondern vom persönlichen Bedarf abhängig zu machen. “Wenn ich weiß, dass ich in ein, zwei oder drei Jahren zu einem bestimmten Zeitpunkt Geld brauche, etwa für einen Gebrauchtwagen, sollte ich das Geld dafür auch nicht länger anlegen.” Andererseits rät Nauhauser nicht grundsätzlich davon ab, sich längerfristig zu binden. “Wenn die Zinsen wirklich fallen sollten, sind Anleger gut damit bedient, wenn sie sich jetzt die Zinsen auf diesem Niveau für vier, sechs oder mehr Jahre sichern.”
Wie Anleger bei Zinsanlagen flexibel bleiben können
Normalerweise bringen Zinsanlagen mit einer längeren Laufzeit höhere Zinsen als die mit kurzen Laufzeiten. Derzeit ist es eher umgekehrt. Für zwölf Monate Festgeld gab es Ende Februar im Durchschnitt 2,46 Prozent, für vier Jahre mit durchschnittlich 2,22 Prozent etwas weniger. Es lohnt sich somit nicht, sich nur deshalb länger zu binden, weil so mehr Zinsen herauszuholen wären. Was also tun?
Ein möglicher Ausweg: sich eine eigene Zinsleiter bauen, wie dies auch von Stiftung Warentest empfohlen wird. “Ich kann zum Beispiel ein Drittel des Kapitals für ein Jahr, eines für zwei Jahre und eines für drei Jahre als Festgeld anlegen”, sagt Nauhauser. So habe man immer wieder die Option, über einen Teil des Geldes zu verfügen und neu zu investieren. Das komme vor allem für Anleger infrage, die sich regelmäßig um ihr Erspartes kümmern wollen. “Sparende, denen das zu lästig ist, können sich länger binden und haben dann für ein paar Jahre Ruhe.”
Welche Angebote beim Tagesgeld herausstechen
Noch sind in der Spitze überwiegend knapp 4,0 Prozent beim Tagesgeld drin, zumindest bei ausländischen Banken mit guter Einlagensicherung. Die Angebote gelten zudem nur für Neukunden und Neukundinnen und nur für begrenzte Zeit. Etwas weniger gibt bei Anbietern, die einer besseren deutschen Einlagensicherung unterliegen: Die Pro Credit Bank zum Beispiel zahlt bis Ende April 3,75 Prozent, Consors 3,50 Prozent für sechs Monate, beides Angebote, die nur für Neukunden gelten. Danach fällt der variable Zinssatz für Bestandskunden auf derzeit lediglich 1,40 beziehungsweise 1,0 Prozent.
Wer nicht nur eine Notreserve von zwei bis drei Nettogehältern auf dem Tagesgeldkonto hat, sondern größere Summen bewegt, kann sich natürlich die Mühe machen, von Bank zu Bank zu springen und sich jeweils die besten Aktionszinsen zu sichern. “Für Menschen, die ein paar Tausend Euro auf dem Tagesgeldkonto haben, lohnt sich dieser Aufwand allerdings kaum”, sagt Nauhauser. Wer kein Bankenhopping betreiben wolle, solle sich stattdessen lieber eine Bank suchen, die kontinuierlich und nicht nur für Neukunden überdurchschnittlich hohe Tagesgeldzinsen gewährt. Zu diesen Instituten zählt etwa die Renault-Bank direkt. Sie zahlt Bestandskunden 2,9 Prozent Zinsen, die bundesweit tätige Raiffeisenbank Hochtaunus 2,5 Prozent.
Was für Festgeld noch drin ist
Wer Erspartes in Festgeld oder in Sparbriefen anlegt, kann normalerweise während der vereinbarten Laufzeit nicht auf sein Kapital zurückgreifen. Dafür sind die Zinsen in der Regel höher als beim Tagesgeld. Vier Prozent oder gar mehr gibt es aber mittlerweile bei Anbietern mit mindestens guter Einlagensicherung kaum noch, auch nicht bei ausländischen Banken. Die besten Anbieter mit einer sehr guten deutschen Einlagensicherung wie die Credit Plus, die Volkswagen-Bank, Deutsche Pfandbriefbank (pbb direkt), ABC Bank oder Cronbank zahlen mittlerweile für Laufzeiten von ein, zwei oder drei Jahren zwischen 3,00 bis 3,60 Prozent Zinsen. Auch bei einigen Sparkassen sind noch Zinsen von 3,00 bis 3,50 Prozent drin. Wer Zinsen vergleichen will und zu einem der Topanbieter wechseln will, nutzt am besten Vergleichsportale wie verivox.de, biallo.de oder check24.de.
Welche Sicherheit ausländische Banken bieten
Banken mit Sitz im Ausland haben oft noch bessere Angebote als die Mehrheit der deutschen Konkurrenten. Der Schutz der Einlagen ist aber nicht so gut wie bei allen Sparkassen, Volks- und Raiffeisenbanken sowie Privatbanken mit Sitz in Deutschland. Zwar schreibt eine EU-Richtlinie vor, dass mindestens 100.000 Euro pro Kunde zu sichern sind. Die Einlagensicherung und damit der Schutz der 100.000 Euro ist allerdings nur so gut wie die Solidität des Staates, der dahintersteckt. Denn im Falle einer Bankpleite trägt letztendlich die Regierung des jeweiligen Landes die Verantwortung dafür, ausländische Sparer zu entschädigen. Das ist vor allem dann wichtig, wenn eine große Bank oder mehrere kleine Banken pleitegehen, die übrigen Banken nicht aushelfen können beziehungsweise die Mittel im Entschädigungsfonds nicht reichen. Auch Finanzexperte Nauhauser rät davon ab, wegen ein paar Euro mehr Zinsen das Risiko auf sich zu nehmen, nach einer Bankpleitewelle bei der Entschädigung leer auszugehen.
Was sehr langfristige Zinsanlagen bringen
Dafür sind die Angebote rar. Die Bausparkasse Mainz bietet einen Auszahlplan an: Man legt wenigstens 5.000 Euro für mindestens fünf bis maximal 30 Jahre an. Aus der angelegten Summe wird jeden Monat ein bestimmter Betrag wie ein Zusatzeinkommen ausbezahlt, bis das eingezahlte Kapital zum Ende der Laufzeit verzehrt ist. Dafür gab’s vor mehr als einem Monat noch bis zu 4,5 Prozent Zinsen, jetzt sind es bei 10 Jahren Laufzeit 3,0 Prozent, bei 20 Jahren 3,35 Prozent, bei 30 Jahren wieder 3,00 Prozent. Kunden legen sich damit sehr lange fest, ohne an ihr Geld vorzeitig heranzukommen. Die Bausparkasse garantiert aber “die volle Vererbbarkeit des Restkapitals im Todesfall”. Bei anderen Anbietern bewegen sich die Sparzinsen für eine Laufzeit von zehn Jahren ebenfalls um die 3,0 Prozent.
