Wie Sparer die Inflation schlagen können
Warum sich Sparen derzeit besonders lohnt
Die Inflationsrate verharrte im April nach Angaben des Statistischen Bundesamts erneut bei vergleichsweise niedrigen 2,2 Prozent. Für Festgeld gibt es aber immer noch Zinsen von mehr als drei Prozent. Auch mit Tagesgeld sind bei einigen Banken Zinsen über der Inflationsrate drin. Das bedeutet: Sie können wieder positive Realzinsen zu erzielen und verlieren mit Ihren Zinsanlagen nicht an Kaufkraft. Diese Rechnung geht aber nur auf:
- wenn Sie sich nicht mit unterdurchschnittlichen Konditionen zufriedengeben und auch einmal bereit sind, zu einer anderen Bank mit besseren Zinsangeboten zu wechseln.
- und Sie an die Steuer denken, also einen Freistellungsauftrag einreichen und den Sparerpauschbetrag noch nutzen können. Dann sind Kapitaleinkünfte in Höhe von jährlich 1.000 Euro (Verheiratete: 2.000 Euro) von der Steuer befreit.
Warum lange warten jetzt Geld kosten kann
Es gilt als wahrscheinlich, dass die Europäische Zentralbank (EZB) im Juni die Leitzinsen senken wird. Deshalb haben die Geschäftsbanken bereits angefangen, die Zinsen, vor allem für Festgeld, zu senken, weil sie bei der EZB für ihre Einlagen in Zukunft selbst weniger Zinsen bekommen werden. Für viele Bankkunden und Kundinnen kann es deshalb attraktiv sein, sich auskömmliche Zinsen oberhalb der Inflationsrate für einen bestimmten Zeitraum zu sichern.
Wie sich die Angebote beim Festgeld entwickelt haben
Wenn Sie Erspartes in Festgeld oder in Sparbriefen anlegen, können Sie normalerweise während der vereinbarten Laufzeit nicht auf Ihr Kapital zurückgreifen. Dafür sind die Zinsen in der Regel höher als beim Tagesgeld. Seit ihrem Höhepunkt Ende 2023 sind die Zinsen jedoch wieder gefallen. So brachte noch Anfang Dezember Festgeld mit einer Laufzeit von 24 Monaten durchschnittlich 2,6 Prozent Zinsen, Mitte Mai waren es nach Angaben des Verbraucherportals biallo.de 2,35 Prozent.
Trotzdem sind gut drei Prozent für verschiedene Laufzeiten von sechs Monaten bis drei Jahren noch drin – und damit positive Renditen auch nach Abzug der Inflationsrate. Das gilt auch für deutsche Anbieter mit einer sehr guten Sicherung der Spareinlagen. Diese sind leicht zu finden, wenn man sich die Vergleiche auf Internetportalen wie biallo.de, fhm.de oder verivox.de anschaut. Auffällig ist jedoch, dass die Banken bei Laufzeiten von vier bis zehn Jahren deutlich weniger zahlen als für Laufzeiten von bis zu drei Jahren. Das deutet darauf hin, dass die Banken mit längerfristig sinkenden Zinsen rechnen.
Wie Sie mit Festgeld und Sparbriefen flexibel bleiben
Sie fragen sich vielleicht auch: Wie lange soll ich Erspartes anlegen? Verbraucherschützer raten hier stets, dies vom Bedarf abhängig zu machen. Wenn Sie zum Beispiel zu einem bestimmten Zeitpunkt Geld für eine größere Anschaffung brauchen, sollten Sie dieses Geld natürlich nicht länger festlegen. Um flexibel zu bleiben, können Sie sich aber eine eigene Zinsleiter bauen. Haben Sie zum Beispiel 20.000 Euro zur Verfügung, können Sie je 4.000 Euro zu fünf verschiedenen Laufzeiten von ein bis fünf Jahren anlegen. So haben Sie einerseits immer wieder die Möglichkeit, über einen Teil des Ersparten verfügen und neu investieren zu können. Andererseits sichern Sie sich mit den etwas längeren Laufzeiten das derzeit bestehende Zinsniveau auch für die nächsten Jahre, in denen die Zinsen womöglich zurückgehen sollten.
Worauf Sie beim Tagesgeld schauen können
Beim Tagesgeld sind die durchschnittlichen Zinsen anders als beim Festgeld weitgehend stabil geblieben. Sie bewegten sich laut biallo.de Mitte Mai auf durchschnittlich 2,30 Prozent – zumindest bei den Banken und Sparkassen, die überhaupt Zinsen für Tagesgeld zahlen. In der Spitze waren zu diesem Zeitpunkt bei ausländischen Geldhäusern mit mindestens guter Einlagensicherung sogar noch mehr als vier Prozent drin. Keine Vier mehr vor dem Komma stand bei Anbietern, die der besseren deutschen Einlagensicherung unterliegen.
Tipp: Wenn Sie nicht ständig von einer Bank zur nächsten mit Top-Aktionszinsen wechseln wollen, können Sie sich ein Geldhaus suchen, das kontinuierlich und nicht nur für Neukunden überdurchschnittlich hohe Tagesgeldzinsen zahlt. Diese finden Sie, wenn Sie in den Vergleichsportalen auf die Zinsen für Bestandskunden schauen. Auch hier gibt es noch Zinsen oberhalb der Inflationsrate.
Worauf bei Sparkassen und Genossenschaftsbanken zu achten ist
Sparkassen sowie Volks- und Raiffeisenbanken leisten sich noch viele Filialen. Das ist teuer, die Sparzinsen sind deshalb oft niedriger als bei Banken, die nur über Telefon oder online zu erreichen sind. Dies zeigt auch eine Untersuchung von biallo.de, bei der die Konditionen von 670 Genossenschaftsbanken und 350 Sparkassen ausgewertet wurden. Ergebnis: Die durchschnittlichen Zinsen für Tagesgeld liegen deutlich unter einem Prozent. Mehrere dieser Banken zahlen sogar gar keine Zinsen fürs Tagesgeld. Besser sieht es bei den Festgeldzinsen aus: Hier gibt es für alle untersuchten Laufzeiten im Durchschnitt mehr als zwei Prozent Zinsen.
Tipp: Wenn Sie ein langjähriger Kunde einer Sparkasse oder Genossenschaftsbank sind und keinesfalls auch nur mit Tages- oder Festgeld zu einer anderen Bank wechseln wollen, können Sie versuchen, über die Konditionen zu verhandeln. So lassen sich möglicherweise wenigstens ein paar Zehntel mehr Zinsen hinter dem Komma herausholen.
Wie Tages- und Festgeld zu einem Sicherheitsbaustein bei der zusätzlichen Altersvorsorge werden kann
Die Stiftung Warentest empfiehlt Anlegenden den Aufbau eines Portfolios mit zwei Bausteinen: renditestarken Exchange Traded Funds (ETFs), die einen Weltindex wie den MSCI World abbilden, und sicherem Tages- und Festgeld oder einem Anleihe-ETF. Je nach Risikotyp, Alter und der zur Verfügung stehenden Zeit zum Sparen können Sie sich für verschiedene Varianten entscheiden. Beispiel: Wer je 50 Prozent in Aktien-ETFs und 50 Prozent in Zinsanlagen investiert, hat eine ausgewogene Variante gewählt. Würden die Aktienkurse nun vorübergehend um 20 Prozent einknicken, verlöre der Wert der Geldanlage eben nur zehn Prozent. Und ein echter Verlust wäre das auch nur dann, wenn man die ETFs verkauft und nicht die schwache Börsenphase aussitzt.
Was solche Portfolios bringen
Erstmals konnte die Stiftung in diesem Frühjahr auf die reale Wertentwicklung in insgesamt zehn zurückliegenden Jahren zurückschauen. Das Ergebnis sieht gut aus: Wer im Februar 2014 die ausgewogene Variante gewählt, einen Betrag von 100.000 Euro je zur Hälfte in einem Weltaktien-ETF und einen Euro-Anleihen-ETF gesteckt und das ausgewogene Verhältnis jedes Jahr konstant gehalten hätte, konnte sich zehn Jahre später über ein Portfolio im Wert von etwa 188.000 Euro freuen. Das entspricht einer Rendite von 6,5 Prozent pro Jahr, trotz zwischenzeitlicher Kursstürze an den Börsen und der langen Nullzins- und Negativzinsphase. Wer vor zehn Jahren mit einem Sparplan jeden Monat 200 Euro in das ausgewogene sogenannte Pantoffel-Portfolio investiert hätte, insgesamt also 24.000 Euro, hätte sein Geld auf heute knapp 32.000 Euro vermehrt.
Altersvorsorge muss weder teuer noch kompliziert sein. Schon mit 50 Euro im Monat kann man einiges erreichen. Eine Möglichkeit ist ein Fondssparplan.
