Ihre-Vorsorge Logo

Gutachter rügt Verkaufspraktiken bei offenen Immobilienfonds

Haben Banken und Sparkassen beim Verkauf von offenen Immobilienfonds falsch beraten? Was der Verein „Finanzwende“ jetzt von der Finanzaufsicht fordert.

Artikel vorlesen

Autor / Quelle

Lesezeit

3 Minuten

Veröffentlicht

Älteres Paar zuhause-auf Sofa mit Finanzberater. Bild: IMAGO / Shotshop

© Nicht definiert

München (tö). Banken und Vermittler von Finanzprodukten sollen in den vergangenen Jahren Anleger beim Verkauf von offenen Immobilienfonds im Milliardenumfang falsch beraten haben. Das wird den Kreditinstituten in einer neuen gutachterlichen Stellungnahme vorgeworfen, die der Fonds- und Immobilienexperte Stefan Loipfinger für den bankenkritischen Verein Finanzwende erstellt hat. Bei den neu in die Fonds geflossenen Anlagekapital „lässt sich beinahe durchgängig eine Fehlberatung unterstellen“, schreibt Loipfinger in seinem Gutachten. 

So seien von Anfang 2022 bis Ende März 2026 zwar mehr als 30 Milliarden Euro aus den Fonds geflossen. Etwa 20,5 Milliarden Euro – zuzüglich häufig erhobener Ausgabeaufschläge, also Kaufgebühren – seien aber neu in die Fonds investiert worden, „obwohl in dieser Zeit offene Immobilienfonds über die Börsen meist günstiger oder sogar deutlich günstiger erhältlich waren“. Häufig hätten solche Verkäufe dazu gedient, „konzerninterne Fonds auf Kosten der eigenen Kundinnen und Kunden zu stützen“. 

Günstiger über die Börse?

Der Hintergrund: Die meisten offenen Immobilienfonds werden nicht nur über die Fondsgesellschaft direkt, sondern auch an verschiedenen Börsenplätzen gehandelt. Wer also in einen bestimmten Fonds investieren möchte, hat die Wahl. Die gekauften Wertpapiere sind identisch. Der Unterschied liegt im Preis. Die offenen Immobilienfonds waren in den vergangenen Jahren in die Krise geraten. Etliche dieser Fonds, die sich Anlegende teilweise auch für ihre zusätzliche Altersvorsorge zugelegt haben, verzeichneten zum Teil deutliche Kursverluste. Drei dieser Fonds wurden vorübergehend sogar geschlossen. 

Loipfinger verweist darauf, dass Banken und Finanzdienstleister auf Grund einer EU-Finanzmarktrichtline verpflichtet sind, bei Aufträgen von Privatkunden und -kundinnen den Ausführungsweg zu wählen, „der unter den jeweiligen Marktbedingungen das wirtschaftlich günstigste Ergebnis erwarten lässt“ (im Fachjargon: Best-Execution-Pflicht). Empfehlungen oder Transaktionen, die für die Kunden objektiv nachteilig sind, etwa durch höhere Kosten trotz verfügbarer, günstigerer Alternativen, stellten einen Verstoß gegen diese Pflicht dar. 

Loipfinger, Gründer und Inhaber des Finanzportals Investmentcheck.de, hat deshalb nachgerechnet. Das Ergebnis: Für 19 an der Börse gehandelte offene Immobilienfonds wäre ein Erwerb von Fondsanteilen über die Börse im ungewichteten Durchschnitt im untersuchten Zeitraum von mehr als vier Jahren um gut 18 Prozent günstiger gewesen. Bei Mittelzuflüssen von rund 20,5 Milliarden Euro ergebe sich dadurch „ein potenziell erhebliches wirtschaftliches Nachteilsvolumen“ für die Anleger, heißt es in dem Gutachten. Loipfinger verweist dabei zudem auf die hohen Kosten der Fonds. 

Offene Immobilienfonds in der Kritik

Mittlerweile beschäftigt sich auch die deutsche Finanzaufsicht Bafin mit den offenen Immobilienfonds. Auf der Jahrespressekonferenz im Mai 2026 hatte Bafin-Chef Mark Branson kritisiert, dass in die Risikobewertung der Fonds „nicht immer alle relevanten Risikoinformationen“ einfließen. Die Finanzaufsicht will sich nun auch auf EU-Ebene für eine realistischere Risikoeinstufung der Fonds stark machen.

Dem Verein Finanzwende geht das aber nicht weit genug: Er fordert die Bafin auf, sogenannte Mystery-Shopper loszuschicken „und sich vor Ort selbst ein Bild machen, ob Banken und Sparkassen korrekt über einen günstigeren Kauf an der Börse informieren“. 

Mehr zum Thema


Weitere Artikel

Time
2 Minuten

Der Bund der Versicherten e. V. (BdV) zeigt, für wen sich der Schutz lohnt und worauf es beim Abschluss ankommt.

Time
3 Minuten

Viele Menschen bezweifeln zwar, dass Ihnen die gesetzliche Rente den gewohnten Lebensstandard im Alter ermöglichen wird. Doch weniger als die Hälfte investiert in Finanzprodukte, wie Sapio Research ermittelt hat.

Time
4 Minuten

Der Iran-Krieg treibt die Inflation und die Kreditzinsen. Die negativen Folgen spüren Eigenheiminteressenten und der Wohnungsbau.

Time
3 Minuten

Ab 2027 sollen Kinder monatlich Geld vom Staat für die spätere Rente bekommen. Eltern müssen dafür nicht sofort handeln – im Idealfall nehmen sie sich die Zeit, verschiedene Verträge zu vergleichen.

Time
1 Minuten

Abgeordnete der Koalition sprechen von einer historischen Entscheidung, die lange wirkt. Kinder bekommen künftig eine staatliche Förderung zur Altersvorsorge.

Time
2 Minuten

Mit der Zustimmung im Finanzausschuss hat die geplante Frühstartrente eine weitere Hürde genommen. Dabei gab es in der Sitzung noch eine Präzisierung für das Sondervermögen zur kollektiven Anlage.

Bleiben Sie auf dem Laufenden

Verpassen Sie kein Thema mehr.

Unser Newsletter informiert Sie regelmäßig und aktuell rund um die Themen Rente, Finanzen, Gesundheit und Soziales. Keine Werbung und 100% kostenlos.

Kontakt zur Deutschen Rentenversicherung

Wie können wir Ihnen weiterhelfen?
Icon Telefon
Kostenloses Servicetelefon
Mo. – Do. 08:00 – 19:00, Fr. 08:00 – 15:30
Logo Deutsche Rentenversicherung
Eine Initiative der Deutschen Rentenversicherung

Rechtliches

Service

Kostenlos und jederzeit abbestellbar – nach dem Absenden wählen Sie Themen und Rhythmus.

Logo klein Deutsche Rentenversicherung
Eine Initiative der Deutschen Rentenversicherung
© Ihre-Vorsorge 2026