Würzburg/Berlin (sth). Das Bundeskabinett hat trotz des Bruchs der Ampel-Koalition in der Vorwoche am gestrigen Mittwoch den jährlichen Rentenversicherungsbericht und den alle vier Jahre erscheinenden Alterssicherungsbericht über die finanzielle Lage der Senioren in Deutschland beschlossen. Die Prognosen des 108-seitigen Rentenversicherungsberichts erstellte das zuständige Bundesarbeitsministerium (BMAS) angesichts der aktuellen politischen Unsicherheit auf der Grundlage von zwei möglichen Szenarien.
Laut der ersten Vorausschätzung auf der Basis der aktuellen Gesetzeslage bleibt der Rentenbeitrag noch bis zum Jahr 2027 stabil und steigt ab 2028 zunächst auf 19,8 Prozent, ab 2030 auf 20,0 Prozent. “Zum Ende des Vorausberechnungszeitraums im Jahr 2038 liegt er bei 21,4 Prozent”, heißt es in dem Bericht. Eine zweite - nach aktueller Einschätzung der Deutschen Rentenversicherung (DRV) eher unwahrscheinliche - Prognose zur Finanzentwicklung in den Rentenkassen geht davon aus, dass das heftig umstrittene Rentenpaket II doch noch beschlossen wird. In diesem Fall würde der Beitragssatz zur Rentenversicherung bereits 2027 und 2028 jeweils leicht steigen und nach 20,4 Prozent im Jahr 2030 in den Folgejahren bis auf 22,3 Prozent in 2028 steigen, heißt es.
Ebenfalls auf tönernen Füßen stehen aufgrund der unsicheren politischen Perspektiven die BMAS-Berechnungen zur Entwicklung des Rentenniveaus. Laut Beschluss des Ampel-Kabinetts vom Mai dieses Jahres soll das Sicherungsniveau der Renten neuer Rentenbezieher nach 45 Jahren Arbeit zum Durchschnittsverdienst bis 2039 bei 48 Prozent stabil bleiben. Eine solche Entwicklung scheint nach Angaben der Rentenversicherung “derzeit aber unwahrscheinlich”, erklärte der alternierende Bundesvorstandsvorsitzende der Deutschen Rentenversicherung, Alexander Gunkel, am Mittwoch in Würzburg. Eher müssen sich die künftig jährlich rund eine Million Neurentnerinnen und -rentner darauf einstellen, dass das Rentenniveau bis 2038 um bis zu knapp drei Prozentpunkte (auf 45,2 Prozent) sinkt. Ein Szenario, das die SPD laut Aussagen von Bundeskanzler Olaf Scholz in seiner gestrigen Regierungserklärung in jedem Fall vermeiden will.
Gute Aussichten für heutige Rentner
Deutlich günstiger sind nach Angaben der Bundesregierung die Perspektiven der mehr als 23 Millionen Menschen, die bereits heute eine gesetzliche Rente oder andere Alterseinkünfte beziehen. Wie aus dem neuen Alterssicherungsbericht der zerbrochenen Regierungskoalition hervorgeht, “ist die heutige Rentnergeneration überwiegend gut abgesichert”. Das durchschnittliche Haushaltsnettoeinkommen älterer Paare habe 2023 bei monatlich 3.759 Euro gelegen, heißt es in dem 283-seitigen Bericht. Bei alleinstehenden Männern seien es 2.213 Euro, alleinstehende Frauen hätten mit 1.858 Euro “ein im Durchschnitt geringeres Einkommen”.
Die Entwicklung der Alterseinkommen habe in den letzten Jahren mit der Preisentwicklung “Schritt halten” können, zeigt sich die Regierung zufrieden. Die monatlichen Haushaltsnettoeinkommen der 65-Jährigen und Älteren betrugen dem Bericht zufolge 2023 im Durchschnitt 2.769 Euro und “sind damit um etwa 25 Prozent höher als 2019” - dem maßgeblichen Jahr für den vorherigen Alterssicherungsbericht. Obwohl die Preise für die Lebenshaltung im gleichen Zeitraum aufgrund der zeitweise hohen Inflation ebenfalls stark gestiegen seien, zeige sich “im Durchschnitt ein realer Einkommenszuwachs”. Neben hohen Rentenanpassungen und mehr eigenen Altersbezügen von Frauen sei der “Einkommenszuwachs Älterer auch darauf zurückzuführen, dass vermehrt Erwerbseinkommen im Alter erzielt werden”, räumt die Regierung ein.
So seien im Jahr 2023 rund 1,7 Millionen Seniorinnen und Senioren im Alter von 65 Jahren und älter erwerbstätig gewesen. In der Altersgruppe der 65- bis 69-Jährigen habe sich die Erwerbstätigenquote von knapp fünf Prozent im Jahr 2000 “auf etwa 21 Prozent im Jahr 2023 mehr als vervierfacht”, heißt es in dem Bericht zufrieden. Durch den weiteren Anstieg der Regelaltersgrenze bis zum 67. Lebensjahr im Jahr 2031, den Wegfall der Hinzuverdienstgrenzen auch bei vorgezogenen Altersrenten (seit 2023) und die - jetzt vermutlich bedeutungslosen - rentenpolitischen Maßnahmen der Ampel-Koalition sei “zu erwarten, dass sich die bisherige Entwicklung auch in Zukunft fortsetzen wird”, schreibt die Bundesregierung.
