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Die Zinsen sind gestiegen – auch bei meiner Lebensversicherung?

Jahrelang warfen Lebensversicherungen und private Rentenversicherungen nur magere Zinsen ab. Geht’s nun nach der Zinswende wieder aufwärts? Was der Klassiker der Altersvorsorge bringt.

Mann tippt auf Taschenrechner und prüft Rechnungen für die Steuer. Bild: IMAGO / Panthermedia / Andriy Popov

© Nicht definiert

Es geht um viel Geld, oft um Zehntausende Euro mehr oder weniger bei der zusätzlichen Altersvorsorge. Millionen Menschen in Deutschland haben jahrzehntelang Beiträge in eine Kapital-Lebensversicherung oder private Rentenversicherung eingezahlt. Und haben sich jahrelang darüber geärgert, wenn sie ihrer “Standmitteilung” Jahr für Jahr entnehmen konnten, dass längst nicht mehr das am Ende herauskommen wird, was ihr Versicherer einst versprochen hat. Nun aber sind die Zinsen endlich wieder gestiegen. Wird deshalb für die Versicherten jetzt alles wieder besser?  Ein Wegweiser.

Für wen die Verzinsung besonders wichtig ist

Kapital-Lebensversicherungen und private Rentenversicherungen sind in Deutschland noch immer weitverbreitet. Nach Angaben des Branchenverbands GDV gibt es in Deutschland noch immer mehr als 35 Millionen klassische Lebens- und private Rentenversicherungen, die nicht auf Investmentfonds basieren, darunter 5,4 Millionen Riester-Rentenverträge. Nicht wenige Kunden oder Kundinnen haben sogar mehr als einen solchen Vertrag, oft auch über die betriebliche Altersversorgung als sogenannte Direktversicherung. Während bei einer Kapital-Lebensversicherung der Anbieter das Geld an den Kunden bei Ablauf normalerweise auf einen Schlag auszahlt, gibt es bei einer Rentenversicherung typischerweise eine lebenslange Rente. Entscheidend dafür, was am Ende herauskommt, ist bei beiden Varianten der Garantiezins und die Gesamtverzinsung des Vertrags. Haben Sie einen solchen Vertrag, lohnt es sich, einmal genauer darauf zu schauen. 

Wie Lebensversicherer Zinsen zahlen

Die Verzinsung beruht im Prinzip auf zwei Bausteinen: dem Garantiezins, den die oder der Versicherte auf jeden Fall erhält, und einem variablen Anteil, bekannt als Überschüsse. Das sind vor allem die Erträge, die der Versicherer am Kapitalmarkt erwirtschaftet und über das hinausgehen, was den Kunden als Garantie zugesagt wurde. Ein Teil der Überschüsse wird laufend ausgezahlt, ein weiterer Teil bei Ablauf des Vertrags. Das ist der sogenannte Schlussüberschuss, der auch eine Beteiligung an den sogenannten Bewertungsreserven des Versicherers beinhaltet. Wichtig für Sie dabei zu wissen: Die Garantiezinsen gibt’s nur für den Sparanteil. Das ist der Betrag, der nach Abzug von Abschlussprovision, Verwaltungskosten und Kosten für den Schutz der Hinterbliebenen übrigbleibt. Bei Kapital-Lebensversicherungen ist eine Todesfallsumme vereinbart, die der Partner oder die Partnerin oder die Kinder erhalten, sollte der Versicherte vor der geplanten Auszahlung der Police sterben. 

Ein vereinfachtes Beispiel: Sie zahlen 100 Euro im Monat ein, alle Kosten zusammengerechnet belaufen sich im Durchschnitt auf zehn Euro. Dann werden Ihnen nur 90 Euro verzinst. “Leider bleibt für die Kunden völlig unklar, wie viel von ihren Beiträgen für die diversen Kosten tatsächlich draufgehen”, sagt Philipp Opfermann, Versicherungsexperte der Verbraucherzentrale Nordrhein-Westfalen. Auch deshalb sei ungewiss, wie viel die oder der Versicherte am Ende wirklich herausbekommt.

Wie sich der Garantiezins entwickelt hat

Jahrelang ging es mit den Zinsen bergab. Der Garantiezins fiel von 4,0 Prozent in der zweiten Hälfte der 1990er-Jahre bis auf derzeit 0,25 Prozent. Nachdem sich die Zinsen nach den Zinserhöhungen der Notenbanken seit Mitte 2022 wieder aufwärts bewegten, wird der Garantiezins 2025 auf 1,0 Prozent erhöht.

So hoch ist die Verzinsung bei den einzelnen Versicherern

Der Marktführer Allianz etwa bietet für klassische Lebensversicherungen mit fester Garantie von 2024 an eine laufende Verzinsung von 2,7 Prozent. Im Vorjahr waren es noch 2,5 Prozent. Obendrauf kommt die Überschussbeteiligung, macht eine Gesamtverzinsung von 3,5 Prozent. Davon sind allerdings noch Kosten abzuziehen, diese entsprechen nach Angaben der Allianz durchschnittlich einem Prozentpunkt bei der Rendite, ergibt unterm Strich etwa 2,5 Prozent. 

Auch zahlreiche andere Versicherer haben ihre laufende Verzinsung für Lebensversicherungen und private Rentenversicherungen in diesem Jahr erhöht, wie zum Beispiel die Anbieter Alte Leipziger, Continentale, Ergo, Debeka, Europa, Gothaer, Lebensversicherung von 1871, Nürnberger oder R+V. Nach Angaben der Ratingagentur Assekurata beläuft sich 2024 im Neugeschäft die durchschnittliche Verzinsung für Kapital-Lebensversicherungen auf 2,61 Prozent, für private Rentenversicherungen auf 2,46 Prozent, nach 2,31 beziehungsweise 2,26 Prozent im Vorjahr. 

Warum es wichtig ist, zwischen Alt- und Neukunden zu unterscheiden

Wenn Sie ein Altkunde oder eine Altkundin sind, profitieren Sie von der damals noch hohen Garantieverzinsung. Bei Verträgen, die zwischen Juli 1994 und Ende Juni 2000 abgeschlossen wurden, gab es sogar 4,0 Prozent. Diese Garantie müssen die Versicherer bis heute erfüllen, notfalls mit Rücklagen, der sogenannten Zinszusatzreserve. Aus diesem Topf werden die alten Verträge sozusagen bezuschusst. 

Das geht aber auf Kosten der Kunden mit neuen Verträgen und viel niedrigeren Garantiezinsen, für sie bleibt von der Überschussbeteiligung weniger übrig. Auch deshalb waren und sind die Renditen für Neukunden nach Abzug von Kosten häufig äußerst niedrig oder sogar negativ. Klassische Verträge waren deshalb im Neugeschäft weniger gefragt. Verkauft wurden vor allem fondsgebundene Lebens- und Rentenversicherungen.

Wie Versicherte vom Zinsanstieg profitieren

Die Versicherer haben den Großteil der Beiträge zu festen Zinsen angelegt, meist in Anleihen. Die gestiegenen Zinsen für Anleihen helfen nun den Versicherern, ihre Garantien leichter zu erwirtschaften und mehr Überschüsse zu bilden. Die Kunden und Kundinnen profitieren davon aber erst nach und nach, weil die Versicherer die neuen Anleihen mit höheren Zinskupons ja erst kaufen müssen. Die niedriger verzinsten Altanleihen halten sie in der Regel bis zum Ende der Laufzeit. Sie vorher zu verkaufen, würde ihnen Verluste bescheren, weil diese Altanleihen wegen des Zinsanstiegs an Wert verloren haben. 

Jörg Asmussen, Chef des Branchenverbands GDV, sieht aber schon die Trendwende: Die gestiegenen Zinsen kämen bereits in diesem Jahr über eine höhere Überschussbeteiligung bei den Kunden an, sagt er. Bleiben die Zinsen so hoch, könnte das Geld aus auslaufenden und eher niedrig verzinsten Anlagen “zu höheren Zinsen neu angelegt werden. Die Überschüsse steigen dann noch weiter”. Und von 2026 an erwartet der GDV “eine Auflösung von Teilen der Zinszusatzreserve, was die Ertragslage und Überschüsse der Lebensversicherer nochmals verbessern dürfte”. 

Sind Sie ein Kunde mit einem alten Vertrag und relativ hohen Garantiezinsen, die über der Gesamtverzinsung ihres Versicherers liegen, haben Sie von den höheren Zinsen allerdings derzeit nichts. “Diese Kunden bekommen nichts obendrauf”, sagt Verbraucherschützer Opfermann.

Weshalb die Prognosen der Versicherer mit Vorsicht zu betrachten sind

Die Stiftung Warentest stellt fest: “Die Leistungen, die viele Kunden bei Ablauf ihrer Kapital-Lebensversicherung oder privaten Rentenversicherung erhalten, sind oft erheblich geringer, als bei Vertragsbeginn vom Versicherer mitgeteilt.” Die Stiftung hatte bereits 2016 fast 100 Verträge untersucht. Ergebnis: “Zwischen den Leistungen, die Versicherer bei Vertragsabschluss in Aussicht gestellt hatten, und der tatsächlichen Leistung bei Vertragsablauf klaffen oft erhebliche Lücken.” 

Die Stiftung kritisiert “utopische Überschussangaben und unrealistische Informationen der Versicherer über die Ablaufleistungen”. Im schlimmsten Fall sei gerade einmal halb so viel herausgekommen wie einst hochgerechnet. Demnach können die prognostizierten Leistungen und der spätere Auszahlungsbetrag um mehrere zehntausend Euro voneinander abweichen.

Warum es sich lohnen kann, alte Verträge zu behalten

Die Stiftung Warentest rät, Altverträge durchzuhalten. Das hat mehrere Vorteile:

  • Die Kunden können von den höheren Garantiezinsen profitieren.
  • Ist der Vertrag mit einer Berufsunfähigkeitsversicherung verbunden, sollten Versicherte diesen Zusatzschutz nicht einfach aufgeben. 
  • Die Abschlusskosten sind bezahlt, die Kunden können am Vertragsende vom Schlussüberschuss profitieren. 
  • Und es gibt einen gewaltigen Steuervorteil: Wird das Geld am Ende auf einen Schlag ausgezahlt, ist dies steuerfrei, wenn die Police vor 2005 unterzeichnet wurde und der Vertrag mindestens zwölf Jahre gelaufen ist. Die Stiftung warnt daher: “Lassen Sie sich von unseriösen Vermittlern nicht drängen, vorzeitig zu kündigen.”

Was man mit neuen Verträgen tun kann

Für Kapital-Lebensversicherungen, die von 2005 an abgeschlossen wurden, gilt das Steuerprivileg nicht mehr. Kunden müssen aber nur die Hälfte der Auszahlung versteuern, wenn der Vertrag mindestens zwölf Jahre gelaufen ist und ein paar andere Bedingungen erfüllt sind. Ungewiss ist, ob sich die Gesamtverzinsung wirklich langfristig wieder besser entwickelt. Derzeit sinken die Zinsen an den Kapitalmärkten ja schon wieder. Versicherungsexperte Philipp Opfermann rät deshalb, gerade bei solchen Policen darauf zu schauen, ob der Vertrag noch passt und sich rechnet. Falls Sie in irgendeiner Form aussteigen wollen, haben Sie bis zu fünf Möglichkeiten: 

  1. Die Versicherung verkaufen
  2. Die Versicherung beleihen
  3. Den Vertrag beitragsfrei stellen
  4. Den Vertrag kündigen.
  5. Viele Lebens- und Rentenversicherungsverträge lassen sich nach Angaben der Verbraucherzentrale NRW außerdem widerrufen, also komplett rückabwickeln. “Vor einer Entscheidung sollte man sich aber unbedingt unabhängig beraten lassen”, empfiehlt Opfermann.

Wo es unabhängige Hilfe gibt

Wer wissen will, ob die Ablaufleistung seiner Police plausibel ist oder seinen Vertrag womöglich ändern will, kann den Vertrag von der Verbraucherzentrale Hamburg überprüfen lassen. Die Prüfung kostet 100 Euro. Das Formular können sich Interessierte auf der Website der Verbraucherzentrale Hamburg (VZ) herunterladen. Von der VZ gibt es dann einen Beratungsbrief mit konkreten Empfehlungen und rechtlichen Hinweisen. Laut der Verbraucherzentrale wird die Prüfung allerdings etwa drei Monate dauern.

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