Ich bin nicht so gut im Rechnen wie Bernhard, aber zur Abschätzung der Versorgungslücke würde ich etwa wie folgt vorgehen.
• Man nehme aus der Renteninformation die Monatsrente, die man heute schon erreicht hat (die ist ziemlich sicher, jedenfalls sofern die enthaltenen Entgeltpunkte auf eigener Beitragszahlung beruhen) und die Monatsrente, die man laut Hochrechnung bei Renteneintrittsalter erreicht haben wird (das ist eine Prognose mit einigen Unwägbarkeiten). Wer für sich das Risiko sieht, vor der Rente einige Jahre arbeitslos zu sein, sollte dann als realistischen Wert irgendetwas zwischen den beiden Zahlen nehmen. Wer glaubt, noch große Gehaltssteigerungen (höher als die Inflation) vor sich zu haben, kann einen höheren Wert nehmen. Die Prognose beruht meines Wissens auf dem Durchschnittsverdienst der letzten 5 Jahre, da weiß man selber besser, wie diese 5 Jahre einzuordnen sind und wie man seine eigene berufliche Zukunft abschätzt.
• Als nächstes müßte man von dem ermittelten Monatsrentenwert die Inflation abwerten und die zukünftigen Rentensteigerungen (wir wissen ja, wie toll diese in den letzten Jahren ausgefallen sind) aufwerten. Ich würde davon ausgehen, daß in den nächsten Jahrzehnten die Rentensteigerungen geringer ausfallen als die Inflation, also müßte man vielleicht mind. ein paar Prozentpunkte für den schleichenden Inflationsverzehr der zukünftigen Renten abziehen, z.B. 10%. Damit hat man dann die Kaufkraft der zukünftigen Bruttorente abgeschätzt.
• Von dieser Brutto-Rente gehen jetzt noch Krankenkassen- und Pflegeversicherungsbeiträge ab. Derzeit muß von der gesetzlichen Rente nur der halbe Beitragssatz bezahlt werden, aber ob das so bleibt? Ich würde vorsichtshalber mit dem vollen Beitragssatz rechnen (wie heute schon auf alle Betriebsrenten), der in den nächsten Jahren sicher weiter steigen wird. Also mind. 15%, eher vielleicht 20% hierfür rechnen.
• Dann muß die Rente zukünftig auch noch versteuert werden. Der Besteuerungsanteil richtet sich nach dem Renteneintrittsjahr. Es gibt immerhin noch ein steuerfreies Existenzminimum von derzeit 7664 € im Jahr (hoffentlich wird das zukünftig auch entsprechend der Inflation angehoben, wieso erfolgt das eigentlich nicht automatisch jedes Jahr?), und KV- und PV-Beiträge dürften steuerfrei sein. Aber darüber schlägt die Steuer zukünftig zu (sehr viele Abzugsmöglichkeiten dürfte man als Rentner wohl nicht mehr haben).
• Nach Abzug auch der geschätzten Steuer hat man ungefähr den Nettobetrag der zukünftigen Rente und kann die klaffende Lücke zum aktuellen Nettoeinkommen bewundern.
In dieser Abschätzung stecken viele Unwägbarkeiten. Noch gar nicht berücksichtigt ist die Wirkung von möglichen zukünftigen Rentenreformen, die das Niveau noch weiter drücken könnten. Auch nicht berücksichtigt sind Rentenabschläge, wenn man vor dem offiziellen Renteneintrittsalter in Rente gehen will oder muß (etwa durch Arbeitsagentur erzwungen). Mein persönliches "best case" - Szenario ist, daß ich in heutiger Kaufkraft netto ca. 85% der Rente erhalte, die mir die Renteninfo prognostiziert (wohlgemerkt die niedrigste Zahl der Renteninfo, nicht die mit 1,5% oder 2,5% aufgewertete), mein "worst case" - Szenario ist netto etwa 50% der Prognose. Es hängt natürlich auch davon ab, wie viele Jahre man bis zur Rente noch hat und wie stark Inflation und Rentenreformen noch zuschlagen können. Es könnte ja auch passieren, daß wir einen dramatischen Wirtschaftsaufschwung bekommen, die Staatsverschuldung in Nullkommanichts abzahlen und schöne Rentensteigerungen für die immer mehr werdenden Rentner zahlen können - aber ich glaube nicht daran.
Bernhard hat hier mal überzeugend dargestellt, daß es prinzipiell nicht möglich ist, die zu erwartenden Versorgungslücken mit gering-rentierlichen Sparformen aufzufüllen. Man müßte dann einen viel zu großen Anteil seines Einkommens sparen.
Für mich habe ich z.B. abschätzt, daß auch 10% meines jetzigen Nettoeinkommens, in Riesterrenten angelegt, nur ein Tropfen auf den heißen Stein wären. Mindestens 10% des Nettoeinkommens (besser wäre noch des Bruttoeinkommens, aber wer schafft das schon) zu sparen ist sinnvoll, aber die Rendite der Anlage muß mindestens 8-10% betragen (nach Steuern), wenn man die Versorgungslücke damit wirklich füllen will (zu der Meinung bin ich gelangt, nachdem ich für meine Situation ein bißchen herumgerechnet habe). Und das geht mit keiner staatlich geförderten Vorsorge. Auch in den Medien oft präsente Rentenexperten wie Rürup, Raffelhüschen, Sinn etc. empfehlen meines Wissens so 8-10% Sparbetrag (des Bruttoeinkommens). Leider habe ich noch wenig von diesen Rentenexperten dazu gehört, daß die niedrigverzinsten Riesterverträge etc. keineswegs ausreichen.