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Große Unsicherheit bezüglich LTA-Antrag

von Marina07.06.2017 | 20:43
1348 Ansichten
8 Antworten

Fragen beantworten Expertinnen und Experten der Deutschen Rentenversicherung.

Hallo! Ich bin Anfang 40, seit zwei Jahren diagnostizierte Asperger-Autistin mit einer generalisierten Angststörung und einer Anpassungsstörung und mir wurde nun seitens des Jobcenters (bzw. des Gutachters des ÄD der AfA) nahegelegt, LTA zu beantragen. Ich habe aber Angst davor, denn ich weiß nicht, was mich da erwartet und bin mit dem Ganzen momentan völlig überfordert. Eine Umschulung/Ausbildung kommt für mich nicht infrage, da ich dann in ein Internat eines BFWs müsste (es gibt keine Möglichkeit, vor Ort eine Ausbildung/Umschulung zu machen), was ich aber wegen des Asperger-Syndroms in Verbindung mit der Angststörung und der Anpassungsstörung nicht kann (würde mich völlig überfordern und meine Erkrankung nur verschlimmern). Ich seh mich auch in keiner Weise fähig, 8 Stunden am Tag zu arbeiten, ich würde höchstens vier Stunden schaffen und das auch nur an einem Arbeitsplatz, der genau auf meine Bedürfnisse abgestimmt ist (sieht der Gutachter vom ÄD leider anders, Gutachten wurde nach Aktenlage erstellt). Ich bin im Grunde mit dem normalen Alltag (einkaufen, putzen, kochen und Co.) völlig ausgelastet und heilfroh, dass ich das noch halbwegs auf die Reihe kriege. Ich bin unter Anderem deswegen auch schon seit über einem Jahr beim ambulant betreuten Wohnen. Auch ist der Arbeitsmarkt hier mehr als nur schlecht. Eine Stelle zu finden, die für mich passt, ist so gut wie unmöglich. Das sieht auch meine SB vom JC so, die ist völlig planlos und weiß nicht, was sie mit mir machen soll. Ich versuche schon seit vielen Jahren, einen Arbeitsplatz zu finden, bin aber aufgrund meiner großen Probleme im zwischenmenschlichen Bereich immer wieder an den Vorstellungsgesprächen gescheitert. Habe mich jahrelang nur von einer sinnlosen Massnahme zur nächsten gehangelt, wodurch mein Lebenslauf eine einzige Lücke ist. Zudem habe ich weder eine Ausbildung gemacht, noch habe ich einen Führerschein. Das Fahren mit dem ÖPNV ist für mich auch nur eingeschränkt möglich, da mich die vielen Reize dabei überfordern. Kurzum: So jemanden wie mich würde doch eh niemand einstellen. Was würde mir eine LTA denn dann überhaupt bringen? Ich weiß nur von Ausbilung/Umschulung und einem Zuschuss für potentielle Arbeitgeber. Was gibt es da sonst noch? Ist es überhaupt sinnvoll, LTA zu beantragen oder wird das in einem Fall wie dem meinen eh abgelehnt? Sorry, falls das dumme Fragen sein sollten, aber ich bin wie gesagt mit dem Ganzen momentan völlig überfordert und habe echt Angst vor dem Ganzen. Liebe Grüße Marina

8 Antworten

W*lfgangam 07.06.2017 | 21:56
Hallo Marina, ob es was bringt oder nicht, ist zunächst nicht die Frage. Zunächst ist es aus Behördensicht/JC zu betrachten: hat das JC die LTA nur 'gesprächsweise angeregt', oder Sie dazu schriftlich aufgefordert bzw. eine Eingliederungsvereinbarung mit diesem Inhalt geschlossen? Wenn es dazu Schriftliches gibt, sind Sie verpflichtet dieser Aufforderung nachzukommen. Das JC gewährt Ihnen Leistungen zu deren Bedingungen, halten Sie die pflichtwidrig nicht ein, kann es zu Kürzungen bis hin zum Leistungsentzug führen. Ob aus dem LTA-Antrag dann überhaupt was wird/genehmigt wird, steht auf einem anderen Blatt. Die Sozialmediziner der DRV haben nicht unbedingt die gleiche Sichtweise, wie der ÄD der AFA ;-) Und in den LTA-Antrag können Sie dann alle Bedenken, die Sie hier geäußert haben, mit reinschreiben. Nebenbei, Ihre Darstellung hört sich eher nach einer möglichen Erwerbsminderung (EM) in Richtung Rente an ...dem widerspricht allerdings, dass das JC Sie zum EM-Antrag bisher noch nicht aufgefordert hat - weil wohl die bisher dazu erstellten Prognosen zu einer möglichen vollen EM noch zu 'dünn' scheinen (deswegen ja auch Richtung LTA). Sie können sich dazu natürlich auch vor Ort in Ihrer nächsten Beratungsstelle DRV oder Rathaus/Versicherungsamt noch mal Rat holen, da kann man die individuelle Datenlage besser beurteilen. Gruß w.
Marinaam 07.06.2017 | 22:10
Ich habe mir bereits zwei WfbM angesehen, aber da hat mich allein die Besichtigung schon völlig überfordert, weil es dort sehr laut und hektisch war und ich zudem mit dem z.T. seltsamen Verhalten der Menschen dort nicht klarkomm. Bei der einen WfbM waren z.B. mehrere Leute, die einen immer angrabbeln und umarmen wollten, so etwas geht bei mir gar nicht.
KSCam 07.06.2017 | 21:46
Was wäre denn die Alternative? Entweder Sie finden mit oder ohne LTA einen passenden Job oder Sie sind weiterhin Kunde des Jobcenters. Wenn Sie glauben gar nicht mehr arbeiten zu können, könnten Sie auch versuchen die EM rente zu beantragen. Nur wenn Ihr Leben "eine einzige Lücke" ist wird da auch nicht viel rumkommen, selbst wenn Sie erwerbsgemindert sind. Dann fällt mir noch die Werkstätte für behindert Menschen ein......
Marinaam 07.06.2017 | 22:24
Zitat von W*lfgang anzeigen
Bisher habe ich dazu noch nichts schriftliches erhalten, aber das wird wohl noch kommen. Ich hatte eigentlich erwartet, dass man mich zu einen EM-Rentenantrag auffordern würde, aber das sah der Gutachter ja anders. Warum und wieso er zu dem Entschluss gekommen ist, ich sei voll erwerbsfähig, erschließt sich weder mir, noch meinem Psychiater (der mich übrigens nicht für erwerbsfähig hält und über die Entscheidung des Gutachters nur den Kopf geschüttelt hat). Er meinte auch schon, ich solle einfach einen EM-Rentenantrag stellen. Ich hab nur Angst, dass man mich dann zu einer Reha schicken will. Da käme bei mir nämlich das gleiche Problem wie mit einem Internat zum Tragen. Immerhin meinte mein Psychiater schon, dass er mich in dem Fall sofort Reha-unfähig schreiben würde, da er der Meinung ist, dass das meine Erkrankung auf keinen Fall verbessern, sondern nur verschlimmern würde. Aber das würde das Ganze ja höchstens hinauszögern und mehr nicht. Um eine Reha käme ich auf Dauer wohl nicht herum.
KSCam 07.06.2017 | 22:31
So wie Sie sich darstellen werden Sie keine reguläre Arbeit finden. Das klingt stark nach schwerer Erkrankung die auf die Rente rausläuft, wenn die Ärzte Ihnen nicht helfen können.
Marinaam 07.06.2017 | 22:38
Das habe ich schon befürchtet. Dann sollte ich wohl zusehen, dass ich mir einen Termin bei einer Beratungsstelle hole und einen Rentenantrag stelle. Danke für die Hilfe!
=//=am 08.06.2017 | 13:14
Folgende Fragen bitte ich noch zu beantworten: 1) Für LTA durch die DRV brauchen Sie 180 Monate = 15 Jahre BEITRAGSZEITEN. Haben Sie diese Wartezeit erfüllt? Wenn nicht, ist das JC zuständig. Die SB dort sollte das eigentlich wissen (und prüfen, bevor sie jemanden zur DRV schickt). 2) Offensichtlich hält man Sie beim JC noch für fähig, mehr als 15 Stunden pro Woche arbeiten zu können. Wurden in den letzten 5 Jahren überhaupt mindestens 36 Pflichtbeiträge zur gesetzlichen Rentenversicherung entrichtet? Vielleicht besteht wegen Nichterfüllung dieser Voraussetzungen gar kein Rentenanspruch. Stellen Sie einen RENTENANTRAG., wenn Sie sich für erwerbsgemindert halten. SIm Rentenverfahren wird vom Sozialmedizinischen Dienst geprüft, ob a) Erwerbsminderung vorliegt, oder b) eine medizinische Reha-Maßnahme oder c) eine berufliche Reha-Maßnahme durchzuführen ist. Sollte durch den RV-Träger festgestellt werden, dass Sie voll erwerbsgemindert sind, aber die versicherungsrechtlichen Voraussetzungen für eine EM-Rente nicht erfüllen, könnten Sie evtl. Anspruch auf Grundsicherungsleistungen haben. Das JC wäre dann nicht mehr für Sie zuständig. Weshalb Sie so eine große Aversion gegen eine WfB haben, kann ich nicht ganz nachvollziehen. Das ist nun mal kein normaler Arbeitgeber und wie der Name sagt, arbeiten dort "Behinderte". Nur von einer einmaligen Besichtigung einer WfB sollten Sie sich nicht gleich ein negatives Bild machen. Ich kenne einige Versicherte, die froh sind, dort im gemäßigten Rahmen ohne Arbeitsdruck arbeiten zu können. Das tut auch dem Selbstwertgefühl ganz gut, noch "irgendwie" gebraucht zu werden. Wenn Sie nicht "angegrabscht und umarmt" werden möchten, sagen Sie das doch einfach, möglichst schon im Eingangsgespräch. Also - als nächstes vereinbaren Sie einen Termin zur Rentenantragstellung in Ihrem Rathaus oder direkt bei einer Außenstelle der zuständigen DRV, fügen möglichst viele aussagekräftige ärztliche Unterlagen bei - dann sehen Sie weiter. Sich vorher verrückt zu machen, bringt Ihnen gar nix! :-)
Bergeram 08.06.2017 | 23:42
Hallo, Maria, ich denke einen EM-Antrag stellen wäre wichtig. Danach nicht auf LTA in WfbM einlassen! Aus Erfahrung ruht der Renten-Antrag und man sitzt in der Falle. Es wird alles versucht um jeden Menschen so lange, wie möglich in LTA oder Wfbm zu halten ohne EM-Rente. Für den Betroffenen ist das ein riesiger Streß, gerade junge Asperger haben darunter sehr zu leiden, weil keiner Ahnung von der Einschränkung hat.Herzliche Grüße Berger
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