Hallo Bernhard,
Ihr Beitrag ist mal wieder klasse.
Eigentlich müßte sich doch anhand der gesetzlichen Grundlagen leicht objektiv feststellen lassen, ob Ihre Aussage stimmt, daß die Renten dem Inflationsverzehr preisgegeben werden, oder ob die Aussagen der Experten stimmen, daß die Renten den Lohnsteigerungen der Arbeitnehmer folgen.
Unter
http://www.rententips.de/gesetze/06/index.php?norm_ID=0606800 habe ich den von Ihnen genannten Gesetzestext gefunden. Die Formel für die jährliche Rentenanpassung ist ja sehr kompliziert und nicht gerade leicht verständlich. Wenn Sie mal Lust und Zeit haben: könnten Sie die Wirkung dieser Formel allgemeinverständlich erklären?
neuer Rentenwert (= Wert für einen Entgeltpunkt)
= alter Rentenwert
mal Lohnsteigerung der Arbeitnehmer (bei z.B. 2% Lohnsteigerung = 1,02)
mal Rentenbeitragssatzfaktor
mal Nachhaltigkeitsfaktor
Soviel habe ich begriffen: im Prinzip steigt der aktuelle Rentenwert jedes Jahr im gleichen Verhältnis, in dem die Löhne im vergangenen Jahr gestiegen sind (wenn diese überhaupt gestiegen sind). Aber es gibt zwei Faktoren, die diesen Anstieg verkleinern.
Zum einen verringert sich der Anstieg, wenn die Beitragssätze der Arbeitnehmer für die Rentenversicherung gestiegen sind (wobei der genaue Zusammenhang mir noch nicht klar ist).
Zum anderen verringert sich der Anstieg, wenn das Verhältnis von Rentnern zu Arbeitnehmern sich verschlechtert – das ist der berüchtigte Nachhaltigkeitsfaktor.
Ich weiß nicht, ob man vereinfacht die Formel für 30 Jahre auf einmal ausrechnen kann, statt für jedes Jahr einzeln, Ich habe dies mal versucht: wenn sich das Verhältnis von Rentnern zu Arbeitnehmern von 1:2 (so in etwa soll es ja heute sein), in 30 Jahren auf 2:1 umkehrt, dann komme ich auf einen Nachhaltigkeitsfaktor von 0,25.
Angenommen, die Löhne der Arbeitnehmer haben sich in 30 Jahren verdoppelt und damit etwa eine Inflation von 2% ausgeglichen ohne realen Lohnzuwachs.
Dann beträgt der Lohnfaktor 2 und der Nachhaltigkeitsfaktor 0,25, zusammen 0,5. Damit würden die Renten gegenüber heute auf den halben Wert sinken, d.h. es wird durch den Nachhaltigkeitsfaktor nicht nur der Anstieg der Renten gegenüber der Lohnsteigerung begrenzt, sondern er greift auch in die Substanz. Ich hoffe, ich habe keinen Denkfehler gemacht.
Eine Begrenzung nach unten sehe ich in der Formel in der Tat nicht. Es gibt auch – in dieser Formel - keinen Zusammenhang zwischen gezahlten Beiträgen und geleisteter Rente. Es gibt nur über die Entgeltpunkte den Zusammenhang, daß jemand, der doppelt so viele Punkte hat wie ein Standardrentner, auch doppelt so viel Rente erhält – genau das sagen Sie ja. Nirgendwo steht, daß die Standardrente nicht zukünftig bei 100€ (statt rund 1000€ wie heute) liegen dürfte, wenn sich das durch die Formel eben so ergeben würde.
Überhaupt habe ich den Eindruck, daß die Höhe der jährlichen Rentenanpassung letztlich eine rein politische Entscheidung ist. Wenn das Ergebnis der Formel politisch nicht paßt, wird die Formel halt verändert oder es werden zusätzliche Gesetze erlassen, wie in den vergangenen Jahren mehrfach geschehen.
Man kann eigentlich nur darauf hoffen, daß die zukünftige Mehrheit der Bevölkerung, die Rentner, durch ihre Wahlentscheidungen verhindern, daß die Rente immer weniger wert ist.
Gruß,
Maria L.