München (tö). Kriminelle, die an persönliche Bankdaten herankommen wollen, lassen sich bei ihren Beutezügen inzwischen auch von künstlicher Intelligenz (KI) helfen. Nach Angaben des deutschen Bankenverbands nutzen die Finanzgauner zum Beispiel Sprachprogramme, die mithilfe von KI sogenannte Phishing-Mails korrigieren, “so dass es für den Empfänger noch schwieriger wird, deren Echtheit zu erkennen”. Wie die Postbank berichtet, melden sich Betrüger auch per Telefon mit einer Stimme, die ein Computer mittels KI erzeugt hat. “Diese ist zunächst einmal nicht von einer echten Stimme zu unterscheiden, kann in jeder beliebigen Landessprache kommunizieren und reagiert sogar auf Antworten des Gesprächspartners”, so das Kreditinstitut.
Laut Bankenverband sollen Verbraucherinnen und Verbraucher mit Fake-Sprachnachrichten wie “Ich hatte einen Auto-Unfall, Du musst mir Geld überweisen” oder “Ihr Konto ist gehackt worden” dazu verleitet werden, Daten herauszugeben oder gar direkt Geld an die Kriminellen zu überweisen: Es könnten sogar selbst Stimmen von Vorgesetzten nachgebildet werden, “um telefonisch einen sehr eiligen und vertraulichen Auftrag für eine Überweisung an Mitarbeitende der Buchhaltung durchzugeben”.
Eine andere beliebte Betrugsmasche: Das Telefon klingelt, es meldet sich jemand, der sich als Mitarbeiter der Hausbank ausgibt, mit dem Hinweis, auf dem Konto des Kunden seien verdächtige Überweisungen registriert worden. Deshalb müsse dieser unverzüglich die Zugangsdaten zu seinem Online-Banking herausgeben und die Stornierung der betrügerischen Überweisungen mit seinem Freigabeverfahren bestätigen. Nur so ließe sich ein großer finanzieller Schaden vermeiden.
Die Verbraucherzentrale Rheinland-Pfalz warnt außerdem vor WhatsApp-Anrufen von unbekannten ausländischen Nummern, etwa aus Indien, zu erkennen an der Ländervorwahl. Die Betrüger lassen das Handy kurz anklingeln, legen dann sofort auf und versuchen so die Angerufenen dazu zu bringen, zurückzurufen. Dabei dürfte es ebenfalls darum gehen, die potenziellen Opfer dazu zu überreden, Geld zu überweisen oder persönliche Daten zu übermitteln. Womöglich versuchen die Betrüger laut der VZ in Mainz auch über in der Nummer versteckte Steuercodes fremde WhatsApp-Konten zu übernehmen.
Was der Bankenverband und die Verbraucherzentrale Bankkunden rät, um sich besser zu schützen:
- Bewahren Sie Ruhe, lassen Sie sich nicht unter Druck setzen und geben Sie niemals persönliche Bankdaten am Telefon preis. Rechnen Sie damit, dass Kriminelle gezielt psychologische Tricks nutzen, damit Sie in Stress geraten und unüberlegt entscheiden.
- Fragen Sie lieber nach der Telefonnummer und versprechen einen Rückruf. So gewinnen Sie Zeit und können die Echtheit des Anrufs überprüfen.
- Bei verdächtigen Nachrichten, die per Mail kommen, sollten Sie die E-Mail-Adresse des Absenders auf Unstimmigkeiten prüfen. Oft werden E-Mail-Adressen verwendet, die sich nur durch ein Zeichen von der echten Adresse unterscheiden. Anhänge und Links in verdächtigen E-Mails oder zweifelhaften WhatsApp-Nachrichten nicht anklicken. Kontaktieren Sie Ihre Hausbank online vorsichtshalber stets über die offizielle Website oder App.
- Anrufe von unbekannten Nummern aus dem Ausland sollten Sie erst gar nicht entgegennehmen, geschweige denn zurückrufen. In den Einstellungen von WhatsApp können Sie unter “Datenschutz” und “Anrufe” die Option “Anrufe von Unbekannt stummschalten” aktivieren und speichern. Dann werden keine Telefonate mehr durchgestellt, wenn die Nummer nicht als Kontakt gespeichert ist.
