Chronische Erschöpfung hat zudem auch einen emotionalen Aspekt: Betroffene ziehen sich häufig zurück, distanzieren sich und können nicht mehr mitfühlen.
Wir haben festgestellt, dass 50 Prozent der Patienten der Orthopädie und Rheumatologie auffällige bis sehr auffällige Werte der vitalen Erschöpfung aufweisen. Das gilt besonders für Fibromyalgiepatienten. Alle Patienten hoben sich deutlich von der gesunden Kontrollgruppe ab.
Alle Patienten waren zu Beginn der Reha vom Fatigue-Syndrom stärker betroffen als die gesunden Befragten. Während der Reha haben sich ihre Werte stark verbessert. Und auch wenn sechs und zwölf Monate später die Erschöpfung wieder zugenommen hat, so ist diese bei keiner der Gruppen wieder auf das Ausgangsniveau angestiegen.
Die Patienten haben also hinsichtlich Müdigkeit, Erschöpfung, Motivation und mentaler Müdigkeit viel erreicht.
Ich bin davon überzeugt, dass dieser ganzheitliche Ansatz Patienten hilft. Eine solche Betreuung erhalten unsere Patienten zuhause nicht.
Wir haben zum Beispiel ursprünglich ein Hochbeet für unsere Patienten mit Rheuma- oder Bandscheibenleiden angelegt. Heute ist es Teil unseres Genusstrainings. Patienten lernen bewusst zu genießen.
Konkret könnte man zum Beispiel im Aufnahmegespräch Fragen stellen, die sowohl die physische, als auch die kognitive und emotionale Erschöpfung berücksichtigen.
Zudem wäre zu überlegen, ob man dann entsprechend die Angebote ergänzt – etwa durch spezielle Einzel- oder Gruppensitzungen zur Behandlung der Erschöpfung, Selbstsicherheits- sowie Problemlösetrainings.
Um den Erfolg der Reha weiter zu stärken, wären auch Nachsorgeangebote denkbar. Das Ziel einer Rehaklinik ist ja immer, die Arbeitsfähigkeit und Teilhabe am sozialen Leben zu stärken.
Vielen Dank für das Gespräch.
