Der unerfreuliche Trend: Wir wissen noch nicht, wo die Reise hingeht. Übergewicht, Bewegungsmangel und Zuckerkrankheit nehmen zu. Fachleute vermuten, dass auch die Herz-Kreislauf-Erkrankungen und Todesfälle in diesem Zusammenhang wieder zunehmen könnten. Diese Faktoren sind lebensstilabhängig, nicht realistisch medikamentös behandelbar. Hier ist eine Änderung des Lebensstils entscheidend.
In der Kardiologie spielt inzwischen der psychische Aspekt eine wachsende Rolle. Viele Patienten sind schwer erkrankt, tragen Geräte wie Defibrillatoren. Viele der schwer Kranken haben früher gar nicht überlebt; heute überleben sie und müssen damit zurechtkommen.
Bei Patienten mit dem Metabolischen Syndrom, Bewegungsmangel und/oder Zuckerkrankheit stellen wir auch eine Verschiebung hin zu jüngeren Jahrgängen fest. Wir mussten jetzt in Roderbirken zwei Ergometer für Patienten über 200 Kilo anschaffen. Unsere regulären Ergometer sind nur bis 140 kg zugelassen. Das sind natürlich Hochrisikopatienten - das wird eine der Herausforderungen der nächsten 40 bis 50 Jahre.
Eine weitere Herausforderung: Viele jüngere Diabetiker mit Herz-Kreislauf-Erkrankungen sind Raucher. In den USA sind es 37 Prozent, bei uns ist es wahrscheinlich ähnlich. Sie benutzen das Rauchen als Appetitzügler, aber das führt natürlich zu einer Akkumulation der Probleme. Auch deshalb widmen wir uns dem Thema Rauchen mit besonderem Engagement.
In dieser Situation ist Beratung durch Telefonate hilfreich – eine Mischung aus Ermunterung und Disziplinierung. Häufig reicht das aus, damit sie sich unterstützt fühlen. Ein dreimonatiges Beratungsprogramm ist dafür sehr kurz. Bei dieser Gruppe wäre oft eine Unterstützung über längere Zeit und auf persönlicher Basis hilfreich. Unsere Studien haben gezeigt, dass ein bis drei Jahre sicher nicht bei allen nötig sind, aber bei bestimmten Patienten sehr hilfreich wären. Ein Jahr und mehr wäre sinnvoll, denn es geht hier um Lebensstiländerungen, und das sind langfristige Prozesse.
„Plan Gesundheit“ wird auch wissenschaftlich begleitet. Schwierig wurde es, als es um die Organisierung von Schichtarbeitern ging. Inzwischen sind 25 bis 30 Prozent der Arbeitnehmer in Schichtdiensten tätig. Unter ihnen sind gesundheitliche Risiken wie Diabetes und Übergewicht statistisch stärker vertreten. Auch deshalb ist das eine wichtige Zielgruppe. Ich hoffe, dass es für solche Konzepte dann auch Geld gibt. Über Krankenkassen und Rentenversicherung erhalten wir Zugang zu den nötigen Daten. Nachholbedarf sehe ich noch bei den Klein- und Mittelbetrieben.
- www.plangesundheit.de
Regionale Kooperation „Plan Gesundheit“ zum Thema Prävention - www.thieme-connect.de
Zeitschrift „Rehabilitation“. M. Redaelli u.a.: Kosteneffektive Langzeitnachsorge in der kardiovaskulären Rehabilitation: Fünf-Jahres-Follow-up der SeKoNa-Studie (kostenpflichtig) - www.klinik-roderbirken.de
Klinik zur Rehabilitation nach Herz-Kreislauf-Erkrankungen der Deutschen Rentenversicherung Rheinland
