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Übergewicht in der Schwangerschaft birgt Risiken

Professor Hans Hauner leitet den Lehrstuhl Ernährungsmedizin der TU München. Seit Jahren befasst er sich mit den Themen Adipositas und Typ-2-Diabetes. Im Interview erläutert er, warum eine gesunde und ausgewogene Mischkost in der Schwangerschaft so wichtig ist, um das Adipositas-Risiko bei Kindern zu senken.

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Zwei Füße auf einer Waage. Bildnachweis: Stocksy © Jeff Wasserman

© Nicht definiert

Welche gesundheitlichen Risiken sind mit Übergewicht und Adipositas verbunden?
Interviewer
Übergewicht und insbesondere Adipositas ist heute der entscheidende Schrittmacher für eine Vielzahl meist chronischer Krankheiten, angefangen bei Stoffwechselkrankheiten wie Typ-2-Diabetes, über Herz-Kreislauf-Krankheiten, bestimmte Krebserkrankungen, Gelenkserkrankungen bis hin zu Demenz. Die Vermeidung von Übergewicht senkt gleichzeitig alle diese Risiken.
Professor Hauner
Sie haben eine langjährige Studie geleitet, die sich mit der Frage befasste, wie sich die Zusammensetzung von Fettsäuren in der mütterlichen Ernährung während der Schwangerschaft und Stillzeit auf den Nachwuchs auswirkt. Das Ergebnis?
Interviewer
Eine spezielle Diät für Schwangere ab der zwölften Schwangerschaftswoche bis zum Ende des vierten Monats nach der Entbindung, reich an Omega-3-Fettsäuren und arm an Arachidonsäure, hat deren Kinder nicht schlanker gemacht als die Kinder in der Kontrollgruppe. Wir haben dabei die Kinder bis zum Alter von fünf Jahren begleitet.

Vor gut zehn Jahren gab es eine Reihe von Hinweisen darauf, dass zu viel Arachidonsäure in der Ernährung – eine Omega-6-Fettsäure, die vor allem in tierischen Lebensmitteln vorkommt – das Adipositas-Risiko bei Kindern erhöht. Gleichzeitig vermutete man, dass Omega-3-Fettsäuren vor Adipositas schützen könnten.
Professor Hauner
Eine Sackgasse?
Interviewer
Wenn Sie so wollen, ja. Wir glauben nicht, dass man diesen Ansatz weiter verfolgen sollte. Eine ähnliche Studie aus Australien kam zum gleichen Ergebnis.
Professor Hauner
Wo sehen Sie weiteren Forschungsbedarf?
Interviewer
Wir wissen noch relativ wenig über die optimale Ernährung schwangerer Frauen, mit der die Basis für eine langfristige Gesundheit ihrer Kinder gelegt werden kann. Wir haben gerade eine große Studie initiiert, in der wir versuchen, eine übermäßige Gewichtszunahme in der Schwangerschaft zu vermeiden sowie insgesamt die Komplikationsrisiken zu senken. Die Ergebnisse der Studie „Gesund leben in der Schwangerschaft“ (GeliS) werden wir in einem Jahr vorstellen.
Professor Hauner
Welche Lebensmittel sollten während Schwangerschaft und Stillzeit oft auf dem Speiseplan stehen?
Interviewer
Unsere Empfehlung ist eine gesunde und ausgewogene Mischkost wie für jeden anderen Menschen auch. Das bedeutet vor allem eine pflanzlich betonte Kost mit eher moderaten Mengen tierischer Lebensmittel. Frühzeitig sollten auch Folsäure und Jod ergänzt werden. Bei vielen Müttern ist außerdem eine Eisengabe sinnvoll.
Professor Hauner
Wie sieht es mit veganer Kost aus?
Interviewer
Eine vegane Ernährung ist im Prinzip möglich, erfordert aber eine besonders bewusste Lebensmittelauswahl und eine Supplementierung mit Vitamin B12. Eine frühzeitige Ernährungsberatung kann ich nur empfehlen. Aus pragmatischen Gründen und der Sicherheit wegen rate ich eher zu einer breiteren Mischkost.
Professor Hauner
Was können Eltern noch tun, damit ihr Kind nicht übergewichtig oder adipös wird?
Interviewer
Eltern sollen sich frühzeitig über eine altersgemäße Ernährung informieren und diese umsetzen. Das ist nicht immer leicht. Kinder verzehren gerne Süßigkeiten und zuckerhaltige Getränke, deshalb sollten Eltern auf das richtige Maß achten.
Professor Hauner
Apropos, auf das richtige Maß achten. Wie gefährlich sind Heißhungerattacken für Mutter und Kind?
Interviewer
Heißhungerattacken sind für Mutter und Kind in aller Regel ungefährlich. Wenn eine Schwangere dazu neigt, sollte sie aber immer etwas bei sich haben, zum Beispiel Obst oder eine kleine Süßigkeit. Viele Schwangere machen in einer solchen Situation den Fehler, zu viel in sich hineinzustopfen.
Professor Hauner
Wird das Adipositas-Risiko bisher in Deutschland unterschätzt?
Interviewer
Eindeutig! In Deutschland wird das Thema Adipositas immer noch nicht ernst genug genommen, teilweise sogar ignoriert. Das ist keine kluge Strategie. Es profitieren alle davon, wenn Adipositas besser vermieden und behandelt würde: Betroffene durch mehr Gesundheit und bessere Lebensqualität, das Gesundheitssystem durch weniger Folgekrankheiten und somit die Gesellschaft durch weniger direkte und indirekte Kosten.
Professor Hauner

Mehr zum Thema

  • www.kern.bayern.de
    Das Kompetenzzentrum für Ernährung KErn bündelt Wissen rund um Ernährung in Bayern.
  • www.kem.wzw.tum.de
    Informationen zur Studie „Gesund leben in der Schwangerschaft“ als PDF, 940 KB

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