Vollmachten und Verfügungen: Was tun bei schwerer Krankheit?
Vollmachten und Verfügungen: Was tun bei schwerer Krankheit?
Wer ernsthaft erkrankt, der stellt sich irgendwann eine entscheidende Frage: Wie sehr beeinflusst die Krankheit mein Leben zukünftig? Und läuft mein Leben wie bisher weiter? Natürlich lautet die Antwort bei den meisten weniger gravierenden Erkrankung: Ja, natürlich, es wird sich kaum etwas ändern. Aber bei einer schweren Erkrankung sieht es anders aus: Das Leben, wie man es bisher kannte, ist in vielen Fällen von einem auf den anderen Tag vorbei. Die Konsequenzen können verheerend sein:
- Eine schwere Krankheit kann dazu führen, dass wir nicht mehr selbstbestimmt leben können.
- In vielen Fällen führt eine schwere Krankheit dazu, dass unsere wirtschaftliche Existenz und finanzielle Sicherheit gefährdet ist.
- Wer schwer erkrankt, ist in vielen Lebensbereichen auf Hilfe angewiesen.
Und natürlich weiß niemand: Erkranke ich irgendwann einmal? Und wie schwer? Und vor allem: wann? Welche Folgen wird das für mich haben? Gegen diese Ungewissheit hilft nur eine gute Planung und Vorsorge:
- Man muss die Realität der Krankheit erkennen und sich einen Überblick darüber verschaffen, wie ernsthafte Erkrankungen unsere Fähigkeit, Entscheidungen zu treffen, beeinträchtigen können.
- Rechtliche Vorsorge treffen: Man sollte heute vorsorgen für eine Zeit, in der man selbst nicht mehr entscheiden kann.
- Finanzielle Vorsorge treffen: Die finanzielle Basis muss auch dann stehen, wenn das Einkommen deutlich reduziert ist oder wegfällt.
Der Realität ins Auge schauen: Krankheiten haben Folgen
Niemand kann sich heute vorstellen, dass er (oder sie) schwer krank wird. Aber es kann passieren. Und deshalb ist es wichtig, sich zu überlegen, welche Konsequenzen Krankheiten für einen selbst haben – und zwar auf allen Ebenen:
Kognitive Einbußen und ihre Folgen: Viele Erkrankungen, wie Alzheimer, Demenz, fortgeschrittene Multiple Sklerose, Parkinson oder schwere psychische Störungen, führen zu kognitiven Einbußen. Sie führen dazu, dass das Urteilsvermögen beeinträchtigt wird, die Problemlösungsfähigkeiten und die Fähigkeit, komplexe Informationen zu verstehen und zu verarbeiten. Dadurch wird die Entscheidungsfindung und die Lebensführung zunehmend schwieriger oder gar unmöglich.
Emotionale und psychologische Auswirkungen: Eine schwere Erkrankung belastet jeden Menschen. Diese verständlichen, emotionalen Reaktionen können unsere Alltagstauglichkeit weiter beeinträchtigen.
Physische Barrieren: In einigen Fällen führen Krankheiten zu physischen Einschränkungen. Auch das kann unsere Leistungsfähigkeit im Alltag nachhaltig beeinträchtigen und die Lebensführung erschweren.
Alle Auswirkungen machen klar, dass bei einer schweren Erkrankung das bisherige Leben vorbei ist. Jeder Erkrankte benötigt im Alltag Unterstützung. Und deswegen ist der zweite Punkt so wichtig:
Rechtliche Vorsorge treffen
Jeder sollte heute für eine Lebenssituation vorsorgen, in der er nicht mehr in der Lage ist, sein Leben eigenständig und selbstbestimmt zu führen. Dafür gibt es rechtliche Instrumente, die jeder haben sollte. Dazu gehören hauptsächlich die nachstehenden drei Dokumente.
Vorsorgevollmacht
Die Vorsorgevollmacht ist bei einer schweren Erkrankung der Dreh- und Angelpunkt, wenn man Hilfe benötigt. Denn mit ihr regeln wir für jeden Lebensbereich, wer sich um uns und unsere Interessen kümmert, wenn wir das nicht mehr können. Das sind die Bereiche, die in einer Vorsorgevollmacht zum Beispiel geregelt werden können:
- Vermögensfürsorge, dabei geht es um alle Rechtsgeschäfte in Vermögensangelegenheiten, wie die Kontoführung, die private Buchhaltung oder den Kauf und Verkauf von Wertpapieren, aber auch die Kündigung und den Abschluss von Verträgen.
- Gesundheitsfürsorge, hiervon werden alle medizinisch relevanten Entscheidungen erfasst, wie Krankenhaus, Arzt oder Pflegedienst auswählen, Einblick in Krankenakten nehmen oder Untersuchungen und Behandlungen erlauben.
- Aufenthalts- und Wohnungsangelegenheiten, es kann hier darum gehen, den Wohnort einer betreuten Person festzulegen, aber auch einen Haushalt aufzulösen oder einen Mietvertrag zu kündigen.
- Vollmacht im Post- und Fernmeldeverkehr, damit kann der Bevollmächtigte Einsicht in Mails oder Post nehmen.
- Vertretung bei Behörden und Gerichten, das ist wichtig zum Einreichen einer Klage oder zum Beantragen eines Ausweises.
Natürlich besteht die Möglichkeit, verschiedene Menschen zu bevollmächtigen: die Frau für die Finanzangelegenheiten und den Bruder für die Gesundheitsfürsorge oder den besten Freund für die Post. Jeder bestimmt selbst, wen er wie mit ins Boot holen möchte.
Patientenverfügung
Eine Patientenverfügung legt fest, ob und wie man in bestimmten Situationen ärztlich behandelt werden möchte, wenn man selbst keine Entscheidung mehr treffen kann. Jeder hat es so in der Hand, mit der Verfügung ärztliche Maßnahmen abzulehnen, die nicht bei ihm durchgeführt werden sollen oder eben bestimmten Maßnahmen ausdrücklich zuzustimmen. Die Patientenverfügung richtet die Verfasser hauptsächlich an die Behandler, sollte aber auch demjenigen bekannt sein, der als Bevollmächtigter in der Vorsorgevollmacht die Gesundheitsfürsorge übernommen hat und dafür Sorge tragen soll, dass die Vorstellungen auch umgesetzt werden.
Betreuungsverfügung
Mit einer Betreuungsverfügung legt man für den Fall einer Betreuungsbedürftigkeit fest, wer die eigenen Interessen als Betreuer (nicht) vertreten soll und welche Wünsche (z. B. Ort der Pflege) umgesetzt werden sollen. Eine Betreuungsverfügung ergänzt die Vorsorgevollmacht und die Patientenverfügung.
Finanzielle Vorsorge treffen
Die wirtschaftlichen Folgen einer schweren Krankheit können verheerend sein: Wer länger krank ist, verliert eines Tages sein Einkommen. Wer dauerhaft nicht mehr in der Lage ist, aus gesundheitlichen Gründen zu arbeiten, der wird unter bestimmten Voraussetzungen Anspruch auf die Erwerbsminderungsrente der Deutschen Rentenversicherung haben. Das ist allerdings wirklich nur eine absolute Basis-Absicherung, die jeder für sich ergänzen sollte. Als kurzfristige Hilfe nach dem Wegfall der Lohnfortzahlung bietet es sich an, eine Krankentagegeldversicherung abzuschließen. Gesetzlich Versicherte bekommen zwar das Krankengeld von der GKV, aber das ist sowohl zeitlich als auch der Höhe nach begrenzt. Um den Einkommensverlust in Grenzen zu halten, sollte jeder eine zusätzliche Krankentagegeldversicherung abschließen, die die Lücke zwischen den Krankengeld-Leistungen der GKV und dem Nettoeinkommen deckt. Das gilt natürlich umso mehr bei PKV-Versicherten, die keinen gesetzlichen Anspruch haben und die Lohnfortzahlung im Krankheitsfall selbst absichern müssen.
Für die langfristige Absicherung sollte außerdem eine Berufsunfähigkeitsversicherung abgeschlossen werden. Sie dient gewissermaßen als Einkommensersatz, wenn jemand als Folge einer schweren Erkrankung nicht mehr in das Erwerbsleben zurückkehren kann. Die Berufsunfähigkeitsversicherung zahlt die versicherte Leistung so lange, bis der Betroffene wieder berufsfähig ist – notfalls bei entsprechendem Versicherungsschutz bis ins Rentenalter.
Ein Unfall oder eine Krankheit kann den Betroffenen aber zu einem Pflegefall machen. Finanziell kann das sehr belastend werden für die Familie, denn eine professionelle Pflege kostet ein Vermögen und die Pflegepflichtversicherung trägt davon erfahrungsgemäß nur einen Teil. Es verbleibt ein erheblicher Eigenanteil, den der Pflegebedürftige selbst tragen muss. Und es geht hier nicht um zwei-, drei- vierhundert Euro im Monat:

Quelle und Grafik als jpeg: VDEK, Download aller Zahlen unter www.vdek.com.
Die Zahlen zeigen den Eigenanteil eines Pflegebedürftigen zusätzlich zu den Leistungen der gesetzlichen Pflegeversicherung: Im schlimmsten Fall muss der Betroffene seine gesamten Alterseinkünfte und Rücklagen einsetzen, um diesen Eigenanteil zu leisten. Eine private Pflegezusatzversicherung hilft dabei, diese Kosten besser schultern zu können.
