Ihre-Vorsorge Logo

Stigmatisierung psychisch Kranker: Das kann man dagegen tun

Psychisch Kranke leiden oft nicht nur an ihrer Erkrankung, sondern auch unter der Stigmatisierung durch andere oder gar sich selbst. Das ist nicht nur schmerzhaft, sondern auch gefährlich.

Lesezeit

3 Minuten

Veröffentlicht

Mann mittleren Alters stützt den Unterarm gegen eine Fensterscheibe und schaut deprimiert aus dem Fenster.

© Nicht definiert

Negative Vorurteile gegenüber psychisch Erkrankten können durch Kontakt und Austausch abgebaut werden.

Mannheim/Ulm (dpa/tmn). Ausgrenzung und Benachteiligung – damit haben Menschen mit psychischen Erkrankungen alltäglich zu kämpfen. Aber warum ist das so? Ein wichtiger Grund dafür ist die Stigmatisierung. Das bedeutet, eine psychisch kranke Person wird nicht als Individuum beurteilt, sondern aufgrund der Eigenschaften, die psychisch Kranken im Allgemeinen zugeschrieben werden.

Typische Meinungen über psychisch Kranke sind zum Beispiel, dass sie „inkompetent, gefährlich oder selbst schuld“ seien, so Stigmaforscher Prof. Nicolas Rüsch, Professor für Public Mental Health an der Uni Ulm und am Standort Mannheim-Heidelberg-Ulm des Deutschen Zentrums für Psychische Gesundheit (DZPG). Die Folgen können gravierend sein. Denn oft entsteht bei Betroffenen „eine Negativspirale aus Rückzug, Demoralisierung und sogar erhöhtem Suizidrisiko“.

Die Folgen der „zweiten Krankheit“

Die Stigmatisierung kann für Betroffene zur großen Belastung werden. In Fachkreisen wird hier von der „zweiten Krankheit“ gesprochen. Die Lebensqualität kann erheblich beeinträchtigt sein. Denn die Folgen sind soziale Isolation, verschlechterte Gesundheit oder auch die Vermeidung einer wirksamen Behandlung, denn aufgrund der negativen Bewertungen, die mit psychischen Erkrankungen verbunden werden, gehe viele Betroffene nicht oder erst spät zum Arzt, um die Diagnose „psychisch krank“ zu vermeiden, so das Aktionsbündnis Seelische Gesundheit.

Viele entwickeln auch ein sogenanntes Selbststigma. Das bedeutet, sie verinnerlichen die Vorurteile, die man ihnen gegenüber hegt. Sie denken also, „weil ich psychisch krank bin, muss ich inkompetent sein“. Das Problem ist enorm: Eine weltweite Studie habe ergeben, dass rund 80 Prozent der befragten Stigmatisierung erlebt haben, so Rüsch. 

Auch für Angehörige ist Stigmatisierung im Alltag ein Problem. Und nicht nur das: „Insbesondere Nahestehende von schwer psychisch Erkrankten haben dadurch selbst ein erhöhtes Risiko, psychische Gesundheitsprobleme zu entwickeln“, sagt Heike Petereit-Zipfel vom Bundesverband der Angehörigen psychisch erkrankter Menschen (BApK) und Mitglied im Trialogischen Zentrumsrat.

Was kann man tun?

Betroffenen kann es helfen, sich mit anderen psychisch Kranken über ihre Erfahrungen auszutauschen, sagt DZPG-Sprecher Prof. Andreas Heinz. Das funktioniere am ehesten in Selbsthilfegruppen. Ein erster Anlaufpunkt kann hier das Bundesnetzwerk Selbsthilfe seelische Gesundheit e.V. (NetzG) sein. Solche Gruppen gibt es im Übrigen auch für Angehörige. Sie können sich beispielsweise an den Bundesverband der Angehörigen psychisch erkrankter Menschen (BApK) wenden.

Und auch alle, die weder direkt noch indirekt betroffen sind, können etwas dafür tun, negative Vorurteile gegenüber psychisch Kranken abzubauen und sich darum bemühen, respektvoll, vorurteilsfrei und unterstützend mit psychischen Erkrankten umzugehen. Der Schlüssel dazu sei der Kontakt, denn „je weniger Kontakt man hat, desto mehr Vorurteile hat man“, so Heinz. 

Generell gilt: Man sollte sich informieren, Betroffenen zuhören und versuchen ihre Gedanken und Erfahrungen nachzuvollziehen, nicht besserwisserisch sein, und sie dabei unterstützen, psychologische oder psychiatrische Hilfe in Anspruch zu nehmen. Und: Wer mitbekommt, dass psychisch Erkrankte stigmatisiert werden, kann sich dagegen positionieren.


Weitere Artikel

Time
3 Minuten

Manchmal reicht das Einatmen von kühler Luft und schon zieht es fies. Wer empfindliche Zähne hat, fragt sich: Was kann ich dagegen tun? Experten geben zum Teil überraschende Tipps.

Time
2 Minuten

Weniger als sieben Stunden Schlaf pro Nacht? Experten zufolge ist das zu kurz. In Deutschland trifft das aber auf viele Menschen zu. Vor allem eine Gruppe ist betroffen, wie eine Untersuchung zeigt.

Time
3 Minuten

Eine Übersichtsstudie zeigt: E-Zigaretten helfen mehr Rauchern beim Ausstieg als andere Methoden. Doch sind sie wirklich die beste Art zum Aufhören? Krebsforscher bleiben kritisch.

Time
2 Minuten

Die Behandlung mit Abnehmspritzen wie Wegovy oder Mounjaro kostet mehrere Hundert Euro im Monat. Eine Kostenübernahme könnte die GKV mit Milliarden belasten, warnt Carola Reimann, Vorstandsvorsitzende des AOK-Bundesverbands.

Time
2 Minuten

Neue Funktionen sollen die elektronische Patientenaktie attraktiver machen. Welchen konkreten Nutzen bringt das den Versicherten?

Time
2 Minuten

Mehr als 35.000 Menschen sterben jährlich in Deutschland an einer Sepsis. Wie Sie die Warnzeichen selbst erkennen können – und warum schnelle Hilfe Leben rettet.

Bleiben Sie auf dem Laufenden

Verpassen Sie kein Thema mehr.

Unser Newsletter informiert Sie regelmäßig und aktuell rund um die Themen Rente, Finanzen, Gesundheit und Soziales. Keine Werbung und 100% kostenlos.

Kontakt zur Deutschen Rentenversicherung

Wie können wir Ihnen weiterhelfen?
Icon Telefon
Kostenloses Servicetelefon
Mo. – Do. 08:00 – 19:00, Fr. 08:00 – 15:30
Logo Deutsche Rentenversicherung
Eine Initiative der Deutschen Rentenversicherung

Rechtliches

Service

Logo klein Deutsche Rentenversicherung
Eine Initiative der Deutschen Rentenversicherung
© Ihre-Vorsorge 2026