Altersvorsorge / 09.09.2019

Altersvorsorge absichern: Diese Zusatzbausteine sorgen für eine verlässliche Vorsorge

Eine private Altersvorsorge ist heute mehr als „nur” eine zusätzliche Kapitalleistung im Alter: Die erreichten Renten sollen und müssen im Alter die Absicherung der Deutschen Rentenversicherungen, der Versorgungswerke und der betrieblichen Altersversorgung ergänzen, um Altersarmut zu vermeiden. Was aber, wenn die private Altersvorsorge ins Stocken gerät – bei Krankheit, nach einem Arbeitsunfall oder einem Todesfall? Für diese Situationen gibt es Zusatzbausteine, die eine private Vorsorge sinnvoll ergänzen.

Bild zum Thema Altersvorsorge absichern: Diese Zusatzbausteine sorgen für eine verlässliche Vorsorge. – Junge Frau sichtet mit ihrem Laptop Angebote im Internet, um sich herum Dokumente auf dem Bett verteilt.

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Berufsunfähigkeitsvorsorge

Anders als bei einer klassischen Berufsunfähigkeitsversicherung, die im Falle der Invalidität eine frei verfügbare Rente zahlt, übernimmt die Berufsunfähigkeitsvorsorge lediglich die Prämie für die gekoppelte Rentenversicherung. Damit läuft die private Altersvorsorge bei Berufsunfähigkeit wie geplant weiter, die Prämien werden bei andauernder Berufsunfähigkeit bis zum Rentenbeginn von der Berufsunfähigkeitsvorsorge übernommen. Bei manchen Anbietern lässt sich die Berufsunfähigkeitsvorsorge sogar ohne Gesundheitsfragen oder mit einer vereinfachten Gesundheitsprüfung abschließen – das erleichtert den Zugang zum Invaliditätsschutz für die eigene Altersvorsorge. Natürlich können Vorsorge-Sparer die monatlichen Beiträge für die Altersvorsorge auch bei der klassischen Berufsunfähigkeitsversicherung mitversichern, dann aber meist mit entsprechender Gesundheits- und Risikoprüfung.

Eine solche Berufsunfähigkeitsvorsorge ersetzt auf keinen Fall die Absicherung der Arbeitskraft mit einer Berufsunfähigkeits- oder Erwerbsunfähigkeitsrente. Denn in der Regel reichen die gesetzlichen Sicherungssysteme nicht, um den gewohnten Lebensstandard bei längerer Krankheit oder nach einem Unfall zu halten. Viele Altersvorsorgeverträge lassen sich um eine Berufsunfähigkeitsversicherung ergänzen. Wer die Wahl hat, sollte Altersvorsorge und Berufsunfähigkeitsschutz aber lieber trennen. Das ist transparenter und bei finanziellen Problemen kann das Kombi-Paket oft nicht geteilt werden. Die Folge: Die Altersvorsorge und der Invaliditätsschutz gehen verloren.

Was ist zu tun?

Sparer sollten darauf achten, dass die zusätzlichen Kosten für die Berufsunfähigkeitsvorsorge die Rendite nicht zu stark belasten. Am besten lässt man sich ein Angebot mit und ohne BU-Vorsorge erstellen, damit man exakt sieht, wie viel Rendite und Ertrag die Absicherung kostet.


Hinterbliebenenschutz

Jahrelang war die Kapitallebensversicherung das beliebteste Vorsorgeprodukt in Deutschland – vor allem, weil es die eigene Altersvorsorge steuerbegünstigt mit dem Hinterbliebenenschutz verbunden hat. Unpassend war die Lösung jedoch in den meisten Fällen schon immer, weil sie schlicht zu teuer ist. Wer bei einer Kapitalversicherung mit 100.000 Euro Versicherungssumme abschließen will, zahlt durch den Sparvorgang rund 200 Euro monatlich! Eine vergleichbare Risikolebensversicherung ohne Sparvertrag gibt es für junge Menschen bereits zwischen 5 und 10 Euro monatlich.

Was ist zu tun?

Die Familie sollte immer mit einer separaten und günstigen Risikolebensversicherung geschützt werden – mit Altersvorsorge hat das nichts zu tun.


Pflegevorsorge

Immer mehr Altersvorsorgeprodukte sehen die Option vor, im Alter bei Pflegebedürftigkeit eine erhöhte Rente ausgezahlt zu bekommen. Die Kunden schließen mit Vertragsbeginn eine solche Zusatzvereinbarung ab oder haben die Möglichkeit, im Alter den Pflegeschutz ohne Gesundheitsprüfung zu aktivieren. Geschenkt wird den Kunden dabei natürlich nichts. Die Option kostet Rendite und schützt nicht davor, dass die private Altersvorsorge – oder zumindest Teile davon – für die eigene Pflege aufgewendet werden müssen. Sinnvoller ist zur Absicherung immer eine Pflegezusatzversicherung, die im Alter als Tagegeld eine fest vereinbarte Leistung bei Pflegebedürftigkeit bietet.

Was ist zu tun?

Die beschriebenen Pflegeoptionen sollten nicht unbedacht vereinbart werden – auch hier ist es sinnvoller, genau zu rechnen und die erreichbaren Renten immer mit und ohne Pflegeoption kalkulieren zu lassen, um die tatsächlichen Kosten der Absicherung zu ermitteln.


Rentengarantien

Das ist die Sorge vieler Vorsorgesparer: Jahrelang zahlen Sie in Ihre Altersvorsorge ein und kaum erhalten sie zwei, drei Jahre ihre Rente, sterben sie und das Geld ist verloren. Noch schlimmer ist natürlich die Vorstellung, dass man jahre- oder jahrzehntelang spart und das Rentenalter gar nicht erreicht. In einem solchen Fall sollen dann wenigstens der Partner oder die Kinder davon profitieren.

Je nach Vertrag kann im Todesfall das angesparte oder nach Rentenbeginn noch vorhandene Kapital an vorher festgelegte Personen ausgezahlt werden. Möglich ist das allerdings nur dann, wenn nicht gesetzliche Vorgaben wie bei der Riester- oder Rürup-Rente die Verfügbarkeit den Zugriff auf das Kapital beschränken.

Bei der Rürup-Rente etwa kann das Kapital nicht übertragen werden – hier können nur enge Verwandte im Rahmen der gesetzlichen Vorgaben mit einer eigenen Rente bedacht werden. Und bei der Riester-Rente ist es ebenfalls nicht möglich, das angesparte Kapital einfach zu übertragen – gegebenenfalls gehen dann Zulagen und Steuervorteile verloren. Hier ist in der Regel nur eine Übertragung auf einen anderen Riester-Vertrag eine sinnvoll Option.

Was ist zu tun?

Renten- oder Kapitalgarantien sind weniger dazu geeignet, den Partner, die Kinder oder Angehörige umfassend abzusichern. Sie können allenfalls dazu verwendet werden, um aufgebautes Kapital oder einen Rentenanspruch zu generieren, der dann nicht dem Vorsorgesparer selbst, sondern den Hinterbliebenen zugute kommt.


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Autor

Oliver Mest