Altersvorsorge / 04.10.2021

Altersvorsorge: Börse für Einsteiger

Aktien und Fonds bieten langfristig bessere Renditechancen als sichere Zinsprodukte, aber sie bergen auch mehr Risiken. Wie Sie teure Fehler bei der Altersvorsorge vermeiden.

Börse für Einsteiger: Handelssaal der Börse Frankfurt mit blauem Stier.

Inhalt

Warum Aktien zur Altersvorsorge?

Betriebliche Altersvorsorge, Riester- oder Rürup-Rente – das sind die klassischen, staatlich geförderten Produkte für die Altersvorsorge. Sie garantieren Sicherheit, damit im Alter auch genug Geld zum Leben vorhanden ist.

Als ergänzenden Baustein für die Altersvorsorge empfehlen Verbraucherschützer, einen Teil des Vermögens auch in Aktienanlagen wie Indexfonds (ETFs) zu investieren. Denn aufgrund der langanhaltenden Niedrigzinsphase und aktuell wieder steigender Inflationsraten gelingt es nur über den Ersatzzins „Rendite“, erspartes Geld zu einem Vermögen anwachsen zu lassen.

Nach den bisherigen Erfahrungen in der Vergangenheit lohnt es sich, ein gewisses Risiko an der Börse einzugehen. Wichtig ist, auf drei Dinge zu achten:

  1. Investieren Sie nur einen gewissen Teil Ihres Geldvermögens an der Börse.
  2. Achten Sie im Depot auf eine breite Risikostreuung.
  3. Legen Sie die Wertpapiere langfristig an, am besten für mehr als 10 Jahre.

Wie sicher sind meine Aktien bei Insolvenz?

Alle Wertpapiere in den Depots der Anleger sind geschützt, falls Bank oder die Fondsgesellschaft pleite gehen. Sie zählen nach Paragraph 92 KAGB (Kapitalanlagegesetzbuch) zum Sondervermögen. Das bedeutet, dass die Wertpapiere der Anleger getrennt vom Vermögen der Fondsgesellschaften oder Unternehmen verwahrt werden. Bei einer Insolvenz steht das Sondervermögen quasi unter besonderem Schutz und fällt nicht in die Konkursmasse. Der Depotinhalt kann unangetastet an ein anderes Finanzinstitut zur Verwahrung weitergegeben werden.

Wann ist der richtige Zeitpunkt, um an die Börse zu gehen?

Bei einer langfristigen Anlage spielt der Zeitpunkt für den Einstieg keine große Rolle. Viel wichtiger ist, dass Sie beim Start an der Börse schuldenfrei sind und Reserven für ungeplante Ausgaben auf der hohen Kante haben. Das schützt Sie vor finanziellen Verlusten, wenn Sie bei unvorhergesehenen größeren Ausgaben plötzlich gezwungen sind, im Kurstief ihre Aktien oder Fondsanteile zu verkaufen.

Wie kann ich mich vorbereiten?

Der Bundesverband der Börsenvereine an deutschen Hochschulen e. V. (BHV) bietet einen kostenfreien Börsenführerschein an. Dahinter steckt ein vierteiliges Webinar mit Prüfung.

Wer „learning by doing“ bevorzugt, der kann bei vielen Online-Banken ein Musterdepot einrichten. Zu realen Kursen können Wertpapiere gekauft und verkauft werden – allerdings nur mit Spielgeld.

Was brauche ich, um Aktien zu kaufen?

Für börsengehandelte Produkte wie Fonds, Aktien oder Anleihen ist ein spezielles Konto, ein Depot, notwendig. Im Depot befinden sich ausschließlich Wertpapiere, die beim Kauf beziehungsweise Verkauf ein- und ausgebucht werden. Bei jedem Trade erhält der Anleger einen Transaktionsbeleg: Er weist die Kurse der Wertpapiere beim Kauf und Verkauf aus und führt die dabei angefallenen Kosten auf.

Wo richte ich ein Depot ein?

Ein Depot lässt sich bequem über die Filiale Ihrer Hausbank anlegen. Dafür können Gebühren von bis zu 30 Euro im Jahr anfallen. Als Gegenleistung gibt es individuelle Beratung von Angesicht zu Angesicht, was gerade am Anfang hilfreich sein kann. Ein gewisses Grundwissen sollten Sie trotzdem mitbringen. Bankberater verkaufen gerne die Aktienprodukte der eigenen Hausbank, die nicht zwangsläufig die attraktivsten und günstigsten sind.

Die Alternative ist ein kostenloses Depot bei Direktbanken oder Online-Brokern einzurichten. Da persönlicher Service und individuelle Beratung entfallen, ist von Ihnen mehr Grundwissen und Eigeninitiative gefragt.

Wie wechsle ich das Depot?

Ein Depotwechsel funktioniert wie beim Girokonto ganz leicht. Sie eröffnen einfach ein neues Depot und beantragen mit einem Formular entweder bei Ihrer alten oder bei Ihrer neuen Bank den Wechsel. Den Rest regeln die beiden Banken untereinander.

Welche Wertpapiere sind für die Altersvorsorge geeignet?

Für die langfristige Anlage sind passive Indexfonds (ETFs) oder aktiv gemanagte, offene Fonds empfehlenswert. Für beide gilt, dass sie auf eine Vielzahl von Aktien investieren und so das Risiko eines Verlustes durch Streuung minimieren.

Es gibt aber auch hochriskante Fonds, die keinesfalls für die Altersvorsorge geeignet sind: Finger weg gilt beispielsweise bei geschlossenen Immobilienfonds. Sie umfassen meist nur ein oder wenige Objekte. Bei schlechter Performance oder Insolvenzgefahr ist dann kein Ausstieg wie bei offenen Immobilienfonds oder Aktien möglich. Bei geschlossenen Immobilienfonds ist das Risiko eines Totalverlusts sehr hoch.

Was sind die Unterschiede zwischen ETFs und Fonds?

Bei aktiv gemanagten Fonds steuert ein Fondsmanagement die Zusammensetzung der Fonds. Experten verfolgen die Entwicklung der Märkte und entscheiden regelmäßig über Kauf und Verkauf bestimmter Titel. Für diese Leistung verlangt das Fondsmanagement Gebühren und teils hohe Ausgabeaufschläge.

ETFs (Exchange Traded Funds) sind börsengehandelte Indexfonds, die die Wertentwicklung eines Indexes abbilden, zum Beispiel den deutschen Aktienindex DAX. ETF-Anleger investieren also in Unternehmen, die einen bestimmten Markt zum Beispiel einer bestimmten Region repräsentieren.

Da sich die Zusammensetzung des Fonds durch den Index ergibt, bedarf es keiner Fondsmanager. Deshalb spricht man auch von passiv gemanagten Fonds. Sie sind deutlich günstiger, da die Kosten für das Fondsmanagement entfallen. Laut Finanztest gibt es dennoch nur sehr wenige aktive Fonds, die besser performen als die meisten ETFs. 

Tipp:

Suchen Sie sich thesaurierende Fonds und ETFs aus. Das sind Fonds, die automatisch Zinsen und Dividenden wieder anlegen. So profitieren Sie als Anleger vom Zinseszinseffekt und können über einen längeren Zeitraum ein Vermögen aufbauen. Bisher bieten fast nur Onlinebanken ETF-Sparpläne an.


Welche ETF sind für die Altersvorsorge empfehlenswert?

Für eine langfristige Altersvorsorge geeignete ETF-Fonds sind zum Beispiel der MSCI World mit 1600 Aktientiteln von Industrieländern oder der MSCI All Country World mit knapp 3000 Aktien weltweit inklusive Schwellenländer. DAX-ETFs eignen sich dagegen weniger, da sie nur die deutsche Wirtschaft abbilden und davon vor allem eine kleine Gruppe von Schwergewichten.

Wo kaufe ich Aktien?

Aktien, ETFs, aktiv gemanagte Fonds und andere Wertpapiere können Sie entweder an Börsen oder über den Direkthandel kaufen und verkaufen. Verbraucherschützer empfehlen Einsteigern den Direkthandel mit Banken, Online-Brokern und Wertpapierhäusern. Er bietet viele Vorteile: Der Orderprozess ist einfach, die Kosten sind transparent und für Privatanleger oft günstiger als der Handel über die Deutsche Börse, die deutschen Regionalbörsen (in Frankfurt am Main, Düsseldorf, Berlin-Bremen, Stuttgart, Hannover-Hamburg und München) oder gar internationale Börsen.

Wie kaufe ich Aktien?

Sobald Ihr Depot eingerichtet ist, können Sie über den Bankberater Ihrer Hausbank sofort Wertpapiere ordern lassen. Wenn Sie stattdessen ein Depot bei einer Online-Bank haben, kaufen und verkaufen Sie Ihre Wertpapiere selbstständig. Dazu öffnen Sie Ihr Online-Depot und geben über die Suchfunktion die Wertpapierkennnummer (WKN) oder ISIN (International Security Identification Number) Ihres ausgewählten Wertpapiers ein. Die weiteren Schritte bis zum Kauf sind – wie bei anderen Online-Shops auch – in der Regel selbsterklärend. Dasselbe gilt für den Verkauf.

Statt Einzelkäufen empfiehlt sich für die langfristige Anlage ein Fondsparplan. Dabei legen Sie einfach die Summe fest, die Sie monatlich investieren wollen. Die Bank kauft dann automatisch regelmäßig zu einem gewünschten Datum Anteile Ihres Wunschfonds zum entsprechenden Wert. Allerdings sind nicht alle Fonds bei jeder Bank sparplanfähig.

Wie richte ich einen Fondssparplan ein?

Wählen Sie in Ihrem Online-Depot Ihren gewünschten Fonds mit der Wertpapierkennnummer (WKN) über die Suchfunktion aus. Dort wird in der Regel direkt abgefragt, ob Sie eine einmalige Einzahlung tätigen oder – falls möglich – einen Fondsparplan einrichten wollen. Sie können dann eintragen, wie hoch die monatliche Sparrate sein soll. Automatisch wird sie dann jeden Monat von Ihrem Bankkonto abgebucht. Ende des Jahres erhalten Sie außerdem einen ausführlichen Jahresauszug, der Ihnen einen gesamten Überblick über Rendite, Kosten und Steuern gibt. 

Neben der Bequemlichkeit bieten Fondssparpläne einige weitere Vorteile. Sie haben keine festen Laufzeiten. Das heißt, Sie können jederzeit Ihre Fondsanteile verkaufen, Mindesthaltedauer oder Sperrfristen entfallen. Eine Ausnahme gibt es: Bei offenen Immobilienfonds gelten bei Sparplänen gesetzlich vorgeschriebene Halte- und Kündigungsfristen.

Fondssparer können außerdem vom sogenannten Cost-Average- oder Durchschnittskosten-Effekt profitieren. Wenn Sie beispielsweise jeden Monat für 100 Euro Fondsanteile kaufen, dann erhalten Sie rein rechnerisch bei tiefen Kursen mehr Anteile als bei hohen. Das kann im Durchschnitt zu einer höheren Rendite führen. Tritt dieser Fall ein, spricht man vom Cost-Average-Effect.

ETF-Sparpläne werden fast nur von Online-Banken angeboten.

Welche Kosten und Steuern fallen beim Aktienkauf an?

Bei Ihrer Geldanlage an der Börse möchten viele mitverdienen: Der Bankberater, die Börse, der Broker und die Fondsgesellschaft. Alle Kosten auf einen Blick unter:

Aktienkauf: Kosten machen den Unterschied

Auch der Staat hält bei sämtlichen Kapitalerträgen, die an der Börse erzielt werden, mit der Abgeltungssteuer die Hand auf. Außerdem wird der Solidaritätszuschlag für Anleger fällig, wenn sie ihren Sparerfreibetrag bereits ausgeschöpft haben. Und nur für Kirchenmitglieder: die Kirchensteuer.

Was ist beim Kauf von Einzelaktien zu beachten?

Für die Altersvorsorge sind Einzelaktien ungeeignet. Denn wer nur ein oder zwei Aktientitel im Depot hat, geht ein zu hohes Verlustrisiko ein. Deshalb raten Verbraucherschützer: Erst mit etwa 15 verschiedenen Wertpapieren, also mit einer Mischung aus Einzelaktien, Fonds und ETFs, kann eine vernünftige Risikostreuung im Depot umgesetzt werden. Das ist, so Finanztest, ab einem Anlagebetrag von mehr als 15.000 Euro möglich.

Autor

Dr. Liane Gärtner