Rente / 12.07.2021

„Ideologiefreie Debatte über Zukunft des Rentenkonzepts nötig“

Vereinigung der Versicherungsmathematiker fordert ein langfristiges, generationengerechtes und sozial ausgewogenes Altersvorsorgesystem.

Das Bild zeigt einen Mann, der mithilfe von Taschenrechner und Laptop ein Formular ausfüllt.

Berlin (dav/sth). Eine "unabhängige und ideologiefreie Debatte" darüber, wie das sogenannte Drei-Säulen-Modell der Altersvorsorge angesichts des demografischen Wandels und der anhaltenden Tiefzinssituation weiterentwickelt werden kann, hat die Deutsche Aktuarvereinigung (DAV) gefordert. Der stellvertretende DAV-Vorstandsvorsitzende, Maximilian Happacher, erklärte jetzt mit Blick auf die bevorstehende Bundestagswahl, Deutschland brauche "nicht nur für den Klimaschutz ein langfristiges, generationengerechtes und sozial ausgewogenes Konzept, sondern auch eine nachhaltige Reform des Altersvorsorgesystems". Die DAV ist der Verband der Versicherungsmathematiker und -mathematikerinnen, die bei Lebensversicherungen und Pensionskassen beschäftigt sind.

In der rentenpolitischen Debatte müsse über die "Nachjustierung aller Stellschrauben der gesetzlichen Rentenversicherung" gesprochen werden, ohne den sozialen Frieden zu gefährden, die Sozialabgaben deutlich über 40 Prozent und die Steuerzuschüsse an die Rentenversicherung extrem steigen zu lassen, sagte Happacher. Um die gesetzliche Rente zukunftsfest zu machen, müssten alle Beteiligten Zugeständnisse machen. Dazu gehöre auch eine "sachliche Diskussion darüber, welche Auswirkungen die weiter steigende Lebenserwartung auf das Renteneintrittsalter" habe.

Handlungsbedarf in der kapitalgedeckten Altersvorsorge

Daneben sieht die DAV nach Angaben Happachers auch "politischen Handlungsbedarf in der kapitalgedeckten Altersvorsorge". Nach der gescheiterten Riester-Reform (die Vereinbarung der Regierung im Koalitionsvertrag wurde nicht gesetzlich umgesetzt, d. Red.) hätten bereits viele Anbieter angekündigt, sich aus diesem Marktsegment sowie aus der sogenannten Beitragszusage mit Mindestleistung in der betrieblichen Altersversorgung "ganz oder teilweise zurückzuziehen". Die Beitragszusage mit Mindestleistung garantiert den Beschäftigten bisher, dass zum vertraglich vereinbarten Rentenbeginn mindestens die eingezahlten Beiträge zur Verfügung stehen.

Die Pläne einer Deutschland-, Generationen- oder Aktienrente seien "in ihrer bisherigen Form aus aktuarieller Sicht noch nicht die Lösung", sagte Happacher. Zur Begründung erklärte er, diese Konzepte würden "ausschließlich die Ansparphase in den Blick nehmen", die jahrzehntewährende Auszahlungsphase aber außer Acht lassen. Die Bürgerinnen und Bürger müssten sich deshalb "stärker auf die veränderten Kapitalmarktwirklichkeiten" einlassen, so Happachers Fazit. Nur durch Investitionen in Aktien oder Immobilien könnten künftig "Renditen oberhalb der Inflation erzielt werden“. Diese Aussage bleibe auch nach den heftigen Kapitalmarktschwankungen des vergangenen Jahres richtig.

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