Rente / 27.08.2021

Rürup fordert mehr Steuern für das Rentensystem

Altersvorsorgeexperte: Mit einem solchen Schritt würden indirekt auch die Ruheständler an der Finanzierung der Renten beteiligt.

Prof. Dr. Bert Rürup, Präsident des HRI

München (sth). Für einen höheren Steueranteil zur Finanzierung der gesetzlichen Rentenversicherung hat sich der Ökonom und Altersvorsorgeexperte Bert Rürup ausgesprochen. Zur Begründung sagte Rürup in einem Interview der "Süddeutschen Zeitung", mit einem solchen Schritt würden "die Rentner indirekt an der Finanzierung (der steigenden Rentenausgaben, d. Red.) beteiligt". Schon heute würden Rentnerinnen und Rentner einen "beachtlichen Anteil zum Steueraufkommen" beitragen, ergänzte der früher an der Universität Darmstadt lehrende Finanzwissenschaftler. "Ich denke, dass man diesen Weg weiter gehen wird."

Kritik übte Rürup an der seit Mitte des Jahres ausgezahlten Grundrente für langjährige Geringverdiener. "Diese Grundrente war gut gemeint, aber definitiv nicht gut gemacht", erklärte der Erfinder eines nach ihm benannten Altersvorsorgemodells für Selbstständige. So werde in Deutschland nicht unterschieden, "ob eine niedrige Rente das Ergebnis einer freiwilligen Halbtagsbeschäftigung ist oder einer lausig bezahlten Vollzeitbeschäftigung". Auch deshalb und wegen der im Schnitt deutlich kürzeren Rentenbezugszeit von Geringverdienern bestehe bei der Grundrente "Nachbesserungsbedarf", sagte Rürup.

Höheres Rentenalter wohl kaum durchsetzbar

Skeptisch zeigte sich der langjährige Politikberater mit Blick auf die Durchsetzbarkeit eines weiter steigenden Rentenalters und auf ein anderes Fördermodell für die zusätzliche Altersvorsorge. "Angesichts des bereits jetzt recht hohen und weiter steigenden Alters der Wahlberechtigten glaube ich nicht, dass es in der nächsten Legislaturperiode eine Mehrheit dafür gibt", so Rürup zu Vorschlägen für eine Rente ab 68 oder 70 Jahren. Angesichts der von manchen Experten geforderten Umstellung der staatlichen Altersvorsorgeförderung auf das schwedische Prämienrentenmodell ergänzte er: "Vergessen Sie's. Denn dann würden ausgerechnet in den kritischen Jahren (wenn die geburtenstarken Jahrgänge in Rente gehen, d. Red.) die Finanzierungsprobleme der gesetzlichen Rentenkasse nur noch größer."

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Autor

Stefan Thissen