Die Psychologie der Flexirente

Doch die Regeln sind kompliziert, der Nutzen ist stark einzelfallabhängig, die Unwissenheit groß und der Beratungsbedarf entsprechend hoch. Daher werden die neuen Möglichkeiten derzeit nur zaghaft genutzt. Ein Gespräch mit Andreas Schwarz, Vorsitzender der Geschäftsführung der Deutschen Rentenversicherung Baden-Württemberg.
Dabei liegt die Altersgrenze hierfür dieses Jahr bereits bei 63 Jahren und acht Monaten und spätestens in zwei Jahren müssen wir von der „Rente ab 64“ sprechen. Die Menschen haben ein fixes Rentendatum im Kopf, auf das sie, um Abschläge zu vermeiden nach dem Alles-oder-Nichts-Prinzip konsequent hinarbeiten. Dass es in Form der Flexirente eine ebenfalls attraktive Möglichkeit gibt, im Altersübergang Rente und Arbeit flexibel zu verbinden, übersehen sie dabei.
Sobald die Rente später in voller Höhe bezogen wird, wird der bislang nicht in Anspruch genommene Teil der Rente mit einem geringeren oder auch gar keinem Abschlag ausgezahlt und bei Erreichen der Regelaltersgrenze wird die Rente unter Berücksichtigung der aus der Teilzeitarbeit weiter eingezahlten Beiträge neu berechnet. Und plötzlich sehen die Menschen eine Perspektive. Wenn wir das vermitteln können, hat die Flexirente noch Potenzial.
Zudem findet über die Regelaltersgrenze hinaus keine Einkommensanrechnung mehr statt Dafür wird die Rente bei fortgesetzter Beitragszahlung immer zum 01.07. unter Berücksichtigung der hinzugekommenen Beiträge des vorherigen Kalenderjahres neu berechnet. Man erhöht also nebenher seine Altersversorgung.
Ein zweites Thema ist aber auch das „Wording“: Verdient ein Versicherter vor dem Erreichen der Regelaltersgrenze mehr als 6.300 Euro pro Kalenderjahr hinzu, wird der übersteigende Betrag anteilig an der Vollrente angerechnet. Viele Menschen verstehen das so, dass die Rentenversicherung ihnen nun auf Dauer etwas wegnimmt und in die eigene Tasche steckt.
Dabei schreiben wir ihnen für den Teil, der angerechnet wird, in Form reduzierter Abschläge ja etwas gut. Nur in der komplizierten Berechnung mit veränderten Zugangsfaktoren versteht das kaum ein Mensch. Vielleicht wäre der Vorgang leichter verständlich, wenn es für den Anrechnungsbetrag – wie für die aus dem Teilzeitentgelt geleisteten Beiträge – eine zusätzliche Gutschrift im Versicherungsverlauf gäbe. Das würde es anschaulicher machen, dass sich die Flexirente gleich doppelt lohnt. Wie gesagt, das Thema Rente hat auch viel mit Psychologie zu tun.
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