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Arbeiten im Rentenalter: Daten, Fakten, Hintergründe

Die Bundesregierung hofft, dass in den kommenden Jahren viele ältere Beschäftigte auch über die Altersgrenze hinaus freiwillig weiterarbeiten. Und tatsächlich: Es tut sich etwas auf dem Arbeitsmarkt. (Serie, Teil 1)

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Mann im Rentenalter steht mit Arbeitsschürze in einer Brauerei. Bild: IMAGO / Image Source / zero creatives

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Weiterarbeiten nach der Rente. Das hielt man früher eher für ein japanisches Phänomen. Doch inzwischen ist dies auch in Deutschland angekommen. Der Trend geht dabei sowohl zum Minijob als auch zur sozialversicherungspflichtigen Beschäftigung. In Teil 1 einer Serie zur “Weiterarbeit im Alter” beleuchten wir die aktuellen Daten. 

Sozialversicherungspflichtige ältere Arbeitnehmer

 

60 Jahre bis 
Regelalters-
grenze

 
 

65 Jahre bis 
Regelalters-
grenze

über Regelalters-
grenze 

 

 

Mrz 18

           2.296.589                 74.858237.702

Dez 18

           2.454.068                 89.171              258.126

Dez 19

           2.655.752              110.794              278.279

Dez 20

           2.835.190              132.501              279.005

Dez 21

           3.040.158              159.802              299.463

Dez 22

           3.252.775              191.809              328.882

Dez 23

           3.477.060              215.431              372.564

Quelle: Bundesagentur für Arbeit, eigene Bearbeitung

Im Dezember 2023 – aus diesem Monat liegen die jüngsten Daten vor – lag die Zahl der Senioren, die jenseits des regulären Rentenalters sozialversicherungspflichtig beschäftigt waren, bei knapp 373.000. Das war ein Anstieg um 44.000 gegenüber dem Vorjahr. Fünf Jahre zuvor, im März 2018 waren es noch knapp 238.000, 2012 erst 158.000 und am Anfang des Jahrhunderts sogar nur 86.000. 

Der zuletzt deutliche Anstieg ist nicht etwa ein statistischer Effekt durch die Anhebung des regulären Rentenalters. Seit einigen Jahren weist die Bundesagentur für Arbeit nicht nur die Zahl der Senioren im Alter 65plus aus. Darüber hinaus erfassen die Statistiker, wie viele Senioren – entsprechend des schrittweisen Anstiegs der regulären Altersgrenze auf 67 Jahre – nach ihrer persönlichen Regelaltersgrenze (die je nach Geburtsjahrgang unterschiedlich ist), erwerbstätig sind. Und das waren im letzten Dezember 2023 bereits 372.564. Ein neuer Höchststand. Überwiegend dürfte es sich dabei um Senioren handeln, die bei ihrem bisherigen Arbeitgeber auch über ihre Altersgrenze hinaus tätig sind. 

Eine Sonderauswertung, die die Bundesagentur für Arbeit für www.ihre-vorsorge.de vorgenommen hat, gibt mit Stand Ende Dezember 2023 detaillierte Informationen über die sozialversicherungspflichtig Beschäftigten jenseits der Regelaltersgrenze:

Arbeitszeit der sozialversicherungspflichtig Beschäftigten – Entwicklung von 2021 bis 2023

 Mrz 21Dez 21Dez 22Dez 23
     
Arbeitszeit    
Vollzeit       104.602       113.245       124.788       143.315
Teilzeit       170.909       186.218       204.094       229.249
Insgesamt         275.511         299.463         328.882         372.564
     
Vollzeitanteil38,0%37,8%37,9%38,5%

Quelle: Bundesagentur für Arbeit; eigene Berechnungen

Teilzeitarbeit überwiegt

Mehr als 143.000 Seniorarbeitnehmer übten im Dezember 2023 eine Vollzeitbeschäftigung aus. Ihre Zahl ist in den letzten Jahren kontinuierlich gestiegen. Der Anteil der Vollzeiter ist aber in etwa gleich geblieben (zuletzt: 38,5 Prozent). 

Nach wie vor dominiert bei dieser Arbeitnehmergruppe die Teilzeitbeschäftigung. Nimmt man die sozialversicherungspflichtig Beschäftigten insgesamt – über alle Altersgruppen also –,  so sind dagegen nur gut 30 Prozent teilzeitbeschäftigt.

Männeranteil bei Seniorenarbeitnehmern etwas höher

61,8 Prozent derjenigen, die im Rentenalter sozialversicherungspflichtig weiter arbeiten, sind Männer, 38,2 Prozent Frauen. In der Gesamtheit der Beschäftigten liegt der Frauenanteil bei 46,5 Prozent. Auch wenn eine genaue Auswertung dazu nicht vorliegt, so legen die Daten nahe, dass auch unter männlichen Senioren, die in jüngeren Jahren kaum teilzeitbeschäftigt sind, die Teilzeitarbeit dominiert.

Geschlecht Seniorenbeschäftigte (Dezember 2023)                  

          Alle Beschäftigten      Seniorenbeschäftigte (nach der reg. Altersgrenze)                          

Männer           53,5%                     61,8%  

Frauen            46,5%                     38,2%  

Quelle: Bundesagentur für Arbeit; eigene Berechnungen

Ausländer unterrepräsentiert

Der Ausländeranteil unter den Seniorenarbeitnehmern beträgt 9,2 Prozent, unter allen Beschäftigten sind es 15,5 Prozent.

Nationalität Seniorenbeschäftigte (Dezember 2023)                              

            Alle Beschäftigten       Seniorenbeschäftigte (nach der reg. Altersgrenze)                                                     

Deutsche        84,5%                     90,8%             

Ausländer       15,5%                      9,2%               

Quelle: Bundesagentur für Arbeit; eigene Berechnungen                                       

Seniorarbeitnehmer etwas höher qualifiziert

Nur 7,1 Prozent der im Rentenalter weiterhin arbeitenden Senioren ohne Berufsabschluss, bezogen auf alle Beschäftigten liegt dieser Wert bei 14,5 Prozent. Etwas mehr als jeder Vierte, der in höherem Alter abhängig Beschäftigten hat eine akademische Berufsausbildung. Dieser Wert liegt etwas höher als bei den Beschäftigten insgesamt  (21,4 Prozent). Eine mittlere berufliche Qualifikation haben jeweils rund 2/3 der Beschäftigten. Ihr Anteil ist unten Senior-Arbeitnehmern nur geringfügig höher.

 

Berufsausbildung Seniorenbeschäftigte (Dezember 2023)                               

                                         Alle Beschäftigten      Seniorenbeschäftigte (nach der reg. Altersgrenze)                                      

ohne Berufsausbildung                      13,2%             6,0%    

anerkannter Berufsabschluss            58,8%             56,5%  

akademische Berufsausbildung         19,6%             21,7%  

Quelle: Bundesagentur für Arbeit; eigene Berechnungen                                       

Mehr „Helfer“ und mehr „Experten-Tätigkeiten“ länger erwerbstätig

Die Daten zum Anforderungsprofil der ausgeübten Jobs zeigen ein „gemischtes Ergebnis“. Einerseits sind „Experten-Jobs“ bei den Senioren überrepräsentiert (20,5 gegen 14,5 % Prozent), andererseits aber auch „Helfer-Jobs“ (19,5 gegen 16 Prozent). Beiden „Enden“ des Qualifikationsprofils sind bei den Seniorarbeitnehmern also stärker vertreten. Knapp die Hälfte der Seniorarbeitnehmer sind „Fachkräfte“. Dieser Anteil ist bei der Gesamtheit der Beschäftigten etwas höher (54,8 gegenüber 48,6 %).

 

Anforderungsniveau der ausgeübten Beschäftigung    (Dezember 2023)

                                    Alle Beschäftigten     Seniorenbeschäftigte (nach reg. Altersgrenze)                                                                                                      

Helfer                                     16,0%                  19,5%

Fachkraft                                54,8%                  48,6%

Spezialist                                14,5%                  11,4%

Experte                                   14,5%                   20,5%

Quelle: Bundesagentur für Arbeit; eigene Berechnungen               

Mehr Ältere arbeiten bis zur regulären Altersgrenze

Die BA-Daten zeigen auch, dass die Zahl der Senioren, die im schmalen Zeitkorridor zwischen der  alten, fixen Regelaltersgrenze von 65 Jahren und ihrem persönlichen regulären Rentenalter weiterhin sozialversicherungspflichtig beschäftigt sind, in den letzten Jahren deutlich angestiegen ist. Im Dezember 2023 waren dies schon  215.000, fünf Jahre zuvor erst knapp 75.000. Natürlich ist das zum erheblichen Teil ein statistischer Effekt – verursacht durch die schrittweise Anhebung des regulären Rentenalters. Es zeigt aber auch, dass immer mehr ältere Arbeitnehmer bis zu ihrem persönlichen regulären Rentenalter tätig sind.

Tipp: Arbeitsvertrag sinngemäß interpretieren

Oft steht in alten Arbeitsverträgen noch die 65-Jahres-Grenze als Endzeitpunkt des Arbeitsverhältnisses. Gemeint war damit ursprünglich, dass das Arbeitsverhältnis mit dem regulären Rentenalter endet – und das lag eben bis 2012 bei 65 Jahren. Mittlerweile liegt das reguläre Einstiegsalter in die Altersrente bei 66 und demnächst bei 67 Jahren. Entsprechend sind solche Arbeitsverträge auszulegen – haben die Arbeitsgerichte entschieden.

Höchststand auch bei Minijobbern

Seit 2004 ist die Zahl der Senioren, die im regulären Rentenalter einen Minijob ausübten, kontinuierlich gestiegen. Lediglich in der Corona-Zeit gab es einen kleinen Rückgang. Dieser ist inzwischen mehr als kompensiert. Im Dezember 2023 zählte die Bundesagentur für Arbeit knapp 1,1 Millionen Minijobber, die ihr persönliches Regel-Rentenalter bereits überschritten hatten. Darunter waren auch 33.000 Senioren mit einer „Job-Kombi“: Sie übten den Minijob neben einer sozialversicherungspflichtigen Beschäftigung aus. Betrachtet man die Gesamtentwicklung, so ist gegenüber der „Vor-Corona-Zeit“ nur noch ein relativ kleiner Anstieg der Zahl der Minijobber im Rentenalter zu verzeichnen. Der erste Quartalsbericht der Minijobzentrale für das Jahr 2024 zeigt sogar wieder einen leichten Rückgang der Zahl der Minijobber im Alter von 65plus.

Ältere Arbeitnehmer jenseits der regulären Altersgrenze, die einen Minijob ausüben

Mrz 04

                583.227

Dez 06

                713.455

Dez 08

                756.740

Dez 10

                762.644

Dez 12

                813.895

Dez 14

                886.509

Dez 16

                937.815

Dez 18

             1.017.618

Dez 20

                998.253

Dez 22

             1.045.269

Dez 23

             1.091.298

Quelle: Bundesagentur für Arbeit, eigene Bearbeitung

Dynamischere Entwicklung bei sozialversicherungspflichtiger Beschäftigung

Fast man Minijobs und sozialversicherungspflichtige Beschäftigung zusammen, so kommt man im Dezember 2023 auf insgesamt 1,464 Millionen abhängig beschäftigte Senioren jenseits der regulären Altersgrenze. Nach wie vor dominieren dabei die Minijobs, aber das Verhältnis verschiebt sich hin zur sozialversicherungspflichtigen Beschäftigung. Seit 2018 ist er Anteil der SV-pflichtigen unter den Senioren dieser Altersgruppe kontinuierlich gestiegen, von zunächst 18,9 Prozent im Jahr 2018 auf 25,5 Prozent in 2023. Dieser Trend dürfte durch die am 17.7.2024 vom Bundeskabinett beschlossene Wachstumsinitiative noch weiter befördert werden.

Anteil sozialversicherungspflichtiger Beschäftigung bei erwerbstätigen Senioren jenseits der regulären Altersgrenze

 

Beschäftige Senioren insgesamt   davon: sozialversicherungspflichtig                             

Dez 18            1255320                                             18,9%

Dez 20            1277258                                             21,8%

Dez 22            1374151                                             23,9%

Dez 23            1463862                                             25,5%

Quelle: Bundesagentur für Arbeit, eigene Berechnungen

Senioren meist rentenversicherungsfrei

Die meisten jobbenden Senioren, die das reguläre Rentenalter überschritten haben, kombinieren Rente und Beschäftigung. Ein kleinerer Teil schiebt den Renteneinstieg auf und erhöht so seine späteren Rentenansprüche. Im Standardfall gilt: Wer schon die volle reguläre Altersrente erhält, ist zunächst einmal bei jeder Beschäftigung rentenversicherungsfrei. Das gilt sowohl für Beschäftigungen, die ansonsten in den anderen Sozialversicherungen beitragspflichtig sind, als auch für Minijobs. Auf diese Rentenversicherungsfreiheit können die Betreffenden jedoch verzichten. 

Welche Varianten es hierbei gibt, damit beschäftigen sich die weiteren Teile unserer Serie zur Seniorenbeschäftigung.

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