Berlin/Frankfurt am Main (sth). Viele ältere Beschäftigte können sich auch für das Alter noch eine berufliche Tätigkeit vorstellen - aber oft nicht unter den bisherigen Bedingungen und nicht bei ihrem derzeitigen Arbeitgeber. Das geht aus einer jetzt vom Bundesarbeitsministerium (BMAS) vorgelegten Studie hervor. Sie beruht auf der Befragung von mehr als 30 älteren Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmern durch das Institut Arbeit und Qualifikation (IAQ) an der Universität Duisburg-Essen. Laut der Studie können sich die Befragten zwar generell unterschiedliche Wege zur Rente vorstellen. Die Mehrheit bevorzuge jedoch entweder den abschlagsfreien Renteneintritt bei Erreichen der Regelaltersgrenze oder einen vorzeitigen Rentenbeginn mit Abschlägen, heißt es.
Ältere Beschäftigte würden ihren Renteneintritt “am ehesten dann aufschieben, wenn sich die Bedingungen in ihrer aktuellen Arbeit verbessern würden”, schreiben die IAQ-Sozialforscher Martin Brussig und Andreas Jansen. Ob dieses Ziel erreicht werde, liege vor allem an den Betrieben selbst. Zudem sei in der Altersgruppe der rentennahen Beschäftigten der Wunsch weit verbreitet, unter Umständen auch kurzfristig über den Zeitpunkt des Rentenbeginns entscheiden zu können. Zur Begründung würden die Befragten auf “möglicherweise einschneidende Veränderungen des eigenen Lebens oder im unmittelbaren Umfeld” verweisen, etwa auf eigene Krankheit oder Pflegebedarf sehr naher Angehöriger.
Klarer Schnitt nach dem Renteneintritt
Dass die Befragungs-Teilnehmerinnen und -Teilnehmer im Rentenalter beinahe durchgängig nicht bei ihrem aktuellen Arbeitgeber arbeiten wollten, sei “ein Indiz dafür, dass sie sich einen ,klaren Schnitt' und die ,späte Freiheit'” wünschen würden, heißt es in der Studie weiter. Viele legten Wert darauf, “noch einmal grundlegend neu über ihre Zeitverwendung entscheiden zu können”. In einigen Fällen sei der Wille zur Erwerbstätigkeit neben dem Bezug der Rente auch finanziellen Notwendigkeiten geschuldet. “Überwiegend steht aber im Vordergrund der Wunsch, weiterhin erwerbstätig zu sein”, so das Ergebnis der Forscher. Bisher nehmen viele Seniorinnen und Senioren einen Job im Alter vor allem in Form eines Minijobs wahr.
Das Besondere an der Studie ist den Autoren zufolge, dass sie erstmals die Wahrnehmungen der verschiedenen Möglichkeiten zum Renteneintritt “aus der Perspektive von Beschäftigten” beleuchtete. Dazu befragten die Wissenschaftler in vier Gruppen (dreimal acht, einmal neun Personen) insgesamt 33 sozialversicherungspflichtig beschäftigte Frauen und Männer zwischen 60 und 66 Jahren, die noch keine Rente beziehen.
