Berlin (dpa). Obwohl die Regelaltersgrenze seit 2012 um volle 12 Monate angestiegen ist, hat sich das Zugangsalter in den Ruhestand nur um acht Monate erhöht. Auf diese Diskrepanz weisen Forscherinnen des Instituts der deutschen Wirtschaft (IW) in Köln hin. Als Grund für die Lücke machen sie die „Möglichkeiten des vorzeitigen Renteneintritts“ aus. Ihre Schlussfolgerung: „Die Frührenten laufen dem ursprünglichen Ziel der Politik entgegen, mit der Anhebung der Regelaltersgrenze die Lebensarbeitszeit zu verlängern.“
6,6 Millionen Babyboomer in Altersrente
Die Zahl der Babyboomer in Altersrente ist auf zuletzt rund 6 Millionen gestiegen – 1,1 Millionen bezogen dabei eine vorzeitige Rente. Das Institut der deutschen Wirtschaft (IW) geht in einer neuen Erhebung von einem weiteren Anstieg aus, wenn die Politik nicht einschreitet. Insgesamt gab es 2024 nach diesen Zahlen 19,3 Millionen Babyboomer, also Angehörige besonders geburtenstarker Jahrgänge.
Die Forscherinnen des IW drücken in ihrer Analyse die Erwartung aus, „dass sich die steigende Inanspruchnahme der Frührente weiter fortsetzt“. Ihrem Bericht zufolge bezogen 2023 erst rund 4,5 Millionen Babyboomer eine Altersrente – davon 0,9 Millionen vorzeitig, also vor der Regelaltersgrenze. Ein Jahr später hat demnach der Geburtsjahrgang 1958 das Renteneintrittsalter erreicht, entsprechend erhöhten sich die Zahlen (inklusive Altersrenten für Schwerbehinderte).
IW fordert schnelle Reform
Deshalb lobt das IW die Vorschläge der Rentenkommission der Regierung. Zu den Empfehlungen zählt unter anderem, die Möglichkeit zum abschlagsfreien, vorzeitigen Renteneintritt zu streichen. Das IW bezeichnete diese Pläne als „zentral, um das durchschnittliche Rentenzugangsalter zu erhöhen“. Bundeskanzler Friedrich Merz (CDU) und Arbeitsministerin Bärbel Bas (SPD) hatten eine Umsetzung sämtlicher Kommissionsempfehlungen angekündigt, Gewerkschaften haben mit Widerstand gedroht.
Das IW mahnt: „Wichtig ist, die Elemente zeitnah umzusetzen, um möglichst viele Babyboomer länger im Arbeitsmarkt zu halten und zu verhindern, dass die Wirkung durch Ausnahmen wieder abgeschwächt wird.“
