München (tö). Viele Arbeitnehmer träumen davon: Eigene Arbeitszeit auf einem Zeitwertkonto anzusparen und dann eine längere bezahlte Auszeit zu nehmen oder so den Weg in den Ruhestand zu verkürzen. Doch dieses Modell ist in Deutschlands Unternehmen noch wenig verbreitet. Das geht aus einer Untersuchung der Universität Hamburg und der Fondsgesellschaft Fidelity hervor.
Demnach bietet nur knapp ein Drittel (29,6 Prozent) von 460 befragten Unternehmen und Organisationen mit mehr als 300 Beschäftigen ihren Mitarbeitern ein Zeitwertkonto an. Besonders häufig sind laut der Auswertung die Modelle im öffentlichen Sektor und in großen Firmen. Bei Unternehmen mit 300 bis 999 Beschäftigten bietet nur etwa ein Fünftel der Betriebe ein solches Konto an. Bei Unternehmen mit 3.000 bis 4.999 Mitarbeitern erhöht sich der Anteil auf mehr als ein Drittel (38,5 Prozent).
Früher in den Ruhestand
Zeitwertkonten werden in der betrieblichen Praxis „vor allem als Instrument zur Gestaltung des Übergangs in den Ruhestand genutzt“, heißt es in der Untersuchung. Und weiter: „Andere lebensphasenorientierte Nutzungszwecke wie Weiterbildung, Pflege oder Elternzeit spielen demgegenüber eine geringere Rolle. Zeitwertkonten erfüllen damit gegenwärtig in vielen Organisationen primär eine rentennahe Funktion.“
Dass viele Unternehmen bislang auf Zeitwertkonten verzichten, führten die Wissenschaftler der Uni Hamburg vor allem auf den hohen Verwaltungsaufwand zurück, auf fehlende Informationen und offene Fragen beim Schutz vor einer Insolvenz des Arbeitgebers, bei der Bilanzierung sowie beim organisatorischen Aufwand.
Arbeitnehmer, die ein sogenanntes Wertguthaben aufgebaut haben – zum Beispiel durch Vergütungen für Mehrarbeit, für Überstunden oder nicht genommenem Urlaub –, dann aber ihren Job verlieren, können sich an die Deutsche Rentenversicherung (DRV) wenden. Darauf macht die DRV in der neu aufgelegten Broschüre „Wertguthaben übertragen“ aufmerksam. Demnach gibt es mehrere attraktive Möglichkeiten für eine Auszahlung des Wertguthabens durch die Rentenversicherung.
