Duisburg/Essen (iaq/sth). Aufgrund des zunehmenden Fachkräftemangels ist es nach Ansicht vieler Fachleute unerlässlich, ältere Beschäftigte nach Möglichkeit bis zur Regelaltersgrenze im Arbeitsmarkt zu halten. Auf der anderen Seite wollen zahlreiche Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer laut Studien trotz des Anstiegs der gesetzlichen Altersgrenzen immer noch vorzeitig aus dem Erwerbsleben ausscheiden. Betriebe könnten diesem Trend jedoch mit geeigneten Maßnahmen entgegenwirken, schreibt das Institut Arbeit und Qualifikation (IAQ) der Universität Duisburg-Essen in seinem aktuellen Altersübergangs-Report. Die Studie beruht nach Angaben der Studienautoren Max Keck und Martin Brussig auf der Untersuchung von Betrieben mit Betriebs- oder Personalrat.
Für ihre Analyse betrieblicher Maßnahmen, die eine Beschäftigung bis zum Rentenalter unterstützen, zogen die IAQ-Wissenschaftler die Betriebs- und Personalrätebefragung 2021 des gewerkschaftsnahen Wirtschafts- und Sozialwissenschaftlichen Instituts (WSI) heran. Laut der Analysen der Forscher ist vor allem eine wirksame Interessenvertretung eine gute Voraussetzung dafür, dass die Betriebe die Belange älterer Beschäftigter ernst nehmen. 92,5 Prozent der Betriebe mit Betriebs- oder Personalrat böten von acht ausgewählten Maßnahmen mindestens eine zur Beschäftigungsförderung älterer Arbeitnehmer an. Dazu gehörten zum Beispiel spezielle Weiterbildungen für Ältere oder das Erarbeiten von Leitbildern zur Unterstützung der Arbeit mit Älteren. Beziehe man auch Betriebe ohne Betriebs- oder Personalrat in die Untersuchung ein, böten dagegen nur 17 Prozent der Unternehmen enstprechende Maßnahmen an, heißt es.
Häufiger Belastungsanpassungen als individuelle Lösungen
Die Forscher unterteilen die Maßnahmen für ihre Analyse in solche zur Anpassung der Belastung oder der Arbeitsanforderungen sowie Maßnahmen zur Förderung von Altersdiversität. Diese zielen laut der Studienautoren “auf eine Unternehmens- und Arbeitskultur ab, in der Mitarbeitende unterschiedlichen Alters wertgeschätzt und ihren Bedürfnissen entsprechend eingesetzt werden”. Ein Beispiel dafür sei die gezielte Einrichtung altersgemischter Teams. Maßnahmen zur Belastungsanpassung würden jedoch “deutlich häufiger ergriffen als solche zur Altersdiversität”, heißt es in der Studie. „Vermutlich haben sich Maßnahmen zur Belastungsanpassung in den Betrieben bereits etabliert, sodass die nötigen Prozesse unkompliziert angestoßen werden können und relativ reibungslos ablaufen“, so Keck.
Einen klaren Nachholbedarf gibt es nach Erkenntnissen der Wissenschaftler bei den Maßnahmen zur Förderung der Altersdiversität jedoch auch in Betrieben mit einem Betriebs- oder Personalrat. „Eine wertschätzende Arbeitskultur auch gegenüber älteren Beschäftigten beugt einer Frustration vor, die oft bewirkt, dass Ältere schon in Rente gehen, selbst wenn sie noch länger arbeiten könnten und dies vielleicht auch grundsätzlich wollen“, sagt Keck. Die Schulung von Führungskräften mit Blick auf Ältere sei “ein zentrales Element”, um dieses Ziel zu erreichen. Hier sollten Unternehmen nach Ansicht der Wissenschaftler ansetzen, damit das „Älterwerden im Betrieb“ auch gelingt.
