Ihre-Vorsorge Logo

Armutsbericht: 17,6 Prozent müssen auf Wichtiges verzichten

Auf mehr als 600 Seiten beleuchtet die Regierung die wirtschaftliche Lage der Menschen in Deutschland. Einige Erkenntnisse sind überraschend. Aber ein Armutsforscher zeigt sich enttäuscht.

Lesezeit

3 Minuten

Veröffentlicht

Mitarbeiter der Tafel Frankfurt sortieren Lebensmittel. Bild: IMAGO / epd / Heike Lyding

© Nicht definiert

Berlin (dpa). Wegen Armut müssen 17,6 Prozent der Menschen in Deutschland auf wichtige Güter, Dienstleistungen oder Aktivitäten verzichten. Dieser Wert für 2024 geht aus dem neuen Armuts- und Reichtumsbericht hervor, den das Bundeskabinett in Berlin verabschiedet hat. 

Weitere wichtige Ergebnisse aus dem mehr als 600 Seiten starken Bericht:

  • Die Unterschiede bei Einkommen sind zwischen 2010 und 2020 gewachsen – denn die verfügbaren Haushaltseinkommen stiegen den Angaben zufolge zwar in allen Einkommensschichten, aber bei Gutverdienern mehr als bei Menschen mit geringerem Lohn oder Gehalt. Auch die Inflation traf Geringverdiener stärker.
  • Bei Vermögen habe sich die Ungleichheit verringert, sie sei aber größer als bei den Einkommen, heißt es im Bericht. “Die zehn Prozent vermögendsten Haushalte besitzen 54 Prozent des gesamten Nettovermögens. 2010/11 waren es noch 59 Prozent. Die Haushalte in der unteren Hälfte der Verteilung besaßen dagegen nur etwa 3 Prozent des Gesamtvermögens.”
  • Eine Befragung ergab laut Bericht, dass viele Menschen subjektiv das Ausmaß von Armut und Reichtum höher einschätzen als dies nach üblichen statistischen Maßstäben ausgewiesen wird. Als arm gelten laut Statistik Haushalte mit einem Einkommen von etwa 1.300 Euro monatlich, Einkommensreichtum beginnt laut gängiger statistischen Abgrenzung bei etwa 4.300 Euro, wie es im Bericht heißt.

“Riesiger Datenfriedhof”

Der siebte Armuts- und Reichtumsbericht der Bundesregierung war im Entwurf schon einige Wochen bekannt und hat Kritik auf sich gezogen. So bemängelt der Armutsforscher Christoph Butterwegge, es handele sich um einen “riesigen Datenfriedhof”. “Wer zu erfahren hofft, ob sich die Kluft zwischen Arm und Reich in Deutschland während des Berichtszeitraums vertieft oder eher geschlossen hat, wo die Gründe hierfür liegen und was dagegen zu tun ist, wird jedoch enttäuscht”, schreibt Butterwegge in einer Stellungnahme. 

Reichtum werde verschleiert, wenn man Menschen mit einem Nettoeinkommen von 4.500 bis 5.000 Euro monatlich als “einkommensreich” definiere und Menschen mit einem Nettovermögen von 500.000 Euro als “vermögensreich”. “Die Beschränkung auf zehn Prozent der Wohlhabenden verstellt den Blick auf das reichste Prozent und das reichste Promille, die hierzulande einen Großteil des Gesamtvermögens halten”, kritisiert Butterwegge. “Die fünf reichsten (Unternehmer-)Familien in Deutschland besitzen zusammen ein Privatvermögen von 250 Milliarden Euro, mehr als die ärmere Hälfte der Bevölkerung, immerhin über 40 Millionen Menschen.” 

CDU sieht als Ausweg Arbeit

Der Grünen-Bundestagsabgeordnete Timon Dzienus nannte die Ergebnisse des Berichts schockierend. “Die ungleiche Vermögensverteilung in diesem Land ist Gift für unsere Gesellschaft.” Es sei nicht zu rechtfertigen, dass die reichsten zehn Prozent die Hälfte des Vermögens besäßen und die untere Hälfte “quasi nichts", sagte Dzienus der Deutschen Presse-Agentur. ”Armut ist kein Naturgesetz, sondern Folge politischer Entscheidungen."

Die CDU-Politikerin Ottilie Klein wertete die Ergebnisse anders. Der Bericht zeige, dass Arbeit das beste Mittel sei, um Armut zu verhindern. “Statt Klassenkampf-Debatten brauchen wir eine starke Wirtschaft für mehr sichere und gut bezahlte Arbeitsplätze”, sagte Klein der dpa. Das Investitions-Sofortprogramm sei ein wichtiger erster Schritt. “Auch die Bürgergeld-Reform wird dazu beitragen, mehr erwerbsfähige Menschen in Arbeit zu vermitteln.”

Mehr zum Thema


Weitere Artikel

Time
3 Minuten

Trotz großem Veränderungsdruck wagen immer weniger Beschäftigte den Sprung in eine neue Branche. Für wen sich der Branchenwechsel jetzt lohnt.

Time
2 Minuten

Das Landesarbeitsgericht Hamm sieht in einer Online-Krankschreibung ohne Arztgespräch einen gravierenden Vertrauensbruch. Welche Folgen das für Arbeitnehmer haben kann.

Time
3 Minuten

Wie kann der massive Kostenanstieg in der Pflegeversicherung eingedämmt werden? Und wie kann der Bund dabei helfen? Der Chef der Techniker Krankenkasse macht konkrete Vorschläge.

Time
2 Minuten

In der gesetzlichen Krankenversicherung soll die Obergrenze für die Beiträge um 300 Euro extra steigen. Aber trifft dies wirklich Gutverdiener? Der Arbeitsmarkt-Experte Enzo Weber befürchtet das Gegenteil.

Time
5 Minuten

Eltern stehen oft zwischen Einmischen und Loslassen, wenn es um die Berufswahl ihrer Kinder geht. Experten raten: Begleiten statt bestimmen. So geht’s.

Time
2 Minuten

Die Koalition kehrt aus der Sommerpause zurück – und mit ihr die Kritik an geplanten Änderungen für die Krankschreibung.

Bleiben Sie auf dem Laufenden

Verpassen Sie kein Thema mehr.

Unser Newsletter informiert Sie regelmäßig und aktuell rund um die Themen Rente, Finanzen, Gesundheit und Soziales. Keine Werbung und 100% kostenlos.

Kontakt zur Deutschen Rentenversicherung

Wie können wir Ihnen weiterhelfen?
Icon Telefon
Kostenloses Servicetelefon
Mo. – Do. 08:00 – 19:00, Fr. 08:00 – 15:30
Logo Deutsche Rentenversicherung
Eine Initiative der Deutschen Rentenversicherung

Rechtliches

Service

Logo klein Deutsche Rentenversicherung
Eine Initiative der Deutschen Rentenversicherung
© Ihre-Vorsorge 2026