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DIW: Familien sind größter Pflegedienst Deutschlands

Berliner Sozialforscher erwartet, dass die häusliche Pflege wegen des demografischen Wandels in den nächsten Jahren noch bedeutender wird.

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DIW: Familien sind größter Pflegedienst Deutschlands

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Berlin (diw/sth). Die meisten Pflegebedürftigen in Deutschland werden von Angehörigen, Freunden oder Bekannten versorgt – unentgeltlich und oft ohne professionelle Unterstützung. Von den derzeit rund fünf Millionen Pflegebedürftigen, die zu Hause leben, trifft das auf rund vier Millionen Menschen zu. Bei dieser sogenannten informellen Pflege zeigt sich laut einer gemeinsamen Studie des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung (DIW), des Deutschen Zentrums für Altersfragen (DZA) und der Technischen Universität Dortmund eine große Vielfalt – mit Blick auf zeitliche und finanzielle Aufwendungen, das Alter, Bildungshintergründe und Einkommensquellen der Pflegenden. „Angehörige und andere nahestehende Personen sind der größte Pflegedienst Deutschlands“, sagt Johannes Geyer, stellvertretender Leiter der Abteilung Staat im DIW Berlin und einer der Studienautoren. „Im Zuge des demografischen Wandels wird die informelle Pflege in den nächsten Jahren noch bedeutender werden.“

Der überwiegende Teil der informellen Pflege kommt der Studie zufolge Menschen außerhalb des eigenen Haushalts zugute und wird von Menschen im Alter zwischen 50 und 65 Jahren erbracht - häufig den Kindern der Pflegebedürftigen. Pflege innerhalb des eigenen Haushalts sei dagegen seltener und betreffe vor allem die Partnerin oder den Partner. “Frauen übernehmen in beiden Fällen den größten Anteil der Pflege”, heißt es in der Studie: “64 Prozent der Pflegenden sind weiblich, 36 Prozent männlich”. Fast die Hälfte (47 Prozent) der außerhäuslich Pflegenden leisteten drei Mal pro Woche oder häufiger Unterstützung. Innerhäuslich Pflegende seien oft bereits im Ruhestand (45 Prozent), unter den außerhäuslich Pflegenden seien es hingegen nur 16 Prozent, ermittelte DIW-Forscher Geyer.

Familienpflegegeld kann Pflegende finanziell unterstützen

Um die Belastungen abzufedern, prüft die Bundesregierung ein Familienpflegegeld. Als mögliche Maßnahme wird die Einführung einer Lohnersatzleistung diskutiert. Diese soll pflegende Angehörige finanziell unterstützen, wenn sie ihre Arbeitszeit reduzieren oder aussetzen müssen. „Ein Familienpflegegeld kann helfen, die finanzielle Lage von Pflegenden zu stabilisieren. Es greift aber zu kurz, wenn langfristige Pflegesituationen oder Menschen außerhalb des Erwerbslebens nicht berücksichtigt werden“, erklärt Peter Haan, Leiter der Abteilung Staat im DIW. 

Da der absehbar steigende Pflegebedarf nach Ansicht der Studienautoren nicht allein durch Familien und Freundeskreise aufgefangen werden könne, müsse die Pflegeinfrastruktur gestärkt werden. Dazu gehöre nicht nur der Ausbau professioneller Pflegeangebote, sondern auch eine finanzielle Stabilisierung der sozialen Pflegeversicherung. „Um private Pflegenot zu verhindern, muss die Pflegeversicherung mehr Mittel und Möglichkeiten erhalten. Informelle Pflege ist unverzichtbar, darf aber nicht überfordert werden“, so Haan.

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