Berlin (diw/sth). Die deutsche Wirtschaft steht aufgrund des demografischen Wandels und des Ausscheidens der Babyboomer-Generation aus dem Arbeitsmarkt vor einem zunehmenden Arbeits- und Fachkräftemangel. Dieser wird das Produktionspotenzial der deutschen Wirtschaft erheblich einschränken. Das inländische Steigerungspotenzial zur Deckung des Arbeitskräftebedarfs ist aber nur gering, so dass der Migration eine zentrale Rolle zufällt. Das geht aus einer am Donnerstag vom Deutschen Institut für Wirtschaftsforschung (DIW) in Berlin veröffentlichen Studie hervor.
Bereits seit 2023 wird der Studie zufolge der Aufbau der sozialversicherungspflichtigen Beschäftigung lediglich durch ausländische Arbeitskräfte getragen. Aktuelle Berechnungen zeigten, dass “ohne Migration die Wachstumsrate des Potenzials von derzeit lediglich 0,4 Prozent rasch auf null sinken würde”, so die DIW-Forschenden Angelina Hackmann, Konstantin A. Kholodilin und Teresa Schildmann. Um die Potenzialrate bis 2029 wieder zu ihrem langfristigen Mittelwert von 1,1 Prozent - dem Durchschnittswert für den Zeitraum von 2004 bis 2023 - zu heben, wäre den Berechnungen zufolge eine Zuwanderung von 1,5 Millionen Erwerbspersonen notwendig.
Um die Zuwanderung von Arbeitskräften aus Drittstaaten attraktiver zu machen, sei das reformierte Fachkräfteeinwanderungsgesetz “zwar ein Schritt in die richtige Richtung”, schreiben die Wissenschaftler. Um den positiven Effekt ausländischer Arbeitskräfte auf den Arbeitsmarkt und das Potenzial der deutschen Wirtschaft aber weiter zu stärken, müssten politische Maßnahmen wie der Abbau von bürokratischen Hürden bei der Visaerteilung und der Anerkennung von Qualifikationen vorangetrieben werden. Zudem sei es notwendig, die Sprachkenntnisse und Weiterqualifizierungen von Zugewanderten zu fördern, um ein Missverhältnis zwischen dem Arbeitsangebot und -bedarf zu vermeiden.
