Ihre-Vorsorge Logo

Sozialstaat kaum teurer als früher

Studie zeigt: Ausgabenquote für Rente und Arbeitslose ist stabil oder sogar rückläufig. Das Gesundheitssystem kostet mehr und bringt zu wenig.

Artikel vorlesen
Ein Stapel Münzen liegt auf einem Dokument, daneben ein Taschenrechner.

© Nicht definiert

Berlin (kr). Der Sozialstaat in seiner heutigen Form sei volkswirtschaftlich nicht mehr finanzierbar, hatte Bundeskanzler Merz in den letzten Wochen wiederholt erklärt. Dem widersprechen Wissenschaftler des Instituts für Makroökonomie und Konjunkturforschung (IMK) der Hans-Böckler-Stiftung. In einer Pressemitteilung des gewerkschaftsnahen Instituts heißt es, die Gesamtausgaben für soziale Sicherung seien in Deutschland weder “auffällig groß”, noch “auffällig gestiegen”. Gemessen an der Wirtschaftsleistung seien die Ausgaben in zentralen Bereichen wie Grundsicherung, Rente und Arbeitslosenversicherung unverändert beziehungsweise niedriger als vor 15 oder vor 20 Jahren

In Relation zum Bruttoinlandsprodukt gestiegen seien dagegen die Ausgaben für Kinder- und Jugendhilfe sowie bei der Pflegeversicherung. Gründe dafür sehen die Wissenschaftler im Ausbau der Kinderbetreuung und bei besser vergüteten Pflegeleistungen. 

Als “wirklich problematisch” bewerten die IMK-Autoren die Kostenentwicklung im Gesundheitssystem. Dabei liege Deutschland im internationalen Vergleich sehr weit vorne. Die Ausgaben der gesetzlichen Krankenversicherung sind den Angaben zufolge zwischen 2004 und 2024 von 6,0 auf 7,5 Prozent des Bruttoinlandsprodukts gestiegen. Aufwendungen der privaten Krankenversicherungen, der Beihilfe und der privaten Haushalte kämen hinzu. 

Demgegenüber stünden aber Defizite bei der Lebenserwartung oder der Gesundheit der Bevölkerung, so die Autoren Prof. Dr. Sebastian Dullien und Dr. Katja Rietzler.  Der “Befund hoher Kosten bei mittelmäßiger Gesundheit der Bevölkerung” sei besorgniserregend.

Deutschland im Mittelfeld

Insgesamt betrachtet lägen die Ausgaben für den Sozialstaat in Deutschland im internationalen Vergleich im Mittelfeld der entwickelten EU-Staaten. Der Ausgabenzuwachs zwischen 2002 und 2022 sei sogar der drittniedrigste unter 27 OECD-Staaten, für die Daten verfügbar waren. 

Erhebungen des Bundesministeriums für Arbeit und Soziales (BMAS) zeigten für 2024 einen Anstieg der deutschen Sozialleistungsquote. Laut IMK seien diese Daten aber nicht vollständig denen der OECD zu vergleichen. Nach Berechnungen des Statistischen Bundesamts zum Bruttoinlandsprodukt im August 2025 habe die Sozialleistungsquote 2024 bei 31,0 Prozent und damit 1,1 Prozentpunkte höher als im Vorjahr gelegen. Dies sei in erster Linie „ein Problem unzureichenden Wirtschaftswachstums, nicht übermäßiger Ausgabensteigerungen“. 

Fazit der Forschenden: “Wenn es Reformbedarf in den sozialen Sicherungssystemen in Deutschland gebe, dann betreffe dieser am ehesten die Krankenversicherung.” Das dürfe aber nicht auf Kosten der Patientinnen und Patienten gehen. Vorschläge wie etwa Gebühren für Arztbesuche lehnen die Forscher “als nicht besonders sinnvoll” ab. 

Mehr zum Thema


Weitere Artikel

Time
1 Minuten

Die EH-55-Förderung ist beliebt, nun legt das Bauministerium nach. Wer davon profitieren will, muss allerdings schnell sein.

Time
2 Minuten

Wie viel spart man wirklich durch die Führerscheinreform? Verkehrsminister Steffen Bilger nennt erstmals konkrete Zahlen – und erklärt, warum nicht alle Fahrschüler gleichermaßen profitieren.

Time
1 Minuten

Der Sozialverband Deutschland (SoVD) will, dass die Verhinderungspflege als eigenständige Leistung erhalten bleibt. Ansonsten könnte für pflegende Angehörige faktisch eine Kürzung bevorstehen.

Time
5 Minuten

Wer verspricht Landarzt zu werden, bekam leichter einen Studienplatz. Doch gegen die Quotenregelung gibt es zahlreiche Klagen. Erstmals hat ein Gericht nun einige grundsätzliche Fragen klargestellt.

Time
4 Minuten

53 Prozent fühlen sich psychisch belastet, 50 Prozent berichten von Fehlern bei der Medikation: Eine Umfrage zeigt, welche Schwierigkeiten pflegende Angehörige oft haben.

Time
2 Minuten

Pflegeheime verwahren Bargeld oft sicher für die Bewohner und zahlen es bei Bedarf aus. Das aber führt nicht selten zu Streit.

Bleiben Sie auf dem Laufenden

Verpassen Sie kein Thema mehr.

Unser Newsletter informiert Sie regelmäßig und aktuell rund um die Themen Rente, Finanzen, Gesundheit und Soziales. Keine Werbung und 100% kostenlos.

Kontakt zur Deutschen Rentenversicherung

Wie können wir Ihnen weiterhelfen?
Icon Telefon
Kostenloses Servicetelefon
Mo. – Do. 08:00 – 19:00, Fr. 08:00 – 15:30
Logo Deutsche Rentenversicherung
Eine Initiative der Deutschen Rentenversicherung

Rechtliches

Service

Kostenlos und jederzeit abbestellbar – nach dem Absenden wählen Sie Themen und Rhythmus.

Logo klein Deutsche Rentenversicherung
Eine Initiative der Deutschen Rentenversicherung
© Ihre-Vorsorge 2026