Berlin (dpa). Einsamkeit hat nicht zwingend etwas mit der Höhe des Alters zu tun. Das zeigt eine Studie des Deutschen Zentrums für Altersfragen. Befragungen von Menschen in der zweiten Lebenshälfte haben demnach ergeben, dass sich Menschen ab 76 durchschnittlich weniger einsam fühlen als Menschen zwischen 43 und 55. „Dieser Befund widerspricht der weitverbreiteten Annahme, dass Einsamkeit im höheren Alter zunimmt“, heißt es in der Untersuchung.
Ältere zufriedener mit weniger Kontakten?
Als mögliche Erklärung heißt es, ältere Menschen könnten zufriedener mit einem kleineren, aber beständigen sozialen Umfeld sein, während Jüngere möglicherweise noch eine größere Anzahl an Kontakten benötigten, um sich sozial eingebunden zu fühlen. Möglicherweise befänden sich in der höchsten Altersgruppe auch weniger einsame Menschen, weil Personen, die nicht einsam seien, eine höhere Lebenserwartung hätten.
Das Bundesfamilienministerium wies in einer Mitteilung auf die Studie hin. Familienministerin Karin Prien (CDU) sagte: „Einsamkeit betrifft längst nicht nur ältere Menschen – auch in der Lebensmitte ist sie weit verbreitet, oft unsichtbar und unterschätzt.“ Gerade in dieser Lebensphase sei das Gefühl für einige besonders ausgeprägt. Zwischen beruflichem Druck und familiären Verpflichtungen fehle vielen das Erleben von echter Verbundenheit.
Zusammenhang zwischen Einsamkeitsrisiko und Einkommen
Die Verteilung von Einsamkeit sei komplex und folge nicht simplen demografischen Merkmalen. „Ein eindeutigerer Risikofaktor“ sei ein niedriger sozioökonomischer Status. „Je geringer das Einkommen, desto höher ist das Einsamkeitsrisiko.“
Zudem fühlten sich Erwerbstätige im Durchschnitt weniger einsam als Nicht-Erwerbstätige. Der Studie zufolge fühlt sich etwa jede elfte befragte Person ab 43 Jahren „sehr einsam“. Insgesamt wiesen Menschen in der zweiten Lebenshälfte im Durchschnitt ein eher moderates Einsamkeitsniveau auf.
Für die Studie wurden Daten aus den Jahren 2017 und 2023 des Deutschen Alterssurveys (DEAS) ausgewertet. Dabei handelt sich den Angaben zufolge um eine repräsentative, regelmäßig stattfindende Befragung von Menschen in der zweiten Lebenshälfte. Der DEAS sei die zentrale Studie zu Alter und Altern in Deutschland.
