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Warum Frauen noch immer weniger verdienen als Männer

Frauen haben es auf dem Arbeitsmarkt in Deutschland immer noch im Schnitt mit niedrigeren Löhnen zu tun als Männer – und das ist nicht der einzige Unterschied.

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Gender Pay Gap: Figuren von Mann und Frau auf verschieden hohen Münzstapeln.

© Nicht definiert

Berlin (dpa). Lange war es für eine Frau im Westen Deutschlands wahrscheinlicher, keiner Beschäftigung nachzugehen, als mit Arbeit eigenes Geld zu verdienen. Ging sie aber einer Arbeit mit Verdienst nach, flossen die Euro im statistischen Vergleich wahrscheinlich weit spärlicher auf ihr Konto als bei Männern. Ist das heute immer noch so? Ein Überblick über die Situation heute und Ansatzpunkte für morgen:

16 Prozent

16 Prozent ist die Lohnlücke zwischen Frauen und Männern, errechnet vom Statistischen Bundesamt. Konkret heißt das: Frauen bekamen vergangenes Jahr im Schnitt pro Stunde 22,81 Euro – 4,24 Euro weniger als Männer.

Die Statistiker sprechen vom „unbereinigten Gender Pay Gap“, also der reinen Lohnlücke und dem durchschnittlichen prozentualen Verdienstunterschied zwischen Frauen und Männern, ohne dass strukturelle Faktoren berücksichtigt werden – etwa Unterschiede wie Qualifikation, Tätigkeit oder Beruf, Erwerbsbiografie, Beschäftigungsumfang (Vollzeit/Teilzeit) oder Karriere-Level.

Erst im vergangenen Jahr gab es eine kleine Überraschung: Die Lücke hatte sich erstmals binnen eines Jahres um 2 Prozentpunkte verringert. Mit den Lohnsteigerungen der Frauen hatten die Männer nicht mithalten können.

Zuvor waren die Unterschiede über Jahrzehnte riesig. Bis in die 80er Jahre lag die Erwerbstätigenquote der Frauen in Westdeutschland noch unter 50 Prozent, in der DDR waren Frauen weit häufiger beschäftigt.
Die Lohnlücke zwischen den Geschlechtern betrug 2006 noch 23 Prozent. Seit 2015 aber stieg der Durchschnittslohn bei Frauen spürbar stärker als bei Männern, wie das Wirtschafts- und Sozialwissenschaftliche Institut (WSI) der gewerkschaftsnahen Hans-Böckler-Stiftung analysiert hat: Der Gender Pay Gap schrumpfte.

Niedrige Löhne

Ein Grund für das im Schnitt geringere Lohnniveau bei Frauen ist, dass sie öfter in schlecht bezahlten Jobs arbeiten. Jede fünfte vollzeitbeschäftigte Frau, aber nur jeder achte vollzeitbeschäftigte Mann erzielte in Deutschland laut WSI zuletzt weniger als zwei Drittel des mittleren Entgelts in Deutschland. Zwischen 2014 und 2023 ging der Anteil vollzeitbeschäftigter Frauen mit solch geringen Löhnen allerdings stärker zurück als bei Männern. Doch sind Frauen laut den Forschern häufiger von niedrigen Löhnen betroffen als Männern – selbst wenn ausschließlich Beschäftigte in Vollzeit verglichen werden.

Hauptfaktor Arbeitszeit

7,5 Stunden pro Woche beträgt laut WSI der Abstand zwischen Frauen und Männern bei der durchschnittlichen Arbeitszeit. Seit 15 Jahren sinkt diese Arbeitszeitlücke demnach leicht – allerdings vor allem wegen eines langsamen Rückgangs der Männer-Arbeitszeiten. Denn weiter arbeiten Frauen viel häufiger in Teilzeit, dies ist bei fast jeder zweiten Erwerbstätigen der Fall.

Frauen mit Kindern arbeiten demnach 1,7-mal häufiger in Teilzeit als Frauen ohne Kinder. Männer sind dagegen mit Kindern sogar seltener in Teilzeit als Männer ohne Kinder. Der Hauptgrund für eine Reduzierung bei Männern sind – anders als bei Frauen – nicht familiäre Betreuungsaufgaben, sondern fehlende Vollzeitstellen oder eine Aus- oder Fortbildung.

Diskriminierung von Frauen

Das Statistische Bundesamt erklärt rund 60 Prozent der Lohnlücke mit höheren Teilzeitquoten bei den Frauen und geringeren Gehältern in frauentypischen Berufen. Keine eindeutige Erklärung sehen die Statistiker bei rund 6 Prozent beim Unterschied des Brutto-Stundenlohns – also durchschnittlich 1,71 Euro. Um diesen Wert ist statistisch der Verdienst auch vergleichbarer Tätigkeit und Qualifikation geringer. Es könnten zum Beispiel Schwangerschaften oder andere Erziehungs- und Pflegezeiten dahinterstecken, die nicht extra erfasst wurden. Oder aber Diskriminierung aufgrund des Geschlechts.

Abhängigkeit als Folge

Die Folge dieser Unterschiede: Frauen können ihren Lebensunterhalt viel seltener überwiegend aus eigenem Erwerbseinkommen bestreiten als Männer. Besonders oft ist dies laut den WSI-Forschern bei Frauen und Männern in Partnerschaften der Fall. Unterhaltsleistungen von Angehörigen oder Transfereinkommen sind demnach vor allem bei Frauen mit Kindern im Haushalt von zentraler Bedeutung. Nur knapp jede zweite Frau mit einem regulären Job kann ihre Existenz langfristig aus eigenem Erwerbseinkommen sichern. Die Lücke beim Einkommen führt später nicht selten zu kleineren Renten.

Kita-Plätze und flexible Arbeitszeiten

Was also könnte helfen? Die Gewerkschaften fordern „mehr Kita-Plätze, familienfreundliche Arbeitszeiten und gleichen Lohn für gleiche Arbeit“, wie DGB-Chefin Yasmin Fahimi sagt. „Was wir brauchen, ist eine Politik, die ermutigt: Politik, die es Männern und Frauen gleichermaßen möglich macht, zu arbeiten und sich um die Familie zu kümmern.“

IG-Metall-Chefin Christiane Benner macht strukturelle Probleme für die Entgeltlücke verantwortlich. „Viele Frauen arbeiten unfreiwillig in Teilzeit und haben damit schlechtere Chancen auf Weiterbildung und Aufstieg.“ Neben Kita-Plätzen legt Brenner auch Wert auf zuverlässige Pflegestrukturen. Denn nicht nur bei der Erziehung der Kinder tragen die Frauen oft die Hauptlast – sondern auch bei der Pflege der Alten.


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