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So sorgen Selbstständige gut vor

Wer sich selbstständig macht, muss sich frühzeitig um seine Kranken- und Pflegeversicherung kümmern. Warum dies auch für den Ruhestand wichtig ist – eine Entscheidungshilfe. (Teil 1)

So sorgen Selbstständige gut vor

© Nicht definiert

Freiberufler und Selbständige haben die Wahl: Sie können sich freiwillig in der gesetzlichen Krankenversicherung versichern lassen oder sich privat versichern. Dabei müssen Sie die finanzielle Situation im Alter mitbedenken.

Was Selbstständige für die Krankenkasse zahlen müssen

Als Selbstständiger und freiwillig Versicherter hängt Ihr Beitrag in der Kranken- und Pflegeversicherung von Ihrem Einkommen ab. Allerdings werden bei freiwillig Versicherten dafür nicht nur die Einkünfte aus der selbstständigen Tätigkeit herangezogen, sondern auch andere Einkünfte wie Kapitalerträge (Zinsen, Dividenden)., Unterhaltszahlungen von getrenntlebenden oder geschiedenen Ehepartnern, gesetzliche Renten, Betriebsrenten oder Direktversicherungen. 

Bei den Beiträgen gibt es zwei Varianten: Mit Anspruch auf Krankengeld ab dem 43. Krankheitstag und auf Mutterschaftsgeld vor und nach der Geburt beläuft sich der Beitrag auf 14,6 Prozent, ohne Anspruch auf Krankengeld sind es 14,0 Prozent. Hinzu kommen der Zusatzbeitrag von derzeit durchschnittlich 1,7 Prozent und der Beitrag für die Pflegeversicherung (mit Kindern: 3,05 Prozent, für Kinderlose ab 23 Jahren: 3,4 Prozent). Beiträge sind aber nur bis zur Beitragsbemessungsgrenze zu zahlen. Diese beläuft sich in der Kranken- und Pflegeversicherung 2024 auf 5.175 Euro pro Monat bundesweit. Ein Kinderloser mit durchschnittlichem Zusatzbeitrag zahlt also in diesem Jahr maximal rund 1.019 Euro (19,7 Prozent von 5175 Euro) für Pflege- und Krankenkasse. Wer als Gutverdiener hohe Beiträge zahlt und eine Krankenkasse mit geringem Zusatzbeitrag wählt, kann aber einige hundert Euro an Beiträgen im Jahr einsparen. 

Wer geringe Einkünfte hat, zahlt auch nur einen geringen Beitrag. Haben Sie aber zum Beispiel eine Auftragsflaute und liegen Ihre Einnahmen um mindestens 25 Prozent unter den Erwartungen, können Sie bei der Krankenkasse beantragen, dass der Beitrag entsprechend gesenkt wird. Es gibt aber einen Mindestbeitrag. Dieser orientiert sich an der sogenannten „Mindesteinnahme“ für Selbständige. Diese beläuft sich laut TK 2024 auf 1.178,33 Euro pro Monat. Freiwillig versicherte Selbständige mit durchschnittlich hohem Zusatzbeitrag und ohne Kind zahlen also mindestens 232 Euro im Monat, wenn sie sich einen Anspruch auf Krankengeld sichern wollen. Darauf zu verzichten, ist gerade für Selbstständige mit geringem Einkommen nicht zu empfehlen. Schließlich kostet der Anspruch auf Krankengeld nur 7,07 Euro mehr im Monat. 

Als freiwillig Versicherter zahlen Sie keine eigenen Beiträge für die Kinder. Sie sind bei Ihnen kostenlos mitversichert. Das gilt auch für die Ehefrau oder den Ehemann ohne eigenen Verdienst. 

Menschen, die einen künstlerischen oder publizistischen Beruf hauptberuflich als Selbstständige ausüben, können sich über die Künstlersozialkasse (KSK) versichern lassen. Der große Vorteil: Die KSK zahlt die Hälfte der Beiträge für die Renten-, Kranken- und Pflegeversicherung. 

Die Einkünfte sind mit dem Einkommensteuerbescheid nachzuweisen. Die Krankenkasse berücksichtigt aber auch Betriebsausgaben genauso wie das Finanzamt. Wer noch keinen Bescheid vom Finanzamt hat, kann sein voraussichtliches Einkommen auch schätzen, entsprechend wird der Beitrag zunächst veranlagt. Steht später das tatsächlich erzielte Einkommen fest, müssen Versicherte entweder nachzahlen oder sie erhalten Beiträge zurück. Die Verbraucherzentralen empfehlen, den Bescheid jedes Jahr zügig einzureichen, um hohe Beitragsnachforderungen und hohe Säumniszuschläge zu vermeiden.

Auch in der GKV steigen die Beiträge, sie sind im Ruhestand aber in der Regel günstiger als in der privaten Krankenversicherung.

Mehr zum Thema gesetzliche Krankenversicherung für Selbstständige

Was für und was gegen eine private Krankenversicherung spricht

Vorteile: 

  • Als Selbstständige oder Selbstständiger können Sie immer eine private Krankenversicherung (PKV) abschließen, auch wenn Sie mit Ihrem Einkommen sich unterhalb der Versicherungspflichtgrenze (2024: 69.300 Euro) bewegen. 
  • In jungen Jahren sind Ihre Beiträge meist niedrig. Das liegt daran, dass die Beiträge vom Tarif, Ihrem Alter und Gesundheitszustand abhängen. Je jünger Sie sind, je weniger Vorerkrankungen Sie haben, desto niedriger sind Ihre Beiträge. Ein 35-Jähriger kann für um die 500 bis 600 Euro im Monat einen guten Standardschutz bei der PKV bekommen. Die Leistungen in der PKV sind aber höher als die von gesetzlichen Krankenkassen. 
  • Existenzgründer können einen günstigen Tarif wählen und später auf einen anderen Tarif mit höheren Leistungen wechseln.

Nachteile:

  • Auch wenn das Geschäft schlecht läuft, müssen Sie Ihren Monatsbeitrag in der PKV voll weiterzahlen. 
  • Eine Rückkehr in die gesetzliche Krankenversicherung ist nicht unmöglich, aber sehr schwierig. Falls eine Rückkehr in die GKV gelingt, verlieren Sie als privat Krankenversicherter Ihre Altersrückstellungen. Dabei handelt es sich um die Rücklagen aus einem Teil Ihrer Beiträge, mit denen der Versicherer versucht, die Beitragserhöhungen im Alter zu mindern. 
  • Sie können Familienmitglieder nicht kostenlos mitversichern. Für jedes Kind fällt ein eigener Beitrag an. 

Fazit: Als privat Krankenversicherter müssen Sie damit rechnen, dass Ihre Beiträge stetig zulegen. Nach Berechnungen der Stiftung Warentest verdreifachen sich bis zum Rentenbeginn die Beiträge für eine Person, die sich mit 35 Jahren privat versichert hat. 

Wenn Sie absehen können, dass Ihr Alterseinkommen gering ist, Sie nicht viel erben oder etwa hohe Mieteinnahmen oder Kapitaleinkünfte haben, sollten Sie sich als Selbstständiger lieber von vornherein freiwillig gesetzlich krankenversichern. Denn dann hängt der Beitrag auch im Ruhestand von Ihrem Einkommen ab. 

Insofern trägt die Wahl der richtigen Variante der Krankenversicherung maßgeblich dazu bei, Ihr Risiko zu verringern, im Alter in Altersarmut zu geraten. Dieses Risiko ist aber gerade für Solo-Selbständige, die zu wenig für den Ruhestand vorsorgen, besonders hoch.

Weshalb eine Krankentagegeld-Versicherung wichtig sein kann

Privat Krankenversicherte oder freiwillig gesetzlich Versicherte, denen Ihr Krankengeld zu gering erscheint, können eine private Krankentagegeld-Versicherung abschließen. Damit lässt sich das Einkommen ausgleichen, das vor allem bei einer längeren Krankheit fehlt. Vor allem für Selbständige ist dies eine Überlegung wert. 

Schließlich haben sie – anders als sozialversicherungspflichtig Angestellte – keinen Arbeitgeber, der Ihnen für sechs Wochen Ihr volles Gehalt weiterbezahlt, bis es das Krankengeld von der Krankenkasse gibt. Und sind sie Mitglied in der PKV, gibt es ohne zusätzliche Krankentagegeldversicherung überhaupt kein Krankengeld. 

Wann aber kann sich nun eine Krankentagegeld-Versicherung lohnen?

Bei freiwillig gesetzlich versicherten Selbstständigen beträgt das Krankengeld, das es für den Beitragssatz von 14,6 Prozent gibt, 70 Prozent des regelmäßigen Arbeitseinkommens. Geld von der Krankenkasse kommt aber erst ab dem 43. Tag der bescheinigten Arbeitsunfähigkeit, nur auf Antrag und das wegen derselben Krankheit für maximal bis zu 78 Wochen innerhalb von drei Jahren. Vom Krankengeld abgezogen werden keine Steuern, aber Beiträge für die Pflege- und gegebenenfalls für die gesetzliche Rentenversicherung. 

Maximal gibt es laut TK in diesem Jahr 120,75 Euro brutto pro Tag. Netto sind also mehr als 3.000 Euro im Monat an Krankengeld durchaus drin. Das Finanzamt berücksichtigt aber später Krankengeld-Zahlungen bei der Ermittlung Ihrer Steuerschuld. Je mehr Sie für Ihren täglichen Lebensunterhalt brauchen und verdienen und je größer die Lücke zwischen laufenden Ausgaben und Anspruch auf Krankengeld, desto eher ist eine zusätzliche Krankentagegeld-Versicherung nötig. 

Sie können nun einen Wahltarif bei Ihrer Krankenkasse abschließen und so für einen Beitragszuschlag Krankengeld bereits ab der vierten Krankheitswoche bekommen. Oder bei einem privaten Versicherer eine entsprechende Versicherung abschließen, die ab der dritten oder vierten Krankheitswoche mit dem Krankengeld einspringt. Dabei gilt: Je früher Krankengeld fließen soll, je älter Sie sind und je mehr gesundheitliche Beschwerden Sie haben, desto teurer wird der Vertrag. Denn private Versicherer prüfen vorher Ihren Gesundheitszustand und berechnen dementsprechend die Beiträge.

Wann eine Pflegepflichtversicherung sinnvoll ist

Haben Sie sich als Selbständiger für die GKV entschieden, müssen Sie nichts für Ihren Pflegeschutz tun. Sie sind mit Ihren Beiträgen für die Pflegeversicherung automatisch in der gesetzlichen Pflegekasse. Sie können sich aber auf Antrag privat pflegepflichtversichern. 

Anders sieht es bei Privatversicherten aus: Sie müssen neben Ihrer PKV-Krankenpolice eine private Pflegepflichtversicherung bei einem privaten Krankenversicherer Ihrer Wahl abschließen. Auch hier richtet sich der Beitrag nach Ihrem Alter und Ihrer Gesundheit. Maximal darf er sich laut PKV-Verband in diesem Jahr auf 175,96 Euro monatlich belaufen, so viel wie höchstens bei der gesetzlichen Variante. Häufig ist der Beitrag aber bei Privatversicherten deutlich niedriger, die Leistungen sind wie bei den gesetzlichen Pflegekassen. 

Ob gesetzlich oder privat krankenversichert: Die private Pflegepflichtversicherung ist somit vor allem für junge, gesunde Menschen attraktiv, die von niedrigen Beiträgen profitieren können. Gleichzeitig gilt für beide Varianten: Steigt die Lebenserwartung an, erhöhen sich die Pflegekosten. Baut der Staat die Leistungen der Pflegeversicherung weiter aus, ist mit weiter steigenden Beiträgen zu rechnen.

Warum eine Berufsunfähigkeitsversicherung nötig ist

Wer wegen einer schweren Krankheit, eines Unfalls oder psychischer Leiden dauerhaft nicht mehr oder nur zum Teil arbeiten kann, fällt schlimmstenfalls in Armut. Das kann gerade Selbständigen passieren, die womöglich auch keine Erwerbsminderungsrente erhalten, weil sie sich gegen den Eintritt in die gesetzliche Rentenversicherung entschieden haben. Umso wichtiger ist dann für Sie eine private Berufsunfähigkeitsversicherung (BU). Damit bekommen auch Freiberufler eine zusätzliche Rente, wenn sie Ihren Beruf nicht mehr ausüben können. 

Um eine BU-Versicherung sollten Sie sich möglichst früh kümmern. Für junge Menschen sind die Verträge günstiger, auch weil es noch nicht so viele gesundheitliche Vorbelastungen gibt. Denn Versicherer verlangen bei Vorerkrankungen höhere Beiträge. Oder die Anbieter legen von vornherein fest, dass sie bei bestimmten Krankheiten mit anschließender Berufsunfähigkeit nicht zahlen. 

Sie sollten einen solchen Vertrag auf keinen Fall leichtfertig online oder beim nächstbesten Versicherungsvertreter abschließen. Lassen Sie sich von einer Verbraucherzentrale oder einem unabhängigen Versicherungsmakler beraten. Diese können aus den Angeboten vieler Gesellschaften idealerweise die besten heraussuchen und bei der Beantwortung der Gesundheitsfragen helfen. Dies gilt auch bei der Wahl einer privaten Krankenversicherung. 

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