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Dividendenstrategie: Lohnt sich das für die Altersvorsorge?

Um den Lebensstandard im Alter aufrechtzuerhalten, benötigen viele Menschen regelmäßige, zusätzliche Einkünfte. Die Ausschüttungen von Aktiengesellschaften können ein solches Standbein sein.

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Drei Euromünzenstapel mit kleinen Baumschößlingen obenauf, dahinter in weiß gezeichnet ein steigender Aktienkurs für nachhaltige Geldanlagen.

© Nicht definiert

Berlin/Köln (dpa/tmn). Die aktuelle Hauptversammlungs-Saison läuft noch, da melden Beobachter schon Ausschüttungen auf Rekordniveau. Für das vergangene Geschäftsjahr werden deutsche Aktiengesellschaften rund 54 Milliarden Euro an Dividenden ausschütten, wie die Wirtschaftsprüfungsgesellschaft EY berechnet hat. 

Wer auf der Suche ist nach einer weiteren Erlösquelle im Alter, sollte sich die Zahlen genauer anschauen. Denn mit einer Anlagestrategie, die gezielt auf Aktien mit hoher Dividende zielt, können gesetzliche und berufliche Rentenzahlungen ergänzt werden. 

Was sind Dividenden?

„Börsennotierte Unternehmen können ihren Aktionären Dividenden auszahlen. Das bedeutet, dass sie einen Teil ihrer Unternehmensgewinne ausschütten, statt sie zum Beispiel wieder zu investieren“, erklärt Max Schmutzer, Finanzexperte bei der Stiftung Warentest. Wie hoch die Dividende ausfällt, wird auf der jährlichen Hauptversammlung festgelegt und hängt meist davon ab, wie das vergangene Geschäftsjahr gelaufen ist.

Wichtig: Es besteht kein Anspruch auf Dividenden. Es gibt viele Unternehmen, die gar keine Ausschüttung vornehmen. Darunter auch Börsengroßgewichte wie zum Beispiel die Google-Mutter Alphabet oder der Versandhändler Amazon, berichtet Markus Richert, Berater beim Vermögensverwalter Portfolio Concept. Andere zahlen dagegen regelmäßig. 

„In den USA hat die Dividende einen anderen Stellenwert als in Deutschland“, sagt Richert. „Während hierzulande in der Regel einmal pro Jahr Gewinne ausgeschüttet werden, zahlen US-Unternehmen oft monatlich oder vierteljährlich Dividenden.“

Wie viel Rendite ist möglich?

Das ist, je nach Unternehmen, völlig unterschiedlich. Im vergangenen Jahr erhielten Anlegerinnen und Anleger, die Aktien von Mercedes-Benz hielten, laut dem Börsenportal finanzen.net zum Beispiel eine Dividendenrendite von knapp 8 Prozent, Allianz-Investoren gut 5 Prozent und Bayer-Anleger gerade mal knapp 0,6 Prozent. 

Die Dividendenrendite in Prozent lässt sich berechnen, indem man die festgelegte Dividende pro Aktie durch den aktuellen Aktienkurs teilt und das Ergebnis anschließend mit 100 multipliziert. „In guten Jahren sind Renditen zwischen vier bis sechs Prozent möglich“, sagt Richert. Allerdings ist bei dieser Betrachtung Vorsicht angebracht. „Die Quote kann sehr hoch liegen, wenn der Aktienkurs eines Unternehmens gefallen ist. Das kann ein Signal für eine negative Geschäftsentwicklung sein.“

Wie sinnvoll ist es, auf Dividenden zu setzen?

Manche Finanzblogger haben um Dividenden einen regelrechten Hype entfacht. Gerade in Zeiten der Nullzinspolitik der Europäischen Zentralbank galten Dividenden als die „neuen Zinsen“. Und viele Anleger denken auch, die Ausschüttungen seien geschenktes Geld. Dem ist aber nicht so, urteilt Markus Richert. 

„Dividenden sind eine vorweggenommene Gewinnausschüttung. In der Regel sinkt der Aktienkurs des Unternehmens durch diese Zahlung, weil Gelder rausgenommen werden und so der Unternehmenswert sinkt.“ Die Dividende reduziert also die Kursrendite der Aktie.

Oft gelten Dividendenaktien außerdem als krisensicher, denn es sind in der Regel Unternehmen mit soliden Geschäftsmodellen, die Gewinne ausschütten. Wie etwa Versicherungen, Banken oder Versorger. „Wir betrachten Dividenden-Strategien dennoch nicht als überlegene Anlagestrategie. Ob sie tatsächlich dauerhaft den Markt schlagen, ist unsicher“, sagt Schmutzer. Anleger sollten auf die Gesamtperformance achten, statt nur auf die Ausschüttungen.

Für wen ist die Dividendenstrategie geeignet?

Wer noch dabei ist, sein Vermögen aufzubauen, sollte von einer Dividendenstrategie Abstand nehmen, so der Rat von Vermögensverwalter Richert. „Wenn man aber regelmäßige Ausschüttungen haben möchte, kann sich das anbieten. Zum Beispiel für Ruheständler kann das eine Möglichkeit sein, regelmäßige Zahlungen zu erhalten.“ 

Damit tatsächlich ein zusätzliches Einkommen daraus wird, muss das investierte Vermögen allerdings schon recht groß sein. Angenommen, im Depot liegen 20.000 Euro und die Dividendenrendite beträgt fünf Prozent. Dann werden einmal pro Jahr 1.000 Euro ausgeschüttet. Bei 200.000 Euro liegt die Auszahlung schon bei 10.000 Euro.

Dividenden können auch einen psychologischen Effekt haben, so Schmutzer. „Wenn regelmäßig Geld fließt, kann es Anlegern helfen, langfristig investiert zu bleiben“. Er rät, eine Dividendenstrategie eher als Beimischung ins Depot zu holen, zu einem breit aufgestellten Portfolio. Bis zu zehn Prozent des investierten Gesamtkapitals könne dieser Baustein im Portfolio wiegen.

Wie baut man ein Dividendendepot auf?

Letztlich kann sich jeder sein Dividendendepot nach Gusto zusammenstellen. Es gibt jedoch verschiedene Strategien, die von Anlegern häufiger umgesetzt werden. Etwa „Dogs of the Dow“. Das Grundprinzip ist einfach. Anleger wählen jedes Jahr aufs Neue die Aktien aus, die die höchste Dividendenrendite aufweisen. Oder sie setzen auf sogenannte Dividenden-Aristokraten. Das sind Unternehmen, die ihre Ausschüttung seit mindestens 25 Jahren ständig erhöht haben. Entsprechende Listen finden sich auf einschlägigen Börsenportalen.

„Wer langfristig investieren möchte, sollte sich eher an den Dividenden-Aristokraten orientieren“, empfiehlt Richert. „Und trotzdem sollten sich Anleger genau anschauen, welche Aktien sie kaufen.“ Eine hohe Dividendenquote allein ist zwar ein erster Indikator, sollte aber nicht das alleinige Auswahlkriterium sein. Schließlich kann, siehe oben, die Quote auch lediglich durch vorherige Kursverluste hoch ausfallen. Richert empfiehlt zu prüfen, welchen Anteil der Gewinne das Unternehmen ausschüttet. 40 bis 60 Prozent gelten als gesund. Auch Cashflow, Bilanz und Geschäftsmodell sollten sich Anleger genau anschauen.

Gerade für Kleinanleger gibt es noch eine Alternative, zu der Max Schmutzer von der Stiftung Warentest rät. „Es gibt spezielle Fonds und ETF, die auf die Dividendenstrategie setzen. Sparer können davon Anteile kaufen und haben so auch gleich eine breite Streuung.“ 

Die fehlende Streuung ist ein Risiko bei der Dividendenstrategie. „Wer in Einzelaktien investiert, konzentriert sich in der Regel auf wenige Unternehmen“, so Schmutzer. Dadurch schwanke der Depotwert stärker und das Portfolio sei unsicherer als mit einer breiten Streuung.

Und was ist mit der Steuer?

Für Kapitalerträge sind seit vielen Jahren nicht mehr die persönlichen, individuellen Steuersätze maßgeblich, die auch für andere Einkommensarten gelten. Stattdessen behält die depotführende Bank 25 Prozent des Gewinns als Abgeltungsteuer ein und führt diese ans Finanzamt ab. Hinzu kommt darauf der Solidaritätszuschlag von 5,5 Prozent. Und für Kirchenmitglieder auch noch die Kirchensteuer von maximal 9 Prozent – macht in Summe bis zu 27,99 Prozent Abzüge (Nicht-Mitglieder der Kirche: 26,375 Prozent),wie das Ratgeberportal Finanztip vorrechnet.

Freistellungsauftrag verhindert Abzüge

Allerdings werden diese Abgaben erst fällig, wenn die Kapitalerträge einer Einzelperson, also neben Dividenden auch noch etwa Zinserträge oder Gewinne aus Aktienverkäufen, den Wert von 1.000 Euro überschreiten. Zusammenveranlagte Ehepaare können Kapitalerträge in Höhe von 2.000 Euro steuerfrei vereinnahmen.

Damit die depotführende Bank auf Erträge unterhalb dieser Grenzen erst gar keine Steuerabzüge vornimmt, können Sparerinnen und Sparer dort einen Freistellungsauftrag in ausreichender Höhe hinterlegen. Das geht meist online. Wer das verpasst, kann sich zu viel gezahlte Steuern auch über die Steuererklärung zurückholen. Dafür muss einfach die Anlage KAP ausgefüllt werden. Eine Reihe von Möglichkeiten also, um über eine langfristig angelegte Dividendenstrategie die Altersvorsorge abzurunden.

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