München (tö). Nach millionenschweren Fehlinvestitionen bei Krankenkassen, Kassenärztlichen Vereinigungen und Versorgungswerken ist nun auch die fünfgrößte Sterbekasse Deutschlands, der Bochumer Versicherungsvereins auf Gegenseitigkeit (BVaG), in eine finanzielle Schieflage geraten. Die deutsche Finanzaufsicht Bafin hat der Sterbekasse deshalb bereits die Lizenz entzogen. Das Unternehmen darf nun keinen neuen Versicherungsverträge mehr abschließen. Bestehende Verträge werden laut Bafin zwar fortgeführt, es seien jedoch mit Genehmigung der Finanzaufsicht „Leistungskürzungen möglich“, teilte die Behörde mit. Der BVaG, gegründet von Mitgliedern der Montanindustrie (Bergbau, Kohle, Eisen, Stahl), hat etwa 120.000 Mitglieder. Diese haben bei dem traditionsreichen Verein eine Sterbegeldversicherung abgeschlossen. Stirbt ein Mitglied, wird den Verbliebenen eine festgelegte Summe ausbezahlt, mit der diese ihr Begräbnis bezahlen können.
Hohe Abschreibungen auf Immobilien-Investments
Nach Angaben der Bafin weist die BVaG einen Fehlbetrag auf – „auf Grund von Abschreibungen auf immobilienbezogene Kapitalanlagen“. Dieser Fehlbetrag sei „nicht durch Eigenkapital gedeckt“. Es liege bislang auch kein „Finanzierungsplan zur Beseitigung dieser Unterdeckung“ vor. Deshalb gehe das Unternehmen nun in die Abwicklung über. Informationen des Wirtschaftsmagazins Capital zufolge soll es um Abschreibungen in Höhe von etwa 30 Millionen Euro gehen. Der Fehlbetrag soll durch Immobilieninvestments entstanden sein. Wie Capital weiter berichtet, soll die Sterbekasse unter anderem über Fonds Kundengeld in Pflegeheime gesteckt und in Immobilienfonds investiert haben. Diese Anlagen seien aber in „massive Schwierigkeiten“ geraten.
Fehlinvestitionen von mindestens 17 Krankenkassen und Vereinigungen
Der Niedergang der Sterbekasse ist damit der nächste Fall eines institutionellen Investors, der sich mit dem Geld der Versicherten beziehungsweise seiner Mitglieder verspekuliert hat. Die Süddeutsche Zeitung, NDR und WDR hatten berichtet, dass mittlerweile mindestens 17 Krankenkassen und Kassenärztliche Vereinigungen Millionenbeträge in diversen Immobilienfonds verloren hätten. Viele institutionelle Investoren wie die verschiedenen Kassen hatten in der Niedrigzins- und Nullzinsphase in Immobilien investiert – in der Hoffnung, damit höhere Renditen zu erzielen als mit den damals gering verzinsten Staatsanleihen. Doch nach dem Anstieg der Bauzinsen und dem vorübergehenden Fall der Immobilienpreise entpuppten sich nicht wenige dieser Immobilieninvestments als Fehlinvestitionen.
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