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Niederländische Betriebsrentenreform: Beitrag statt Leistung

Die bisher leis­tungs­ori­en­tier­ten Betriebs­ren­ten im Nachbarland sollen von 2023 bis 2027 in Beitragszusagen umge­wan­delt werden.

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Dünen an der andalusischen Atlantikküste. Bild: IMAGO / CHROMORANGE

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Den Haag/Brüssel (dsv/sth). Vor dem Hin­ter­grund der altern­den Gesell­schaft und dau­er­haft nied­ri­ger Zinsen hat das nie­der­län­di­sche Par­la­ment eine Reform der Betriebs­ren­ten beschlos­sen, die am 1. Januar 2023 in Kraft tre­ten soll. Danach wer­den die der­zeit leis­tungs­ori­en­tier­ten Betriebs­ren­ten in bei­trags­orientierte Zusagen umge­wan­delt. Die voll­stän­dige Umset­zung solle bis zum Jahr 2027 abge­schlos­sen sein, berichtet die Europavertretung der Deutschen Sozialversicherung (DSV) in Brüssel. 

Die betrieb­li­che Alters­vor­sorge ist in den Nie­der­lan­den weit ver­brei­tet. So ver­fü­gen unge­fähr 89 Pro­zent der Beschäf­tig­ten über Anwart­schaf­ten auf eine Betriebs­rente. Das Betriebs­ren­ten­sys­tem basiert pri­mär auf leis­tungs­ori­en­tier­ten Ren­ten­zu­sa­gen. Dabei han­delt es sich um bedingte Leis­tungs­zu­sa­gen. Die Ver­si­cher­ten erwer­ben Ren­ten­an­sprü­che, die an die Lohn- oder Preis-Ent­wick­lung ange­passt wer­den. Dies steht unter dem Vor­be­halt der Finanz­lage des jewei­li­gen Fonds. Unter extre­men Umstän­den kön­nen die Ren­ten­zah­lun­gen somit auch gekürzt wer­den. 

Dies ist seit 2010 bei eini­gen Betriebs­ren­ten auch gesche­hen. Andere konn­ten nur durch eine kurz­fris­tige Locke­rung bei den Solva­bi­li­täts­an­for­de­run­gen – also der Eigen­mit­tel – eine Kür­zung ver­mei­den. Vor diesem Hin­ter­grund haben sich die nie­der­län­di­sche Regie­rung und die Sozi­al­part­ner im Som­mer 2020 auf die Eck­punkte einer grund­le­gen­den Reform der Betriebs­ren­ten geei­nigt.

Der neue Betriebsrentenvertrag

Um den bis­he­ri­gen kol­lek­ti­ven Cha­rak­ter der Betriebs­ren­ten auch in einem bei­trags­de­fi­nier­ten Sys­tem bei­zu­be­hal­ten, wurde der „neue Ren­ten­ver­trag“ – niederländich: nieuwe pensioencontract (NPC) – ent­wor­fen. Wesent­li­ches soli­da­ri­sches Ele­ment ist dabei die „Soli­da­ri­täts­re­serve“. In diese Reserve zah­len alle Bei­trags­zah­len­den einen fes­ten Anteil von bis zu zehn Pro­zent ihrer Bei­träge ein. Damit sol­len beispielsweise Schocks auf den Finanz­märk­ten gene­ra­tio­nen­über­grei­fend abge­fe­dert wer­den. Dage­gen wird das Nied­rig­zins­ri­siko nicht mehr zwi­schen den Gene­ra­tio­nen aus­ge­gli­chen.

Bis zum Jahr 2027 soll die voll­stän­dige Umstel­lung auf bei­trags­de­fi­nierte Betriebs­ren­ten erfolgt sein. Dies ist welt­weit ein Novum. Bis­he­rige Refor­men sahen meist über einen län­ge­ren Zeit­raum ein Neben­ein­an­der von alten und neuen Ver­trä­gen vor. Nur Anwart­schaf­ten von jun­gen Ver­si­cher­ten wur­den umge­hend umge­wan­delt. In den Nie­der­lan­den haben die Sozi­al­part­ner hierzu ver­ein­bart, dass diese Umwand­lung gene­ra­tio­nen­ge­recht erfol­gen soll. Die in der Ver­gan­gen­heit erwor­bene Anwart­schaf­ten wer­den hierzu bewer­tet und in indi­vi­du­elle Kapi­tal­kon­ten über­führt. Aller­dings zei­gen Model­lie­run­gen, dass unter­schied­liche Bewer­tungs­ver­fah­ren zu stark abwei­chen­den Ergeb­nis­sen bei der Gene­ra­tio­nen­ge­rech­tig­keit füh­ren.

Aktuelles Zinshoch löst Diskussionen aus

Das aktu­elle Zins­hoch hat in den Nie­der­lan­den im Vor­feld der Ent­schei­dung der ers­ten Kam­mer, ver­gleichbar dem Bun­des­rat in Deutsch­land, eine Dis­kus­sion um die Umset­zung der im März 2022 vom nie­der­län­di­schen Par­la­ment (zweite Kam­mer) beschlos­se­nen Betriebs­ren­ten­re­form aus­ge­löst. Die Reform wurde ursprüng­lich vor dem Hin­ter­grund dau­er­haft nied­ri­ger Zin­sen ver­ein­bart. Die jetzt stei­gen­den Zin­sen füh­ren nun jedoch zu höhe­ren Ren­ten und zu sin­ken­den Bei­trä­gen der Arbeit­ge­be­rin­nen und Arbeit­ge­ber. 

Aller­dings sinkt in Folge der erhöh­ten Zin­sen der Kapi­tal­stock der Pen­si­ons­fonds. Denn die Pen­si­ons­fonds sind gesetz­lich ver­pflich­tet, einen erheb­li­chen Teil in Anlei­hen anzu­le­gen. Diese ver­lie­ren bei stei­gen­den Zin­sen jedoch an Wert. In der Folge würde eine erneute Nied­rig­zins­phase den Druck auf das bis­he­rige leis­tungs­de­fi­nierte Sys­tem noch­mals erhö­hen. Der Vor­sit­zende des nie­der­län­di­schen Ver­ban­des der Betriebs­ren­ten­fonds, Ger Jaarsma, hat daher die Branche und die Regierung aufgefordert, an der Reform fest­zu­hal­ten. Ziel müsse sein, die Betriebs­ren­ten­fonds aus der Abhän­gig­keit von der Zins­ent­wick­lung zu befreien.

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