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Experten-Antwort

Erwerbsminderungsrente mit 25? Oder andere finanzielle Unterstützung?

von kurtspriter16.12.2021 | 07:25
426 Ansichten
11 Antworten
Hallo liebe Mitmenschen, ich habe folgendes Problem: Ich bin 25 Jahre alt und leide mein ganzes Leben lang unter Depressionen und einer Persönlichkeitsstörung. Nach Schulabbrüchen, wiederholten Schuljahren und 2 Psychiatrie-Aufenthalten habe ich jetzt endlich das Abitur erlangt (nach insgesamt 16 Schuljahren). Ich habe ein Studium begonnen und nach 3 Wochen abgebrochen. Gearbeitet habe ich bisher noch gar nicht, jedoch diverse Praktika ausprobiert. Ich bin zu dem Schluss gekommen, dass es mir aufgrund der Krankheit unmöglich ist, vernünftig einer Arbeit nachzugehen. Ich würde sogar gern arbeiten, Naturwissenschaften waren mein Traum und ich fühle mich super schlecht als "Sozialschmaro..." aber man muss der Realität ins Auge blicken. Von irgendwas muss ich ja leben. Aktuell lebe ich bei meinem Vater zu Hause und lebe von seiner Rente, die etwas knapper bemessen ist weil er schon mit 53 Invalidenrente bekommen hat. Das reicht nur schwerlich. Was soll ich beantragen? Erwerbsminderungsrente? ALG I? ALG II? Sozialhilfe? Ich habe keine Ahnung von all diesen Sachen und möchte einfach nur vom Staat trotz meine Krankheit aufgefangen werden. Ich hab einfach nur riesen Panik, dass ich irgendwann auf der Straße lande. Bitte gebt mir einen Rat, was ich tun soll.

1 Experten-Antwort

Experten-Antwortam 16.12.2021 | 10:35

Hallo kurtspriter,

Erklärbär hat bereits zutreffend dargestellt, dass ein Anspruch auf Erwerbsminderungsrente wohl nicht besteht. Lassen Sie sich zu eventuellen Leistungen der Grundsicherung von Ihrer örtlichen Stadtverwaltung beraten.

10 Antworten

Erklärbäram 16.12.2021 | 08:39
Aufgrund fehlender Einzahlung werden die versicherungsrechtlichen Voraussetzungen einer EMR wahrscheinlich nicht erfüllt werden :-(. Wenn die Ärzte Erwerbsminderung feststellen, käme dann wahrscheinlich eher Grundsicherung infrage. Waren die Praktika denn "auf eigene Faust" oder im Rahmen einer begleiteten Maßnahme? Da gibt es ja ein riesiges Spektrum an Möglichkeiten? Sind Sie an ein Ambulant Betreutes Wohnen angebunden? Oder an eine andere Maßnahme? Vielleicht können Sie sich an den Sozialpsychiatrischen Dienst Ihres örtlichen Gesundheitsamtes wenden und sich dort beraten lassen, was es vor Ort an Möglichkeiten der Anbindung gibt und mit dem hoffentlich vorhandenen Psychiater oder Neurologen die Voraussetzungen für die Erwerbsminderung besprechen. Ein Ambulant Betreutes Wohnen könnte bei diversen Anträgen und weiterer Lebenswegeplanung unterstützen. Muss leider aber auch beantragt werden - daher wäre mein erster Impuls der Sozialpsychiatrische Dienst. Alles Gute!!!
kurtspriteram 16.12.2021 | 10:11
Die Praktika waren "auf eigene Faust", weil ich in den Arbeitsalltag reinschnuppern wollte und das war schon ziemlich anstrengend für mich. Mit ambulant betreutem Wohnen habe ich keine Erfahrung. An welche Bedingungen ist das denn geknüpft? Ich wohne halt ganz normal bei meinem Vater. Schon mal Danke für die Hilfe! Ich bin froh das einem auch manchmal jemand entgegenkommt. Beim Arbeitsamt und auch beim Amtsarzt bekomme ich eher zu hören, dass ich mich zusammenreißen soll und das ja gar nicht beurteilen könne, wenn ich noch nie gearbeitet habe. Theoretisch sollte ich das vielleicht wirklich mal versuchen, aber ich hab halt Angst dass das meine Krankheit wieder "triggert" also ein starkes Tief verursacht, und wer fasst schon gern freiwillig auf eine heiße Herdplatte?
Erklärbäram 16.12.2021 | 10:59
kurtspriter schrieb

Die Praktika waren "auf eigene Faust", weil ich in den Arbeitsalltag reinschnuppern wollte und das war schon ziemlich anstrengend für mich.

Mit ambulant betreutem Wohnen habe ich keine Erfahrung. An welche Bedingungen ist das denn geknüpft? Ich wohne halt ganz normal bei meinem Vater.

Schon mal Danke für die Hilfe! Ich bin froh das einem auch manchmal jemand entgegenkommt. Beim Arbeitsamt und auch beim Amtsarzt bekomme ich eher zu hören, dass ich mich zusammenreißen soll und das ja gar nicht beurteilen könne, wenn ich noch nie gearbeitet habe.

Theoretisch sollte ich das vielleicht wirklich mal versuchen, aber ich hab halt Angst dass das meine Krankheit wieder "triggert" also ein starkes Tief verursacht, und wer fasst schon gern freiwillig auf eine heiße Herdplatte?

Ambulant betreutes Wohnen bedeutet ganz grob und vereinfacht erklärt, dass du i. d. R. einmal pro Woche ein Treffen mit einem Sozialarbeiter (m/w/d) hast und Unterstützung erhältst bei Alltagsdingen, Ämterangelegenheiten, beruflichen Fragen, sonstigen Problemen. Wo du wohnst ist egal. Daher "ambulant". Die kommen zu dir oder du zu denen in die Einrichtung. Gib einfach mal bei einer Internetsuchmaschine "ambulant betreutes Wohnen für psychisch Erkrankte" ein und klick dich durch. Da ich keinen Wohnort nicht kenne, kann ich keine Träger benennen. Sind häufig die Wohlfahrtsverbände. Da dann einfach mal anrufen und einen Erstkontakt erbitten. Sie erklären dann auch das Antragsverfahren (bundeslandabhängig).
Schadeam 16.12.2021 | 13:33
Klaro schrieb

Warum empfiehlt ihm keiner eine Emr (leistungslos) zu beantragen und dann Grundsicherung zu kassieren ?

Weil das "Schwachsinn" ist einem Menschen der nie einen Cent eingezahlt hat, zu raten einen Rentenantrag zu stellen. Dieser Antrag würde sofort aglehnt werden und die DRV würde in so einem Fall sicher kein Gutachten veranlassen. Wenn das Sozialamt im Rahmen seiner Aufgabenerfüllung der Meinung ist, die Erwerbsfähigkeit sei zu prüfen ist, wird das Sozaialamt das Nötige veranlassen. Und dann zahlt das Sozialamt die Kosten der Begutachtung!
Klaroam 16.12.2021 | 13:16
Warum empfiehlt ihm keiner eine Emr (leistungslos) zu beantragen und dann Grundsicherung zu kassieren ?
Klkam 16.12.2021 | 13:25
Der allererste Ansprechpartner ist das Sozialamt. Die werden eh von sich aus alles in die Wege leiten. Es wird im Rahmen des Antrags geprüft ob und seit wann Sie EM sind und ob das Sozialamt dann für Sie zuständig ist. Wenn nicht, werden Sie an den zuständigen Träger übergeleitet.
Aloisam 16.12.2021 | 15:08
Klaro schrieb

Warum empfiehlt ihm keiner eine Emr (leistungslos) zu beantragen und dann Grundsicherung zu kassieren ?

Dem Fragesteller wird suggeriert, dass alles ganz easy ist, sagen das man krank ist und schwupp GruSi und das wahrscheinlich für 40 Jahre. Als wenn das so einfach wäre, das "Arbeitsamt" hat derartiges schonmal nicht in Auftrag gegeben!
Der Michelam 16.12.2021 | 15:35
Nun da Sie ja das Abi geschafft haben..ist jedenfalls davon auszugehen...das Sie nicht dumm sind...also warum keine Berufsfindung übers Arbeitsamt....außerdem sollte ja bei dieser Erkrankung auch eine Schwerbehinderung vorliegen oder gegebenfalls ein Ausweis beantragt werden..so hätte das Arbeitsamt wohl auch die Aufgabe eine Inklusion durchzuführen....also nach Berufsfindung..Ausbildung in einem Berufsbildungswerk..außerdem gibt es ja dann zur weiteren Eingliederung...sogenannte Stifungen die vielleicht einen Weg finden...und wenn dann nichts funktioniert ist wohl das Sozialamt zuständig...aber vorher wird es wohl schwierig!
Beratungsbedarfam 17.12.2021 | 09:16
Fragen Sie bei Ihren behandelnden Ärzten nach geeigneten Beratungsstellen, notfalls auch Selbsthilfegruppen vor Ort. Bundesweit sind z.B. sog. EUTB tätig. Dort sollen Betroffene anderen Betroffenen helfen. Auch sozialpsychiatrische Dienste können weiterhelfen. Über mögliche finanzielle Leistungen haben Sie ja jetzt schon einiges erfahren. Auf Grund Ihres Alters möchte ich Sie aber auch auf die Möglichkeit der Arbeit in einer WfbM und das Budget für Arbeit hinweisen.
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