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Experten-Antwort

Frage zu Erwerbsminderungsrente

von Susanne09.09.2024 | 14:20
471 Ansichten
27 Antworten

Fragen beantworten Expertinnen und Experten der Deutschen Rentenversicherung.

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Liebes Expertenteam, bereits im August 22 habe ich einen Antrag auf (Teil-) Erwerbsminderungsrente gestellt und nach Ablehnung Widerspruch eingelegt. Zu der Zeit habe ich noch 80% gearbeitet. Nun soll die Rente doch bewilligt werden - die DRV hat nun die Krankenkasse angeschrieben um zu klären, inwieweit ich den Zeitpunkt des Leistungsbeginns noch selbst wählen kann. Seit Antragstellung hat sich mein Gesundheitszustand stark verschlechtert, ich beziehe Krankengeld und es ist unklar, ob ich überhaupt wieder arbeiten kann. Ob mir die volle oder die teilweise EMR bewilligt wird weiß ich noch nicht. Finanziell wäre ich insbesondere mit der vollen EMR deutlich schlechter gestellt als mit Krankengeld, auf das ich noch 1 Jahr lang Anspruch hätte. Daher meine Frage - habe ich im Falle der Genehmigung der vollen EMR die Möglichkeit diese in eine Teil-EMR umwandeln zu lassen? Wie verhält sich dies seitens DRV und auch der Krankenkasse? Den Antrag hatte ich freiwillig gestellt, und auch nichts schriftlich erhalten, dass mein Dispositionsrecht eingeschränkt wäre. Habe auch schon überlegt den Widerspruch zurückzuziehen, aber falls ich je doch wieder stundenweise arbeiten könnte, hätte ich bei einem Neuantrag sicher schlechtere Chancen auf Bewilligung. Außerdem befürchte ich Schwierigkeiten mit der Krankenkasse. Ich hoffe sehr, dass man mir hier weiterhelfen kann, und bedanke mich schon einmal vielmals!

Antworten vom Expertenteam

Alle Antworten im Überblick · chronologisch sortiert

5
Expertenantwort · 1Deutsche Rentenversicherung

Hallo Susanne,

 

Sie können Ihren Antrag grundsätzlich auf die Rente wegen teilweiser Erwerbsminderung beschränken. 

 

Bezüglich Ihres Anspruchs auf Krankengeld sollten Sie sich bei Ihrer Krankenkasse erkundigen. 

 

Viele Grüße

Ihr Expertenteam der Deutschen Rentenversicherung

Expertenantwort · 2Deutsche Rentenversicherung
Antwort auf EMDas ist ja interessant! Wo ist das denn gesetzlich festgeschrieben?

Hallo EM,

 

das ergibt sich aus § 43 SGB VI. Nach dieser Vorschrift haben Versicherte bei Erfüllung der Voraussetzung einen "Anspruch" auf eine Rente wegen teilweiser Erwerbsminderung (Absatz 1). "Anspruch" bedeutet, dass man ein subjektives Recht hat - aber keine Pflicht. 

 

Nach Absatz 2 der Vorschrift haben Versicherte bei Erfüllung der Voraussetzungen Anspruch auf Rente wegen voller Erwerbsminderung. Auch dieser Anspruch bedeutet wieder, dass man ein Recht auf die Rente hat, aber keine Verpflichtung, diese Rente auch tatsächlich in Anspruch zu nehmen.

 

§ 43 Absatz 1 SGB VI und § 43 Absatz 2 SGB VI sind zwei eigenständige Anspruchsgrundlagen. Daher sind die beiden Ansprüche unabhängig voneinander und können im Rahmen des sogenannten Dispositionsrecht getrennt voneinander geltend gemacht werden.

 

Da es in der Regel nicht vorteilhaft ist, einen Antrag auf Rente auf die Rente wegen teilweiser Erwerbsminderung oder die Rente wegen voller Erwerbsminderung zu beschränken, wird im Rentenantrag zwischen den beiden Renten nicht unterschieden. Die Ansprüche schließen einander auch nicht aus, sondern können gleichzeitig bestehen.     

 

Viele Grüße

Ihr Expertenteam der Deutschen Rentenversicherung 

Expertenantwort · 3Deutsche Rentenversicherung
Antwort auf Praktische Umsetzung?Und was heißt das in der Praxis? Wo genau kann ich im EM-Rentenantrag angeben, dass ich nur eine teilweise, aber keine volle EM-Rente beantrage und damit eine volle EM-Rente von vorneherein ausschließen möchte? Und bekommt man, wenn man eine volle EM-Rente bewilligt bekommen hat, dann automatisch nur durch bloße formlose Erklärung automatisch ein teilweise EM-Rente ohne weitere Prüfungen? Das sind doch die entscheidenden Fragen!

Hallo Praktische Umsetzung?,

 

im Online-Antrag (eAntrag) gibt es als drittletzten Punkt ein Feld "Bemerkungen zum Antrag", da können sie den Antrag entsprechend einschränken.

 

Wenn Sie eine Rente wegen voller Erwerbsminderung bewilligt bekommen haben, können Sie den Antrag auf diese Rente zurücknehmen und auf den Antrag auf Rente wegen teilweiser Erwerbsminderung beschränken, solange der Bewilligungsbescheid noch nicht bindend geworden ist. Sie haben dann Anspruch auf die Rente wegen teilweiser Erwerbsminderung, da bei festgestellter voller Erwerbsminderung immer auch teilweise Erwerbsminderung vorliegt (= wenn das Leistungsvermögen unter 3 Stunden liegt, dann liegt es immer auch unter 6 Stunden).  

 

Viele Grüße

Ihr Expertenteam der Deutschen Rentenversicherung 

Expertenantwort · 4Deutsche Rentenversicherung
Antwort auf Susanne Vielen Dank für Ihre Antwort! Beim Antrag hatte man ja keine direkte Wahlmöglichkeit, konnte nur eine Selbsteinschätzung angeben. Bedeutet dies in der Praxis dass danach entschieden wird? Dann wäre ich sehr froh, da ich noch immer hoffe, stundenweise wieder an meinen Arbeitsplatz zurückkehren zu können.

Hallo Susanne,

 

nein, es wird nicht nach der Selbsteinschätzung entschieden, sondern auf der Grundlage der medizinischen Unterlagen und Gutachten. Die Selbsteinschätzung ist dabei nur ein Indiz. Die Feststellung, ob volle oder teilweise Erwerbsminderung vorliegt, richtet sich rein nach Ihrer körperlichen, seelischen und geistigen Leistungsfähigkeit auf dem allgemeinen Arbeitsmarkt und hat nichts damit zu tun, ob Sie Ihren Antrag auf eine bestimmte Rentenart beschränken.   

 

Zur Möglichkeit der Beschränkung des Antrags siehe meine Antwort an @Praktische Umsetzung?

 

Viele Grüße

Ihr Expertenteam der Deutschen Rentenversicherung

Expertenantwort · 5Deutsche Rentenversicherung
Antwort auf Susanne Vielen Dank für die Infos, diese und die Antwort an "Praktische Umsetzung" waren sehr hilfreich! Dann kann ich den Bescheid ja einfach abwarten. Schade dass ich das mit der Einschränkung des Antrags nicht wusste

Hallo Susanne,

 

wie Sie an den anderen Antworten und der Diskussion in diesem Beitrag erkennen können, ist die Möglichkeit, den Antrag auf die Rente wegen teilweiser Erwerbsminderung zu beschränken, vielfach nicht bekannt.

 

Sollte diese Möglichkeit auch Ihrem Sachbearbeiter bei der Rentenversicherung nicht geläufig sein (Solch eine Beschränkung kommt selten vor), weisen Sie ihn bitte darauf hin, dass die Rentenversicherungsträger hierüber auf einer Regionaltagung diskutiert und übereinstimmend festgestellt haben, dass eine Beschränkung auf die Rente wegen teilweiser Erwerbsminderung (bei nicht eingeschränktem Dispositionsrecht) möglich ist. Das "Aktenzeichen" für diese Regionaltagung  lautet: RBRTN 1/2019, TOP 8.   

 

Viele Grüße

Ihr Expertenteam der Deutschen Rentenversicherung 

 

 

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22 Antworten

Dirkam 09.09.2024 | 14:34
Hallo, Sie können den Antrag selbstverständlich zurücknehmen. Eine Wahl von voller auf teilweise EMR zu wechseln haben Sie jedoch nicht. Warten Sie einfach den Bescheid ab und sehen dann weiter. MfG
Maxam 09.09.2024 | 14:47
Monetäre Überlegungen sind zwar verständlich, aber wirklich Erwerbsgeminderte sind froh, wenn sie die Rente bekommen. Ein Feilschen um den Rentenbeginn erweckt eher den Eindruck, dass man die Rente wohl doch nicht so nötig hat.
Wunsch und Wirklichkeitam 09.09.2024 | 14:48
Nein, Sie haben keinen "Antrag auf (Teil-) Erwerbsminderungsrente" gestellt. Man kann nur einen EM-Rente allgemein beantragen (ohne Einschränkung auf teilweise EM-Rente) und die DRV enscheidet dann, ob man eine volle, eine teilweise oder gar keine EM-Rente bekommt. Auch entscheiden weder Sie persönlich und auch nicht die Krankenkasse, sondern ausschließlich die DRV, wie das Leistungsfall-Datum (erstes Vorliegen der Erwerbsminderung) der ggf. gewährten EM-Rente festgelgt wird. Sie haben dabei null Mitspracherecht. Und schon gleich gar nicht interessiert es die DRV, dass Sie gerne noch möglichst lange aus finanziellen Gründen Krankengeld beziehen wollen. Wäre ja auch noch schöner. Einen EM-Rente ist definitiv kein Wunschkonzert, bei dem Ihnen alles möglichst vorteilhaft und wunschgemäß eingerichtet wird. Sie müssen also die Entscheidung der DRV abwarten, ob Sie gar keine, eine teilweise oder eine volle EM-Rente bekommen. Das erfahren Sie dann, wenn Sie den Rentenbescheid in Händen halten, vorher nicht. Wenn Sie dann mit dem Bescheid nicht zufrieden sind, können Sie Widerspruch einlegen und auch vor dem Sozialgericht klagen. Wenn es eine volle EM-Rente wird, können Sie diese natürlich nicht einfach "per Zuruf" in eine teilweise EM-Rente umwandeln. Wenn Sie dann dauerhaft mehr als die "unter 3 Stunden täglich" arbeiten (von einer möglichen maximal sechsmonatigen "Arbeitserprobung" abgesehen), wird Ihnen die volle EM-Rente aberkannt werden. Das bedeutet aber natürlich NICHT, dass Sie dann automatisch eine teilweise EM-Rente bekommen. Kann auch gut sein, dass Sie dann gar keine EM-Rente mehr erhalten.
Horstam 09.09.2024 | 15:58
Die Krankenkasse kann auch gerne noch eine Aufforderung nachschieben und dann gibt es nämlich kein Wahlrecht mehr. Mein Krankengeld wäre auch 800 € höher geworden gewesen, als die volle Erwerbsminderungsrente. Man kann nicht alles planen im Leben. Und die Krankenkasse hat bei mir gerade mal einen Monat was bezahlen müssen. Ich hab die volle Erwerbsrente bekommen und bin zufrieden, dann muss ich eben mal auf das Geld verzichten.
Praktische Umsetzung?am 09.09.2024 | 16:00
Zitat von Experte/in anzeigenausblenden
Und was heißt das in der Praxis? Wo genau kann ich im EM-Rentenantrag angeben, dass ich nur eine teilweise, aber keine volle EM-Rente beantrage und damit eine volle EM-Rente von vorneherein ausschließen möchte? Und bekommt man, wenn man eine volle EM-Rente bewilligt bekommen hat, dann automatisch nur durch bloße formlose Erklärung automatisch ein teilweise EM-Rente ohne weitere Prüfungen? Das sind doch die entscheidenden Fragen!
Wer hat den denn losgelassen?am 09.09.2024 | 16:43
Zitat von Praktische Umsetzung? anzeigenausblenden
Das sollen die entscheidenden Fragen sein? Lies dir noch mal die Expertenantwort durch: Das ist in der Regel unvorteilhaft! Hast auch noch nie was davon gehört, daß man im Rentenantrag freie Angaben machen kann, oder? Und nein: Eine teilweise EMR bekommt man NIE automatisch und ohne weitere Prüfung!
Susanneam 09.09.2024 | 16:59
Zitat von Experte/in anzeigenausblenden
Vielen Dank für Ihre Antwort! Beim Antrag hatte man ja keine direkte Wahlmöglichkeit, konnte nur eine Selbsteinschätzung angeben. Bedeutet dies in der Praxis dass danach entschieden wird? Dann wäre ich sehr froh, da ich noch immer hoffe, stundenweise wieder an meinen Arbeitsplatz zurückkehren zu können.
Wer hat den denn losgelassen?am 09.09.2024 | 17:01
Zitat von Wer hat den denn losgelassen? anzeigenausblenden
PS: im Übrigen bin ich hier der selbsternannten Forums-Ausputzer, weil es bis zum Oberlehrer bei mir bei weitem nicht gereicht hat. Darum pöble ich halt hier rum. Mehr habe ich leider nicht drauf.
Susanneam 09.09.2024 | 17:11
Meine Überlegungen würde ich nicht als monetär, sondern vielmehr als existenziell bezeichnen. Es stecken noch mehr Aspekte dahinter, die ich hier nicht alle aufzählen konnte, wie z.B. der Einfluss auf den bestehenden Arbeitsvertrag
Wer hat den denn losgelassen?am 09.09.2024 | 17:27
Hat er dich getroffen? Das tut mir wirklich leid!
Susanneam 09.09.2024 | 17:28
Zitat von Wunsch und Wirklichkeit anzeigenausblenden
Wunsch und Wirklichkeit schrieb

Nein, Sie haben keinen "Antrag auf (Teil-) Erwerbsminderungsrente" gestellt.

Man kann nur einen EM-Rente allgemein beantragen (ohne Einschränkung auf teilweise EM-Rente) und die DRV enscheidet dann, ob man eine volle, eine teilweise oder gar keine EM-Rente bekommt.

Auch entscheiden weder Sie persönlich und auch nicht die Krankenkasse, sondern ausschließlich die DRV, wie das Leistungsfall-Datum (erstes Vorliegen der Erwerbsminderung) der ggf. gewährten EM-Rente festgelgt wird. Sie haben dabei null Mitspracherecht.

Und schon gleich gar nicht interessiert es die DRV, dass Sie gerne noch möglichst lange aus finanziellen Gründen Krankengeld beziehen wollen. Wäre ja auch noch schöner.

Einen EM-Rente ist definitiv kein Wunschkonzert, bei dem Ihnen alles möglichst vorteilhaft und wunschgemäß eingerichtet wird.

Sie müssen also die Entscheidung der DRV abwarten, ob Sie gar keine, eine teilweise oder eine volle EM-Rente bekommen.

Das erfahren Sie dann, wenn Sie den Rentenbescheid in Händen halten, vorher nicht.

Wenn Sie dann mit dem Bescheid nicht zufrieden sind, können Sie Widerspruch einlegen und auch vor dem Sozialgericht klagen.

Wenn es eine volle EM-Rente wird, können Sie diese natürlich nicht einfach "per Zuruf" in eine teilweise EM-Rente umwandeln.

Wenn Sie dann dauerhaft mehr als die "unter 3 Stunden täglich" arbeiten (von einer möglichen maximal sechsmonatigen "Arbeitserprobung" abgesehen), wird Ihnen die volle EM-Rente aberkannt werden.

Das bedeutet aber natürlich NICHT, dass Sie dann automatisch eine teilweise EM-Rente bekommen.

Kann auch gut sein, dass Sie dann gar keine EM-Rente mehr erhalten.

Danke zunächst einmal für die Informationen. Nicht nötig gewesen wäre hierbei Ihr schroffer Tonfall. Wie erwähnt habe ich meinen Antrag damals FREIWILLIG gestellt, und sicherlich nicht, um sowohl meinen Arbeitsplatz als auch meine Existenz zu gefährden. Insofern ist der Hinweis, dass dies kein Wunschkonzert sei, unpassend. So lange man nicht alle Fakten und die Lebenssituation eines Menschen kennt, sollte man nicht über ihn urteilen !
Wer hat den denn losgelassen?am 09.09.2024 | 17:33
meine Antwort scheint dich wirklich getroffen zu haben, lieber EM alias praktische Umsetzung? Tut mir echt leid! ;-)
Wer hat den denn losgelassen?am 09.09.2024 | 18:34
Leider habe ich meine diversen Persönlichkeiten schon lange nicht mehr im Griff und mein Pillen wirken auch nicht, nicht einmal, wenn ich sie tatsächlich mal nehmen sollte.
Feliam 10.09.2024 | 05:56
Nehmen Sie den Antrag zurück und versuchen so lange es geht Krankengeld zu bekommen. In einem Jahr kann viel passieren. Dann gehen Sie dann einfach wieder arbeiten
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