München (tö). Wer sein Geld sicher auf Tagesgeldkonten parken oder als Festgeld anlegen will, kann sich wieder über höhere Zinsen freuen. Das zeigt eine Analyse der aktuellen Sparzinsen von ihre-vorsorge.de. Bei Angeboten mit weit überdurchschnittlich hohen Zinsen sollten Sparende aber genau hinschauen.
Tagesgeld
Auf dem Markt für täglich verfügbares Geld hat sich der Wettbewerb um neue Kundinnen und Kunden verschärft. Das zeigt eine Auswertung des Vergleichsportals Verivox. Demnach boten Anfang Mai bereits 19 Banken Tagesgeldzinsen in Höhe von drei Prozent oder mehr. Vor einem Jahr galt dies nur für zwei Banken. Die US-Großbank JP Morgan lockt mit ihrer Digitalbank Chase neuerdings sogar mit vier Prozent Zinsen, befristet für vier Monate. Danach fällt der Zins auf zwei Prozent.
Die Norisbank wirbt nun ebenfalls mit vier Prozent Zinsen. Die gelten sogar für sechs statt nur vier Monate – allerdings erst vom 1. Juli an. Und die vier Prozent gibt es auch nur, wenn man ein Girokonto bei der Bank nutzt. Allerdings fällt der Zins nach Ablauf der sechs Monate zurück auf den variablen Zinssatz von derzeit mageren 0,75 Prozent.
Die Verbraucherzentralen raten bei der Suche nach einem geeigneten Anbieter darauf zu achten, wie lange hohe Aktionszinsen gezahlt werden und welche Zinsen es danach für Bestandskunden und Bestandskundinnen gibt. Wer nicht Tagesgeld von einer zur nächsten Bank mit hohen Aktionszinsen umschichten will, sollte sich vor allem die Bestandszinsen anschauen. Sie lagen Anfang Mai laut Verivox im bundesweiten Durchschnitt bei knapp über 1,3 Prozent.
Anbieter mit überdurchschnittlich hohen Zinsen für Bestandskunden sind neben dem Newcomer Chase mit 2,0 Prozent unter anderem die Renault direkt Bank (2,0 Prozent), die spanische Suresse Direkt Bank (1,9 Prozent), der liechtensteinische Vermögensverwalter willbe (1,90 Prozent bis 50. 000 Euro) und zum Beispiel die Autobank Ford Money (1,90 Prozent).
Festgeld
Die Aussicht auf steigende Leitzinsen in der Eurozone hat sich auch beim Festgeld positiv bemerkbar gemacht. Beispiel: Der durchschnittliche Zins für Festgeld mit einer Laufzeit von zwölf Monaten belief sich Anfang Juni auf um die 1,9 Prozent. Vor gut drei Monaten lag der Durchschnitt noch bei etwa 1,5 Prozent. Das ergibt bei einer einjährigen Anlage von 50 .000 Euro schon einen Unterschied von 200 Euro. Etliche Banken haben die Zinsen für Festgeld erhöht. Die Drei-Prozent-Schwelle können Anlegende mit Festgeld trotzdem nur bei wenigen Banken mit mindestens guter Einlagensicherung erreichen, zumindest für Laufzeiten von einem Jahr bis drei Jahren. Das gilt zum Beispiel für die deutsche Volkswagen Bank, die tschechische JT Direktbank und Ford Money.
Der Fünf-Prozent-Weltmeisterzins
Die Commerzbank bietet passend zum Beginn der Fußball-Weltmeisterschaft (WM) eine Sonderaktion. Bis zu fünf Prozent Zinsen sind für drei Monate drin. Die maximal fünf Prozent gibt es aber nur, wenn Deutschland nach dem Titelgewinn 2014 wieder Weltmeister wird. Die Bank spricht deshalb auch vom „Weltmeisterzins“. Doch Vorsicht: Eigentlich zählen ja eher Frankreich, Spanien oder England und nicht Deutschland zu den Topfavoriten auf den WM-Titel, und wenn Deutschland früh ausscheiden sollte, kann das Commerzbank-Angebot mit anderen Offerten nicht mithalten. So gibt es zum Beispiel nur 1,5 Prozent Zinsen bei einem Ausscheiden in der Gruppenphase, dann 1,99 Prozent bei Erreichen des Viertelfinales und 2,014 Prozent bei Erreichen des Halbfinales oder Finales.
Ein weiterer Haken: Die Zinsen gezahlt werden erst einen Tag nach Turnierende. Sie gelten dann für drei Monate, und zwar vom 20. Juli bis 19. Oktober 2026. Hinzu kommt: Die Aktionszinsen gibt es auf maximal 50.000 Euro für Altkundinnen und Kunden, die neues Geld einzahlen, oder Neukunden. Das Geld muss aber bereits am 11. Juni, zum Turnierstart, auf dem Konto eingegangen sein und dort bleiben, um überhaupt die Chance auf die Aktionszinsen zu haben.
Der Nachteil liegt auf der Hand: Die Commerzbank zahlt fünf Wochen lang bis zum Beginn der WM nur 0,75 Prozent Zinsen, obwohl es bei anderen Banken mehr als doppelt so hohe Zinsen für Bestandskunden gibt. Außerdem könnte ausgerechnet am 11. Juni 2026 die Europäische Zentralbank (EZB) die Leitzinsen erhöhen, was mit großer Wahrscheinlichkeit bedeutet: Dann werden auch die Zinsen für Tagesgeld tendenziell steigen. Die Fachleute vom Internetportal Finanztip kommen deshalb zu dem Schluss: Das Angebot lohnt sich im Vergleich zu den besten Tagesgeld-Angeboten nur, wenn Deutschland Weltmeister wird.
Tipp: Angebote vergleichen
Wer Sparangebote von Banken vergleichen will, nutzt am besten die einschlägigen Zinsportale wie raisin.com (früher weltsparen.de), biallo.de oder fmh.de. Sparende, die bei der Festgeldanlage möglichst flexibel bleiben wollen, können sich eine Zinstreppe zu bauen. Dabei wird eine Gesamtsumme Geld in kleinere Chargen aufgeteilt und zu verschiedenen Laufzeiten angelegt, zum Beispiel für ein, drei, fünf und sieben Jahre. Läuft ein Festgeldkonto aus, kann man den freiwerdenden Betrag erneut anlegen. So haben Anlegende die Möglichkeit, immer mal wieder über einen Teil des Ersparten zu verfügen und neu zu einem bestenfalls höheren Zinssatz zu investieren.
