Rente / 19.03.2021

Renditen der Rentenversicherung langfristig positiv

Neue Untersuchung zeigt: Beiträge an die gesetzlichen Rentenkassen zu zahlen, lohnt sich – auch für die jüngere Generation.

Bild zum Beitrag "Renditen der Rentenversicherung bleiben langfristig positiv". Das Bild zeigt höher werdende Münzstapel.

München (rt). In die gesetzliche Rentenversicherung Beiträge zu zahlen, ist ein lohnendes Investment. Wer nicht deutlich vor Erreichen seiner Lebenserwartung stirbt, erreicht positive Renditen. Das ist das Ergebnis einer Untersuchung, die die beiden Mathematiker Werner Siepe und Friedmar Fischer vergangene Woche in der Zeitschrift „Die Rentenversicherung“ veröffentlicht haben, dem Fachorgan des Bundesverbands der Rentenberater.

Neu ist bei der Untersuchung, dass Siepe und Fischer mit Originalfällen und nicht mit fiktiven Musterfällen gerechnet haben. Die beiden Experten für Fragen der Altersversorgung haben Rentenbescheide aus den Jahren 2007 bis 2020 von Bestands- und Neurentnern für die Jahrgänge 1942 bis 1954 ausgewertet. Je nach Fall kommen sie dabei auf Renten-Renditen zwischen drei und 3,6 Prozent bei den Rentnern und zwischen 3,5 und 4,2 Prozent bei den Rentnerinnen.

Orientiert haben sich die beiden Mathematiker dabei zunächst an der Rechenmethode der Deutschen Rentenversicherung. Demnach sind von den monatlichen Beiträgen etwa 20 Prozent abzuziehen für die Absicherung der Hinterbliebenen, eine mögliche Erwerbsminderungsrente oder Rehabilitationsleistungen. Gerechnet wird also mit 80 Prozent der Beiträge. Siepe und Fischer haben aber auch berücksichtigt, dass mehr als 90 Prozent der Rentner und Rentnerinnen gesetzlich krankenversichert sind. Dann gehen von ihrer Bruttorente Beiträge für die Kranken- und Pflegeversicherung in Höhe von rund elf Prozent ab. Auch bei diesen Fällen bleiben die Renditen positiv, sie liegen dann zwischen 2,3 bis 3,1 Prozent bei den Rentnern und zwischen 2,9 bis 3,6 Prozent bei den Rentnerinnen.

Geringere Renditen für jüngere Jahrgänge

In dem Fachaufsatz heißt es aber: „Je jünger, desto geringer die Rendite der gesetzlichen Rente“. Siepe und Fischer sprechen sogar vom „Gesetz der sinkenden Rentenrendite und kommen zu dem Ergebnis: Neuversicherte, die beispielsweise 2021 erstmalig Beiträge zur gesetzlichen Rente leisten, gesetzlich krankenversichert sind und zu den Geburtsjahrgängen ab 1990 gehören, kommen nur noch auf Renditen von 2,1 Prozent (Frauen) und 1,8 Prozent (Männer). Als Gründe nennen die Autoren die in Zukunft steigenden Rentenbeiträge, den Eintritt der Babyboomer-Generation in die Rente von 2025 an, mit dem die Renten eher geringer steigen dürften als die Löhne, und das auch dadurch langfristig sinkende Rentenniveau.

Die Rendite der gesetzlichen Rente zu berechnen, ist recht kompliziert. Dafür sind lange Zeitreihen (zum Beispiel 40 Beitragsjahre und 20 Rentenjahre) zu berücksichtigen. Die Beitragsrendite der Altersrente ist dann der Zinssatz, bei dem die auf den Rentenbeginn aufgezinsten Beitragsausgaben gleich sind mit den abgezinsten Renteneinnahmen. Solange die Summe aller zufließenden Renten über der Summe aller eingezahlten Beiträge liegt, fällt die Rendite der gesetzlichen Rente positiv aus.

Grundannahmen folgen dem Rentenversicherungsbericht

Auch sind einige Grundannahmen nötig: Siepe und Fischer unterstellen dabei wie im Rentenversicherungsbericht der Bundesregierung eine jährliche Rentensteigerung von durchschnittlich zwei Prozent. Die Autoren gehen vom Gesamtbeitrag aus, den Arbeitgeber und Arbeitnehmer hälftig zahlen. Außerdem rechnen die Rentenexperten mit der Sterbetafel des Statistischen Bundesamtes. Die fernere Lebenserwartung einer 65-jährigen Rentnerin beträgt demnach fast 23 Jahre und eines heute 65-jährigen Rentners 19,5 Jahre. Laut der Untersuchung ist deshalb die Rendite bei den Frauen um etwa 0,5 Prozentpunkte höher als bei den Männern.

Mit den neuen Berechnungen werden frühere Studien bestätigt, von der Deutschen Rentenversicherung, vom Sachverständigenrat (bekannt als „Wirtschaftsweise“) und im November 2020 von Forschern des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung (DIW). Auch sie kamen auf ähnlich hohe und durchweg positive Renditen, ohne aber mit Originalfällen gerechnet zu haben.

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Autor

Robert Thiel