Rente / 30.03.2021

Renten-Chefin plädiert für höhere Hinzuverdienstgrenze

Roßbach regt an zu prüfen, ob die seit 2020 stark verbesserten Regeln für Nebeneinkünfte von Frührentnern erhalten bleiben können.

Bild zum Beitrag "Renten-Chefin plädiert für höhere Hinzuverdienstgrenze". Das Bild zeigt Gundula Roßbach, Präsidentin der Deutschen Rentenversicherung Bund.

Berlin (dpa/sth). Rentenversicherungs-Chefin Gundula Roßbach hat sich dafür ausgesprochen, die seit Beginn der Corona-Krise deutlich verbesserten Hinzuverdienstmöglichkeiten für Frührentner ab 63 auf eine mögliche Dauerregelung zu prüfen. „Ich erwarte, dass das die Flexi-Rente attraktiver macht. Man sollte das evaluieren und prüfen, ob es Sinn macht, auch nach der Pandemie an den großzügigeren Hinzuverdienstregeln festzuhalten“, sagte Roßbach in einem Interview der "Rheinischen Post". Bei vorgezogenen Altersrenten war die Grenze für anrechnungsfreien Hinzuverdienst im vergangenen Jahr von jährlich 6.300 Euro auf rund 44.500 Euro angehoben worden, in diesem Jahr sind bis zu rund 46.000 Euro erlaubt.

Roßbach machte zudem Hoffnung, dass es für West-Rentner nach der Nullanpassung in diesem Sommer im kommenden Jahr wieder eine Rentenerhöhung geben werde. „Die Prognosen gehen bisher davon aus, dass die Löhne gegenüber dem Vorjahr wieder steigen werden, vor allem weil es 2021 weniger Kurzarbeit geben soll als im vergangenen Jahr. Insofern erwarte ich eine wieder positive Entwicklung für die Rentner im kommenden Jahr“, sagte Roßbach. „Voraussetzung ist natürlich, dass die dritte Welle der Pandemie nicht bis Dezember andauert.“

Bessere Stressbewältigung durch Prävention und Reha

Bei der Frage, ob es für besonders belastete Berufsgruppen künftig neue Hilfsinstrumente geben müsse, verwies die Präsidentin der Deutschen Rentenversicherung Bund auf den bereits bestehenden Leistungskatalog. „Wir haben die Erwerbsminderungsrente, die ein wichtiges Instrument dafür ist, bereits kräftig aufgestockt. Wir wollen den Menschen durch Prävention und Reha-Maßnahmen zudem noch bessere Angebote machen, damit sie den Stress besser bewältigen können, sich mehr bewegen und besser ernähren“, sagte Roßbach. „Damit wollen wir auch erreichen, dass die Menschen länger im Berufsleben bleiben können. Daneben sollte man stärker auch an Umschulungen auf Tätigkeiten denken, die von älteren Menschen gut ausgeübt werden können.“

Finanziell sieht Roßbach die Rentenversicherung gut aufgestellt. „Die guten Jahre vor der Krise haben uns eine relativ hohe Nachhaltigkeitsrücklage von aktuell rund 35 Milliarden Euro beschert“, sagte sie. „Sie wurde 2020 um rund vier Milliarden Euro abgebaut. Der Rückgang war aber deutlich kleiner als noch vor einem Jahr erwartet. Zudem waren die Beitragseinnahmen 2020 trotz der Krise höher als 2019. Wir werden die Rücklage auch in diesem Jahr abbauen müssen, aber nicht so stark, dass wir von einer Schieflage sprechen könnten.“

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Autor

Stefan Thissen