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Debatte über das Renteneintrittsalter nimmt Fahrt auf

Während Bundeswirtschaftsministerin Reiche und die Junge Union eine längere Lebensarbeitszeit fordern, stemmen sich Arbeitsministerin Bas und die Jusos dagegen. Linken-Chefin Schwerdtner zeigt sich gesprächsbereit.

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Front des Reichstagsgebäudes in Berlin mit deutscher und europäischer Flagge. Bild: IMAGO / blickwinkel

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Berlin (sth/dpa). Die Diskussion um eine weitere Anhebung des Renteneintrittsalters nimmt Fahrt auf. Nachdem sich Bundeswirtschaftsministerin Katherina Reiche (CDU) und der “Wirtschaftsweise” Martin Werding in den vergangenen Tagen für die Zeit nach 2031 für eine weitere Verlängerung der Lebensarbeitszeit ausgesprochen hatten, haben sich am Mittwoch neben Bundesarbeitsministerin Bärbel Bas (SPD) auch die Junge Union, die Jusos und Linken-Co-Chefin Ines Schwerdtner in die Debatte eingeschaltet.

Schwerdtner sagte im ZDF-"Morgenmagazin" auf den Hinweis, Experten würden ein höheres Rentenalter gekoppelt an die steigende Lebenserwartung befürworten: “Wenn es um eine moderate Erhöhung geht, dann können wir darüber sprechen.” Sie wandte sich aber gegen den “Mythos”, die Menschen würden zu wenig arbeiten in Deutschland. Das stimme schlicht nicht. Deutschland brauche keine Rente mit 70. Die Linke-Chefin mahnte zudem weitere Schritte an, um die Rentenkassen zu stabilisieren. So müssten alle dort einzahlen, auch Freiberufler und Abgeordnete. Auch die Beitragsbemessungsgrenze sollte erhöht werden. “Die, die mehr haben, können auch mehr in die Rentenkasse einzahlen”, betonte Schwerdtner. Wichtig sei ferner, dass die Menschen vernünftig verdienen, auch müssten Frauen aus Teilzeitverhältnissen geholt werden.

Auch Bundessozialministerin Bärbel Bas (SPD) äußerte sich in dieser Richtung. Eine generelle Rente mit 70 wäre für viele Menschen eine Rentenkürzung, die nicht so lange arbeiten könnten, sagte die SPD-Politikerin ebenfalls im ZDF-"Morgenmagazin". Die Koalition erleichtere es jenen, die im Alter weiter bei ihrem Arbeitgeber tätig sein wollten. “Es ist ja nicht verboten, länger zu arbeiten”, sagte Bas und ergänzte: “Wir haben gesagt, wir wollen zum Beispiel die Rente zu einer Erwerbstätigenversicherung weiterentwickeln. Denn unser Problem ist doch, dass nicht alle in dieses System einzahlen.” Sie nannte Versorgungswerke für attraktive Berufe, die sich derzeit nicht an der gesetzlichen Rentenversicherung beteiligten. 

Jusos gegen längere Lebensarbeitszeit, Junge Union dafür  

Auch der Vorsitzende der Jungsozialisten (Jusos), Philipp Türmer, lehnte eine Erhöhung des Renteneintrittsalters im Interview mit dem Redaktionsnetzwerk Deutschland (RND) ab. Für ihn komme eine Erhöhung des Renteneintrittsalters einer Rentenkürzung gleich, sagte Türmer. Er forderte stattdessen, auch Beamte, Bundestagsabgeordnete und Selbstständige in die gesetzliche Rentenversicherung einzubeziehen. “Außerdem benötigen wir mehr Umverteilung im System, und hohe Kapitalerträge müssen endlich einen Beitrag zur Sicherung der Altersvorsorge leisten», sagte der Juso-Chef. 

Ähnlich äußerte sich die Sprecherin der Grünen Jugend, Jette Nietzard. Sie sagte dem RND: ”Die Kosten des demografischen Wandels müssen aber nicht nur nach Alter, sondern nach Vermögen und Leistungsfähigkeit verteilt werden." Dagegen forderte der Vorsitzende der Jungen Union (JU), Johannes Winkel, eine längere Lebensarbeitszeit. Winkel verteidigte einen entsprechenden Vorschlag von Bundeswirtschaftsministerin Katherina Reiche (CDU). “Wir müssen länger arbeiten und vor allem die Frühverrentungssysteme beenden”, sagte der JU-Chef dem RND. 

Rentenpaket 2025 heute im Bundeskabinett

Sozialministerin Bas bringt heute den Entwurf ihres Rentengesetzes ins Bundeskabinett ein, mit dem wie im Koalitionsvertrag von CDU, CSU und SPD vereinbart das heutige Rentenniveau von 48 Prozent bis 2031 festgeschrieben werden soll. Ab dem Herbst sollen sich dann - nicht zum ersten Mal - Kommissionen Gedanken über die Zukunft der Sozialversicherungen machen. Da wegen der Bevölkerungsentwicklung künftig absehbar weniger Berufstätige für mehr Rentner aufkommen müssen, steht auch das Rentensystem unter Reformdruck.

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