Frankfurt (tö). Die Rentnerinnen und Rentner in Deutschland haben seit der Jahrtausendwende keine Einbußen ihrer Kaufkraft erlitten. Dies zeigt eine Analyse des Informationsportals ihre-vorsorge.de, die auf aktuellen Daten der Deutschen Rentenversicherung (DRV) beruht. Demnach sind die Phasen vergleichsweise hoher Inflation im Jahrzehnt bis 2010 und seit 2020 durch die Phase relativ hoher Rentenerhöhungen in den zehn Jahren seit 2010 kompensiert worden. Die Rentnerinnen und Rentner in Ostdeutschland können mittlerweile sogar wesentlich mehr mit ihrer Rente kaufen als noch zur Jahrtausendwende.
Inflation steigt um 58 Prozent, West-Rente um 58,3 Prozent
Den DRV-Zahlen zufolge sind die Verbraucherpreise zwischen 2000 und 2024 um 58 Prozent gestiegen. Die Brutto-Standardrente wuchs in diesem Zeitraum für West-Rentner und -Rentnerinnen um fast den gleichen Wert, nämlich um 58,3 Prozent. Für die Ost-Rentner und -Rentnerinnen betrug das Plus sogar 82 Prozent. Bei der Berechnung der Standardrente wird unterstellt, dass eine fiktive Person 45 Jahre lang jedes Jahr genau durchschnittlich verdient und entsprechend Rentenbeiträge zahlt.
Die bundesweit inzwischen einheitliche Standardrente wird sich nach der Rentenerhöhung zum 1. Juli um 3,74 Prozent auf 1835,55 Euro brutto erhöhen. Rentner mit weniger als 45 Beitragsjahren oder geringeren Beiträgen als der Durchschnitt profitieren aber genauso von den Rentenerhöhungen.
Rentenerhöhungen: starker Unterschied der einzelnen Jahrzehnte
Das zurückliegende Vierteljahrhundert zeigt allerdings erhebliche Schwankungen in der Entwicklung, wie die aktuellen Daten der DRV zeigen: Von 2000 bis 2010 legte die Inflation um 16,7 Prozent zu. Die Rentenerhöhungen summierten sich in dieser Zeit auf 9,5 Prozent (West) und 11,7 Prozent (Ost). In diese Zeit fallen die Finanzkrise und die darauffolgende Rezession, was auf die Löhne und damit auch auf die Rentenanpassungen drückte.
Im darauffolgenden Jahrzehnt war es umgekehrt. Zwischen 2010 und 2020 stiegen die Renten viel deutlicher als die Inflation. Die Konjunktur lief prächtig, die Anzahl der Beschäftigten und Beitragszahler wuchs kräftig, entsprechend gut entwickelten sich die Löhne und damit auch die Renten, die laut DRV in diesem Jahrzehnt um 25,7 (West) beziehungsweise 37,7 Prozent (Ost) zulegten.
Zum Vergleich: Die Teuerungsrate erhöhte sich in diesem Zeitraum, in den auch die Niedrig- und Nullzinsphase fiel, um 13,5 Prozent. Im gegenwärtigen Jahrzehnt verloren Rentner und Rentnerinnen hingegen an Kaufkraft: Der Auswertung der DRV zufolge wuchs die Inflation von 2020 bis 2024 um 19,3 Prozent, bei den Renten betrug das Plus hingegen nur 15 Prozent (West) und 18,3 Prozent (Ost).
Sozialversicherungsabgaben reduzieren Kaufkraft
Berücksichtigt man die Beiträge für die Kranken- und Pflegeversicherung (KV und PV) sieht die Bilanz für die Rentner und Rentnerinnen allerdings weniger gut aus. Zieht man deren Eigenanteile für die PV und KV in pauschalierter Form ab, kommt man auf die Netto-Standardrente – vor Abzug von Steuern, die für Rentner erst nach Abgabe der Steuererklärung berechnet werden. Diese Netto-Standardrente erhöhte sich von 2000 bis 2024 um 74,7 Prozent (Ost) und 51,5 Prozent (West).
Die Inflationsrate stieg aber um 58 Prozent. So gerechnet haben West-Rentner und Rentnerinnen auch über den langen Zeitraum an Kaufkraft verloren. Eine Sprecherin der Deutschen Rentenversicherung merkte aber an: Bei derartigen Kaufkraftvergleichen sei zu berücksichtigen, dass der für die Berechnung der Inflation maßgebliche Warenkorb in der Bevölkerung von dem eines Rentnerhaushalts abweichen könne.
