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Experte fordert Renten-Ausweg für kranke Beschäftigte

Der ehemalige Vorsitzende des Sozialbeirats, Gert G. Wagner, plädiert für eine bessere Prävention und großzügige Hilfe für Erwerbsgeminderte.

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Prof. Dr. Gert. G. Wagner, ehem. Vorsitzender des Sozialbeirats – Bild: DIW Berlin © Detlef Güthenke

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München (sth). Für einen Renten-Ausweg für gesundheitlich angeschlagene Beschäftigte hat sich der Wirtschaftsprofessor und ehemalige Vorsitzende des Sozialbeirats, Gert G. Wagner, ausgesprochen. In einem Interview der „Süddeutschen Zeitung“ plädierte Wagner für eine verbesserte Gesundheitsprävention und eine großzügige Hilfe für Erwerbsgeminderte. Das sei „die Stellschraube, über die jetzt intensiv nachgedacht werden sollte“. Zugleich warnte Wagner jedoch vor Übertreibungen – „sonst gibt es wie in den Achtzigerjahren einen Run auf die Erwerbsminderungsrente, die damals Erwerbsunfähigkeitsrente hieß“, sagte der langjährige Chef der Regierungsberater in Rentenfragen. Die Bundesregierung hat die Erwerbsminderungsrente in den vergangenen Jahren mehrfach verbessert.

Mit Blick auf die von verschiedenen Seiten geforderte Anhebung der Altersgrenze über das 67. Lebensjahr hinaus sagte Wagner, er halte es „nicht für klug, schon jetzt Festlegungen für die Zeit nach 2030 zu treffen“. Zudem glaube „ohnehin keiner, dass das gesetzliche Renteneintrittsalter auf lange Sicht nicht steigen wird“. Allerdings seien jüngere und ältere Jahrgänge heute nicht so fit wie frühere Jahrgänge, sagte Wagner unter Verweis auf die Übergewichtigkeit vieler Menschen. „Ob die Lebenserwartung tatsächlich steigt, wie heute alle annehmen, ist also offen." 

„Bei der Mütterrente geht es um Gerechtigkeit“

Rückendeckung erhielt der bayerische Ministerpräsident Markus Söder (CSU) von Wagner für dessen Forderung, die sogenannte Mütterrente erneut zu verbessern und Mütter aller Kinder für die Rente gleich zu behandeln. „Da geht es um Gerechtigkeit. Ich halte das für nachvollziehbar“, erklärte der früher unter anderem beim Deutschen Institut für Wirtschaftsforschung (DIW) tätige Wirtschaftswissenschaftler. Bei der geplanten Besserstellung durch die Mütterrente gehe es um eine „relativ kleine Gruppe“. „Für einzelne Frauen kann es aber sehr wichtig sein“, sagte Wagner.

Angesichts der anhaltenden Niedrigzinsphase und des wegen der hohen Kosten absehbaren Endes der bisherigen Riester-Rente sprach sich Wagner dafür aus, die betriebliche Altersvorsorge zu stärken. Die Arbeitgeber sollten zu einem Standard-Vorsorgeangebot für ihre Beschäftigten verpflichtet werden, die Arbeitnehmer aber das Recht haben, ein solches Angebot abzulehnen und privat für das Alter vorzusorgen, schlug Wagner vor. Er ergänzte: „Arbeitgeber könnten eine bessere Standardvorsorge aber auch im Rahmen einer tarifvertraglichen Regelung anbieten.“ Ein solches System stelle sicher, dass auch Arbeitnehmern von kleinen und mittleren Unternehmen eine kostengünstige zusätzliche Altersvorsorge zur Verfügung stünde, argumentierte der ehemalige Sozialbeirats-Chef. 

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